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Konzert : Green Day - die neue Definition von Rock'n'Roll

Kultur, 15.10.2009, Frank Fligge

Dortmund. Die völlig entfesselte Punkrock-Band Green Day hat am Mittwochabend in der Dortmunder Westfalenhalle ein schier unglaubliches Konzert gespielt und dabei den Rock'n'Roll für das dritte Jahrtausend neu definiert: Punk 2.0 - ein Hörereignis!

Gerade sind die Nobelpreisträger 2009 benannt, da drängt sich schon ein Anwärter für 2010 auf – Sparte „Physik“. Den müsste nach menschlichem Ermessen die US-amerikanische Punkrock-Band Green Day erhalten. Das Trio, das live zum Sextett wächst, trat am Mittwochabend in Dortmund den Beweis an, dass Energie beliebig übertragbar ist. Von der Bühne aufs Publikum, zurück auf die Bühne, wieder aufs Publikum und so weiter. Dass die Energie dabei immer größer und größer wird, obwohl sie sich 130 Minuten lang permanent entlädt, gehört zu jenen Geheimnissen den Physik, die der normale Musikfreund nicht verstehen, wohl aber genießen kann. Prognose: Wer dabei war kommt mühelos über den Winter – ohne zu heizen.

Hyperaktiver Flummi

Billie Joe Armstrong, Sänger und Gitarrist der US-Band Green Day. )c) ddp Foto: ddp

Green Day in Dortmund. Wenn das leuchtende „U“ auf der Westfalenhalle am Mittwoch gewackelt hat: kein Wunder. Ein Wunder ist, dass es überhaupt noch auf dem Dach steht nach diesem Konzertabend wie es viele Jahre keinen gab im altehrwürdigen Kuppelbau. Der Moment, in dem Sänger und Gitarrist Billie Joe Armstrong die Bühne betrat, war der Moment, in dem ihm die Halle gehörte. Fortan hingen die Fans an seinen Lippen, vollzogen jede Geste nach. Und einige durften ihm sogar assistieren.

Billie Joe Armstrong, obschon privat längst braver Familienvater, ist live on stage der ewige Rebell, der aufmüpfige Teenager. Die Haare blondiert, die Jeans als Röhre, zeigt er eindrucksvoll, dass man auch als Punk in Würde altern kann. Obwohl: Was heißt schon „altern“ für einen, der mehr als 20 Jahre im Geschäft und trotzdem noch keine 40 ist?! Armstrongs Bühnenshow gleicht einem Flummi. Hyperaktiv wirkt er; eine echte Rampensau. Vom ersten bis zum letzten Akkord nimmt er das Publikum mit. Dabei verbrennt er vermutlich mehr Kalorien als sein Landsmann und Namensvetter Lance Armstrong bei der Tour de France auf dem Anstieg nach Alpe d’Huez – Unterschied: Der Green-Day-Frontmann steht nicht unter Dopingverdacht.

Abgesang auf die Welt des 21. Jahrhunderts

In der Westfalenhalle gibt die Band, deren exzellente Rhythmusfraktion mit Bassist Mike Dirnt und Schlagzeuger Tré Cool nicht minder charismatisch und dominant ist, einen Überblick über zwei Jahrzehnte musikalischen Wirkens. In dieser Zeit hat das Trio schon zweimal historische Verdienste erworben. Anfang der 90er Jahre und spätestens mit dem 1994er Album „Dookie“, daraus Hits wie „Basket Case“ und „When I Come Around“, haben die Kalifornier den seinerzeit mausetoten Punkrock wiederbelebt.

Einige Alben und auch eine Dürreperiode später haben sie ihn 2004 mit „American Idiot“ komplett neu erfunden. Punk 2.0 – ein Konzeptalbum, eine Rockoper, darauf hochkomplexe, verschwurbelte, bisweilen progressive Songstrukturen und: Ein klares Bekenntnis gegen die Politik des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Green Day (bis heute: 65 Millionen verkaufte Tonträger) räumten Preise ab ohne Ende: Grammys, MTV-Awards; die Geschichte von American Idiot wurde vor wenigen Monaten als Musical uraufgeführt. Just zu der Zeit, da das Nachfolgealbum erschien: „21st Century Breakdown“ – der Abgesang auf die Welt des 21. Jahrhunderts.

Kein Abgesang auf Green Day. Die Band ist und bleibt live eine der besten ihrer Zeit. Sie hat Qualitätsstandards in der Rock-Musik neu definiert. Der Westfalenhalle hat sie am Mittwoch eine Sternstunde beschert. Ein Wunder, dass das „U“ auf dem Dach noch steht.

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Zu jung für Green Day im Sitzen

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Musik und Konzerte, 07.10.2009, Gerrit Dorn

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