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Heftiger Krach um „Raum der Stille“ an der TU Dortmund

11.02.2016 | 09:09 Uhr
Heftiger Krach um „Raum der Stille“ an der TU Dortmund
Mit Decken und Stellwänden wurde ein kleiner Bereich für Frauen in dem „Raum der Stille“ der Uni Dortmund geschaffen. Der größere Teil des Zimmers blieb Männern vorbehalten. Die Uni ließ den Raum nun schließen.Foto: Oliver Schaper

Dortmund.   Die Uni Dortmund ließ einen Ruheraum schließen. Muslimische Studenten hatten ihn zu einem Gebetsraum umgestaltet. Frauen sollten Kopftuch tragen.

Das Echo ist gewaltig. Die Reaktionen reichen von begeisterter Zustimmung zur Haltung der Uni Dortmund bis zu fremdenfeindlichen Tiraden. Dabei hatte das Rektorat nur einen kleinen Raum schließen lassen. Allerdings einen besonderen – den „Raum der Stille“. Was ist passiert?

Anfang 2012 hatte die TU Dortmund beschlossen, im Physik-Gebäude einen Raum einzurichten, der Studierenden aller Glaubensrichtungen als Rückzugsort für Gebet, Einkehr und Meditation dienen sollte – ein Ort der Ruhe im hektischen Unialltag. Wichtig war der Hochschule, dass es ein „religiös neutraler Ort“ sein sollte, der aber auch muslimischen Studenten, die zuvor im Treppenhaus beten mussten, zur Verfügung stehen sollte. Die Nutzungsordnung betont, dass „religiöse Symbole, Zeichen oder Ähnliches nicht aufgestellt oder angebracht werden“ dürfen.

Stellwände, Gebetsteppiche, Koranbücher im "Raum der Stille"

Daran hielten sich muslimische Studenten nicht. Sie gestalteten den Raum um: Mit Stellwänden, Regalen und Decken wurde er in einen kleinen Frauen- und einen größeren Männerbereich geteilt. Gebetsteppiche lagen dort, Koranbücher und Flugblätter mit Vorschriften, wie Frauen sich zu verhalten und zu kleiden hätten – unter anderem sollten sie kein Parfüm benutzen und ein Kopftuch tragen. Der Asta (Allgemeiner Studierenden Ausschuss), der für den Raum verantwortlich ist, ließ das Zimmer daraufhin vorübergehend schließen und führte „ein klärendes Gespräch“. Dann wurde der Raum wieder freigegeben.

Rückzugsraum
Uni in Dortmund schließt Ruheraum wegen Geschlechtertrennung

Aus für den "Raum der Stille": Das Rektorat der TU Dortmund hat den für Menschen aller Glaubensrichtungen gedachten Rückzugsraum geschlossen.

Im Januar aber gab es neue Beschwerden. Wieder war der Raum nach Geschlechtern aufgeteilt worden. Frauen wurden an der Tür von muslimischen Studenten abgefangen und darauf hingewiesen, dass sie nur den kleinen Teil des Raumes nutzen dürften, der größere sei den Männern vorbehalten. Auch die Gebetsteppiche waren wieder da, sowie Gefäße für Fußwaschungen.

Da zog das Rektorat der Uni die Reißleine und schloss die Tür ab. „Das war ein klarer Verstoß gegen die Nutzungsordnung sowie gegen das Gleichheitsgebot im Grundgesetz. Das dürfen wir nicht dulden“, erklärt Unisprecherin Eva Prost. Der Versuch, einen neutralen und allen Glaubensrichtungen offen stehenden „Raum der Stille“ zu schaffen, sei „leider gescheitert“. Als Kapitulation möchte die Unileitung ihren Schritt aber nicht verstanden wissen, es gehe darum, die Grundrechte zu wahren sowie die Diskriminierung von Frauen und anderen Religionen zu unterbinden.

Probleme gab es auch in Bochum

Die betroffene Gruppe, etwa 400 Studenten, protestierte. Sie warf dem Rektorat ihrerseits Diskriminierung und antiislamischen Rassismus vor. Das Rektorat weist die Vorwürfe scharf zurück. Eine Hochschule als staatliche Institution sei an geltende Gesetze gebunden , die „Gleichberechtigung von Mann und Frau ist dabei ein unantastbarer Kernbereich“, heißt es in dem öffentlichen Schreiben der Uni.

Beinahe jede Hochschule hat auf freiwilliger Basis Gebetsräume eingerichtet, immer wieder kommt es dabei zu Konflikten. Häufig werden die Räumlichkeiten nach einiger Zeit von muslimischen Studenten okkupiert. So ließ im Oktober 2012 die Hochschule Bochum einen solchen Rückzugsort schließen. Der Verfassungsschutz hatte im Zuge von Ermittlungen gegen den radikalen Salafisten Sami A. festgestellt, dass sich in dem abgelegenen Raum regelmäßig verdächtige „hochschulfremde Personen“ trafen.

Der Gebetsraum wurde nach einer Polizeiaktion gegen Sami A. geschlossen. Hochschulpräsident Martin Sternberg war geschockt: „Für mich ist das ein persönlicher Schlag“, sagte er damals. Seit einem Jahr verfügt die Hochschule wieder über eine Gebetsstätte. Sie liegt zentral und gut zugänglich im Mensagebäude – hinter einem weißen Vorhang.

Gebetsräume auch an anderen Unis

Auch die Uni Duisburg-Essen verfügt an beiden Standorten über einen muslimischen Gebetsraum, ebenfalls die Ruhr-Uni Bochum. Aktuelle Probleme wie in Dortmund seien dort aber nicht bekannt, heißt es auf Nachfrage. Es gebe bislang keinen Anlass, an dem Angebot etwas zu ändern.

Gegen Gebetsräume sei im Grunde auch nichts einzuwenden, sagt Prof. Stefan Reichmuth, Islamwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum. Reichmuth musste vor rund drei Jahren Vorwürfen entgegentreten, das Seminar für Orientalistik der Ruhr-Uni werde von radikalen Salafisten unterwandert, was sich als unhaltbar erwiesen habe. Unzulässig seien aber religiöse Kleidungs- und Nutzungsvorschriften für solche hochschuleigenen Orte. „Kopftücher vorzuschreiben oder den Raum nach Geschlechtern zu trennen – das geht überhaupt nicht.“

Der Uni Dortmund ist indes bewusst, dass trotz aller religiösen Querelen der Bedarf der Studierenden nach einem Rückzugsort auf dem Campus groß ist. Derzeit werde geprüft, ob der „Raum der Stille“ in Zukunft Studentinnen mit kleinen Kindern vorbehalten sein soll.

Christopher Onkelbach

Kommentare
12.02.2016
20:32
Heftiger Krach um „Raum der Stille“ an der TU Dortmund
von Moderation | #88

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Heftiger Krach um „Raum der Stille“ an der TU Dortmund
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/krach-um-raum-der-stille-an-der-tu-dortmund-id11553422.html
2016-02-11 09:09
Education, Religion, Raum der Stille, TU Dortmund,
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