Kritik an Ruhr-Lippe: „Sehr aggressive Mieterhöhungen”
30.03.2009 | 19:15 Uhr 2009-03-30T19:15:00+0200
Brigitta Wieting und Frank Kettmann schauen gefrustet auf die Post ihres Vermieters. Denn die Wohnungsgesellschaft „Ruhr-Lippe” dreht kräftig an der Mietpreisschraube und verändert sogar die Berechungsgrundlage, ohne dass etwas in die Wohnungen investiert worden wäre.
Kein Einzelfall: Der Mieterverein sieht eine ganze Welle von teilweise kräftig überzogenen Mietforderungen auf die 6800 Dortmunder Ruhr-Lippe-Mieter zurollen. „Das geht bis an die Schmerzgrenze”, berichtet Holger Gautzsch, Rechtsanwalt des Mietervereins. Und darüber hinaus.
Druck und Trickserei durch „Heuschrecke”
-Die einst landeseigene Wohnungsgesellschaft LEG ist trotz vielfältiger Kritik von der der CDU/FDP- Landesregierung im September 2008 an den US-Immobilienfonds „Whitehall” verkauft worden.
-Die Ruhr-Lippe mit ihren 6800 Dortmunder Wohnungen ist eine LEG-Tochter und daher ebenfalls an die „Heuschrecke” verkauft worden. Insgesamt haben LEG und Ruhr-Lippe rund 12 000 Wohnungen allein in Dortmund.
-Die kommunalen Wohnungsgenossenschaften - u.a. die Dortmunder Stadtwerke-Tochter Dogewo21 - kamen nicht zum Zuge. Das rächt sich jetzt: Denn der US-Immobilienfonds dreht jetzt kräftig an der Renditeschraube: Die Mittel für Instandsetzungen wurden um 20 Prozent gekürzt, das Sanierungsprogramm gestoppt und drastische Mieterhöhungen angekündigt.
Denn die Gesellschaft - sie ist eine Tochter der LEG und wurde ebenfalls im vergangenen Jahr an eine „Heuschrecke”, den US-Immobilienfonds „Whitehall”, verkauft - muss die Renditeforderungen der neuen Mutter erfüllen. „Auf breiter Basis wird daher nach Möglichkeiten gesucht”, berichtet der Mietervereinsvorsitzende Helmut Lierhaus. Das sei „insgesamt sehr unschön”, gerade weil es auch keine Gegenleistungen für die teilweise sehr drastischen Mieterhöhungen gebe.
Auch im Fall von Frank Kettmann langte das Unternehmen kräftig zu. Und das mit einem Trick: Sie stufte die Ausstattungsklasse seiner Wohnung hoch. Dadurch kann das Unternehmen mit Verweis auf den Mietspiegel höhere Mieten verlangen. Allerdings haben sie am Standard der Wohnung nichts verändert. Im Gegenteil: Seit Jahrzehnten wurde im Haus nichts gemacht. Das Treppenhaus der Immobilie an der Möllerstraße ist mehr schwarz denn weiß. der Boden abgelaufen. „1972 wurde das letzte Mal gestrichen, als wir Hei-zungen eingebaut bekamen”, berichtet Brigitta Wieting.
Neue Bürgerinitiative?
1991 hatten sie sich zudem über eine Bürgerinitiative Lärmschutzfenster erstritten, die zumindest an der Seite zur vielbefahrenen Möllerstraße eingebaut wurden. Seitdem ist nicht mehr passiert. Vielleicht müsse man wieder eine Nachbarschaftsinitiative an der Möllerbrücke gründen, um gegen die aus ihrer Sicht völlig überzogenen Mieterhöhung vorzugehen und Instandsetzungen zu fordern, überlegt Wieting. Interessierte könnten sich bei ihr melden: 161762 (täglich 16 bis 18 Uhr).
Auch der Mieterverein will aktiv werden: Allerdings seien die Erhöhungen und die Einstufungsänderungen nicht pauschal zurückzuweisen: „Wir müssen leider jeden Einzelfall prüfen”, so Gautzsch.
14:08
Das die Hochfinanz-Heuschrecke Whitehall nach dem Verkauf der LEG die Mieten - natürlich ohne Gegenleistung - deutlich nach oben schrauben würde, war vorher klar, wurde aber im Vorfeld politisch verleugnet und wird nun nicht wahrgenommen.
Was bleibt, ist Widerstand zu leisten. Krieg den Palästen und Friede den Hütten (Büchner), dem ist nichts hinzuzufügen. Die politisch Verantwortlichen sollten sich darüber hinaus warm anziehen .......