Kramnik reiste per Zug an - Carlsen baute das Abitur
02.07.2009 | 18:30 Uhr 2009-07-02T18:30:00+0200Warten auf Kramnik. Der dreifache Weltmeister aus Russland fehlte zur Auftakt-Pressekonferenz. „Ich habe den Zug von Paris genommen. Das war angenehmer als mit dem Flieger”, sagte er. „Nicht wegen der momentanen Luftfahrt-Katastrophen, mit der Bahn fährt man einfach viel entspannter.”
Seit seiner WM-Niederlage gegen Anand in Bonn hat Kramnik kein klassisches Schach mehr gespielt und ist jetzt wieder hungrig auf neue Erfolge. „In Dortmund lief es bisher immer super”, sagte der achtfache Sieger, aber es ist klar, dass ich bei dieser starken Konkurrenz der Gejagte bin”. In der ersten Runde trennte sich der Russe mit Schwarz gegen Titelverteidiger Peter Leko nach 24 Zügen remis. Vorher ging er noch zum Kaffeeautomaten hinter der Bühne, um sich zu stärken. Schach ist heute nicht mehr alleiniger Lebenszweck von Kramnik, der mit einer französischen Journalistin verheiratet und seit Ende Dezember Vater einer kleinen Tochter ist. Die Familie hat für den 34-Jährigen oberste Priorität, im Schach hat er ja schon alles erreicht.
Magnus Carlsen, der zum zweiten Mal in Dortmund startet, hat im Juni erfolgreich die Schule beendet. Der 18-jährige Norweger legte im heimatlichen Lommedalen die letzten Prüfungen ab. Beim Frühstück im Spielerhotel erzählte uns Magnus' Vater Henrik, dass es sich um ein Sportgymnasium handelte und der Abschluss des Jung-stars mit dem Abitur zu vergleichen ist. Magnus, der sich vor allem für Geografie und Geschichte interessiert, habe momentan aber nicht die Absicht, ein Studium zu beginnen. „Dafür spielt er zu gern Schach. Er ist jetzt Vollprofi und konzentriert sich demnächst nur auf seinen Beruf”, so Carlsen Senior. Nr. 3 der Weltrangliste ist Magnus. Vor ihm liegen nur Topalow (Bulgarien) und Weltmeister Anand (Indien), die beide öfter in Dortmund spielten.
Dagobert Kohlmeyer ist ein weltweit renommierter Schach-Journalist, der seit zwanzig Jahren von den Schachtagen berichtet.
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