Das aktuelle Wetter Dortmund 12°C
Sicherheit

Kranwagen hängt in der Politik fest

22.10.2012 | 18:55 Uhr
Kranwagen hängt in der Politik fest
Der alte Kranwagen der Dortmunder Berufsfeuerwehr bei einer Übung.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Dirk Aschenbrenner, Chef der Feuerwehr, macht es der CDU im Rat schwer, die Beschaffung eines neuen Kranwagens für fast 1,2 Mio Euro weiter zu torpedieren: Wer den neuen Kran nicht wolle, nehme größere Personen- und Sachschäden in Kauf.

Sollte der Rat auf die Neubeschaffung verzichten, müsse er das von ihm beschlossene Schutzziel bei der Hilfeleistung durch den Kran zurücknehmen und nehme in Kauf, dass der Sicherheitsstandard in Dortmund unter das Niveau in vergleichbaren Großstädten sinke. So schreibt es die Feuerwehr in einer neu gefertigten Beschlussvorlage, über die der Rat am 15. November abstimmen soll.

Kein Zeitdruck

Mit dem ersten Versuch, die Politik zur Freigabe der 1,2 Mio Euro für den neuen Kran zu bewegen, war die Feuerwehr im Frühjahr gescheitert. Kurz bevor der Rat wegen der Wiederholungswahl im August aufgelöst wurde, hatte der Finanzausschuss im Mai auf die Bremse getreten und zahlreiche Nachfragen formuliert. Auch Harald Heinze, Landesbeauftragter für den aufgelösten Rat, sah keinen Zeitdruck und überließ die Entscheidung dem neuen Stadtparlament.

Den Ratsfraktionen liegen nunmehr weitaus umfangreichere Unterlagen vor. Darin befasst sich die Feuerwehr erstmals auch mit der Alternative zur kostspieligen Wiederbeschaffung.

Spezialeinheit Bergung

Im Brandschutzbedarfsplan für 2001 bis 2011 hatte der Rat auf Vorschlag der Feuerwehr (und ihres Gutachters Rinke) festgelegt, wie viel Feuerwehrleute und -technik sich die Stadt zwecks Gefahrenabwehr leisten soll. Für den Kran - im Fachjargon „Spezialeinheit Bergung“ genannt - wurde das Sicherheitsziel einvernehmlich so gesteckt: Er sollte in 90 Prozent aller Einsatzfälle innerhalb von 20 Minuten zur Stelle sein.

„Wenn wir dieses Sicherheitsniveau halten wollen, müssen wir für unseren 16 Jahre alten Kranwagen Ersatz beschaffen“, so Aschenbrenner. Sollte der Rat auf die Wiederbeschaffung verzichten, müsse er das Schutzziel zurücknehmen. „Dann werden wir mit dem Kran nur in etwa 30 statt 90 Prozent der Fälle innerhalb von 20 Minuten zur Stelle sein.“ Eine derartig drastische Absenkung des Sicherheitsniveaus könne die Feuerwehr „weder empfehlen noch verantwortlich vertreten“, heißt es in der von OB Sierau und Kämmerer Stüdemann unterzeichneten Beschlussempfehlung für die November-Ratssitzung. „Dies wäre eine sicherheitspolitische Entscheidung des Rates, die auch bei der Frage nach Organisations- und Schadenshaftung zu berücksichtigen wäre.“

Rolf Maug

Facebook
 
Kommentare
24.10.2012
10:42
@ superimpi: Der Rat muss alle Alternativen kennen !
von nike8 | #10

Bei allem Verständnis für die Wichtigkeit dieses Kranwagens – zwei Wege sollten mit gleicher Energie geprüft werden:

Erstens: Kann der Rat die Investitionsmittel von 1,2 Mio Euro über das bestehende und bereits beschlossene Investitionsvolumen 2012 hinaus bereitstellen und damit die politische Verantwortung für die Mehrausgabe übernehmen?

Oder zweitens: Kann die Verwaltung die Investitionsmittel von 1,2 Mio Euro durch Investitionsverzicht bei anderen – weniger bedeutsamen – Projekten intern zur Verfügung stellen und übernimmt der Rat anschließend die politische Verantwortung für diese Umschichtung?

Natürlich: Die letzte Verantwortung liegt beim Rat! Aber dafür muss er auch alle Alternativen genannt bekommen. Und eine Ausweitung der Investitionssumme 2012 ist eben nicht die einzige Alternative.

Klar, ein Verzicht auf den Umbau eines Jugendzentrums, ein Verzicht auf den Neubau eines Sportplatzes – das wäre eine schwierige Entscheidung. Und in Zeiten leerer Kassen umso mehr.

24.10.2012
08:18
Kranwagen hängt in der Politik fest
von superimpi | #9

Wie wichtig der Bergungszug der Feuerwehr Dortmund ist, konnte man in der vergangenen Woche bei dem Unglück im Do-Ems-Kanal erleben. Hier wird tatsächlich Leben gerettet.
Ich bin sehr deutlich der Auffassung, dass Dortmund wie auch das Umland im Rahmen der überörtlichen Hilfeleistung auch künftig einen intakten Bergungszug vorhalten muss.

Ansonsten teile ich aber die Besonnenheit vieler Verfasser hier, dass viel zu viel unsinniges Geld ausgegeben wird für etliche unsinnige Dinge.
Der Kran ist da tatsächliche eine Ausnahme, weil es um unser aller Sicherheit geht.

23.10.2012
23:50
Kranwagen hängt in der Politik fest
von ClaraKorn | #8

Die Feuerwehr begründet die Neubeschaffung nicht allein mit technischer Abnutzung sondern mit veränderten Anforderungsprofilen für Feuerwehrkräne. Der Gesetzgeber hat zulässige Gesamtgewichte und Achslasten und Abmessungen verändert - da muss sich dann auch das Rettungsgerät anpassen. Und - komischerweise verunglücken immer die überladenen Lkw - wie das wohl zusammen passt?

Die Absprache mit Bochum bei Ausfall oder Reparatur des Kranes sich gegenseitig zu helfen ist eine gute und wirtschaftliche Lösung. Essen zB hält immer noch 2 (!) Feuerwehrkräne vor.

23.10.2012
23:28
Kranwagen hängt in der Politik fest
von buerger90 | #7

Wieviele Betriebsstunden hat denn der 16 Jahre alte Kranwagen auf der Uhr ?
Für wieviele ist der Kranwagen denn ausgelegt ?

Vielleicht braucht die Feuerwehr keinen neuen Kranwagen.
Vielleicht braucht dieser, angesichts leerer Kassen, eine Wartung oder Überholung.

Ungeachtet des Kulturinvestitionswahnsinns in unserer Stadt können dann die eher technisch aufgestellten Realisten gemeinsam eine Lösung finden.

In dieser Zeit hat dann die Politik/Verwaltung den Weg für die Investition zu ebnen.

23.10.2012
19:55
@ nike8 Wenn man will ...
von ClaraKorn | #6

.. dann könnte man für ein Jahr durchaus 10 % des Jahresetats des U-Turmes einsparen und davon die Investition des neuen Feuerwehrkranes bezahlen.

Die CDU in Dortmund muss schlecht beraten sein, so ein Thema in den Vordergrund zu stellen - damit kann sie nur verlieren. Den Menschen geht es um ihre Sicherheit und die Argumente der Feuerwehr sind überzeugend. Schliesslich betreiben alle vergleichbaren Grosstadtfeuerwehren auch Feuerwehrkräne - das ist also kein Dortmunder Spleen! Die CDU agiert hier mal wieder als die schlechtere SPD - kein Wunder, dass sie hier nie ein Bein an den Boden bekommen haben, was angesichts der schwachen SPD-Leistungen einer guten Opposition sicher gelungen wäre.

23.10.2012
19:43
@ ClaraKorn: Wenn das mal so einfach wäre ....
von nike8 | #5

@ ClaraKorn: Naja, das Problem beim Dortmunder U liegt ja in den Festlegungen der Vergangenheit – wenn auch der „jüngsten Vergangenheit“: Der Umbau wurde beschlossen, auf Biegen und Brechen durchgesetzt und der Betrieb wie nun praktiziert auf Ewigkeit vereinbart. Was kann man da noch einsparen? Das Defizit – so hoch es auch im Rechnungsergebnis sein mag – wird von der Stadt getragen. Basta!

Ob ich das gut finde? Natürlich nicht! Aber so ist nun einmal die Realität.

Die 1,2 Mio müssen dann eben bei anderen Investitionsprojekten der Stadtverwaltung eingespart werden. Aber hier werden alle anderen Amtsleiter auch gute Gründe gegen eine Umverteilung vorbringen: Einmal sind es Zuschüsse, die an den städtischen Eigenanteil geknüpft sind. Ein anderes Mal sind es drohende Mehrkosten für Reparaturen, die kommende Haushaltsjahre belasten. Auch drohende Einnahmeausfälle durch mangelnde Attraktivität kann ich mir gut als Begründung vorstellen.

Ja ne, is klar!

23.10.2012
15:33
Kranwagen hängt in der Politik fest
von ClaraKorn | #4

Bevor ein für die Sicherheit der Bevölkerunmg wichtiges Einsatzgerät der Feuerwehr nicht beschafft werden soll und immer noch immense Gelder für sogenannte Leuchttürme und Kulturprojekte ausgegeben werden, kann durchaus an anderer Stelle gespart werden.

Wie wäre es denn, wenn an Stelle von 10.2 Millionen vielleicht nur 9 Millionen Euro im Jahr 2013 für den Betrieb des Dortmunder U ausgegeben würden?

23.10.2012
13:39
@ Kohlensteiger: Ich bestreite nicht die Sinnhaftigkeit, aber die Unabweisbarkeit einer nicht anders zu deckenden Mehrausgabe
von nike8 | #3

@ Kohlensteiger:

Ich wünsche natürlich allen Menschen, dass sie niemals mit einem solchen Bergungsgerät gerettet werden müssen. Das versteht sich doch von selber.

Es anderes ist es, dem Rat mit der Argumentation „Wenn ihr das nicht bewilligt, gefährdet ihr Menschenleben“ die Pistole auf die Brust zu setzen. Natürlich formuliert die Verwaltung in der Vorlage nicht so offensichtlich, aber eben doch deutlich genug für die Dortmunder Bürger. Die Botschaft kommt an – sowohl bei der CDU als auch in der Bürgerschaft.

Nein, so einfach ist es nun einmal nicht: Auch in Zeiten leerer Kassen kann eine gut gemeinte und sinnvolle Investition nicht allein aus diesen Gründen ohne Rücksicht auf die Finanzen getätigt werden.

Ja, das ist die brutale Wahrheit: Wenn wir uns Sicherheit nicht mehr leisten können, dann wird der Sicherheitsstandard eben sinken!

Warum können diese 1,2 Mio nicht an anderer Stelle eingespart werden? Ist wirklich jede andere Investitionsmaßnahme in dieser Stadt so wichtig?

23.10.2012
12:54
Kranwagen hängt in der Politik fest
von Kohlensteiger | #2

NIKE8, ich hoffe Sie kommst niemals in eine Situation wo du die Hilfe eines solchen Bergungsgerätes benötigen!
Dortmund gibt viel unsinniges Geld aus, aber dies Anschaffung ist etwas wo jeder Bürger von profitiert!

23.10.2012
10:42
Kranwagen aufkommensneutral finanzieren! Wo bleibt die verwaltungsweite Solidarität?
von nike8 | #1

Jau, da wünscht sich der Feuerwehrchef sein hübsches aber leider auch teures Spielzeug, bekommt es im Frühjahr nicht – und findet nun Gründe über Gründe, warum denn im Falle der Nichtbeschaffung der Weltuntergang droht. Um mit Atze Schröder zu sprechen: Ja ne, is klar!

Ich persönlich halte es für grenzwertig mit den vorliegenden Begründungen Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Wer würde nicht – vor die Wahl gestellt zwischen maximalem und nicht ganz maximalem Schutz – das Maximum für sich und die Gesellschaft einfordern?

Nun hätte der erste Feuerwehrmann dieser Stadt aber auch Zeit genug gehabt, sich die Investitionsmittel von anderen Stellen in dieser Stadt zu besorgen: Wenn denn der Kranwagen so unverzichtbar ist, dann hätte man doch bei anderen, eher verzichtbaren Investitionen diese 1,2 Mio einsparen können. Das wäre dann gesamtstädtisch neutral gewesen.

Aber nein, selbst die unsinnigste Investition in der Kultur ist so wichtig wie dieser Kranwagen. Ja ne, is klar!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7219977/create

Stimmen Sie ab!

Die Stadt Dortmund sucht einen neuen Slogan . Was sollte Ihrer Meinung nach unbedingt in dem Wahlspruch vorkommen?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Jungen 230 mal missbraucht - viereinhalb Jahre Haft
Hausmeister verurteilt
Der Junge war sechs, als er das erste Mal missbraucht wurde. Danach gab es über 230 weitere Fälle - mindestens. Der Täter war ein Nachbar und ein Freund der Eltern. Am Freitag wurde der Hausmeister vom Dortmunder Landgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.
Gianna Nannini rockt die Westfalenhalle
Schnellkritik
Eine Stimmung wie im Fußballstadion: Am Donnerstag versammelte Gianna Nannini ihre deutschen Fans in der Westfallenhalle. Lange vor Beginn des Konzertes riefen sie die italienische Rockröhre auf die Bühne: "Ol ol ol ol, Gianna Gianna!". Ob der Star die Erwartungen erfüllte, verraten wir in unserer...