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Richard Wagner

Konzerthaus zeigt Ur-Parsifal

15.01.2013 | 07:00 Uhr
Konzerthaus zeigt Ur-Parsifal
Diese „Donnermaschine“ wurde in Amsterdam entwickelt und für die Parsifal-Produktion ausgeliehen.Foto: Jörg Schimmel

Dortmund.  Dirigent Thomas Hengelbrock ist in Dortmund angetreten zu einem atemberaubenden Experiment: Richard Wagners „Parsifal“ soll im ursprünglichen Glanz erstrahlen.

200 Musiker sind zu seinem 200. Geburtstag zusammengekommen, um Wagner wieder Wagner sein zu lassen. Mit diesem Ziel ist Dirigent Thomas Hengelbrock in Dortmund angetreten zu einem atemberaubenden Experiment: Richard Wagners „Parsifal“ soll im ursprünglichen Glanz erstrahlen. Zusammen mit seinem Team will er das Stück zeigen, wie es bei seiner Uraufführung 1882 gespielt wurde.

„Das Vokale, das Transparente ist das Besondere an dieser Umsetzung“, sagt Peter Tilling, musikalischer Assistent von Hengelbrock. „Wir führen ,Parsifal’ mit historischen Instrumenten auf, zum Teil mit Nachbauten, aber auch mit Originalen.“ Wie zum Beispiel einer „Alt-Oboe“, die auf speziellen Wunsch Wagners dem Englisch Horn nachempfunden wurde.

Dramatik und Emotionen

Außerdem hält sich Hengelbrock in seiner Inszenierung streng an Wagners Vorgaben, die der in der Partitur vermerkt hat. „Wenn man das Stück in seiner ursprünglichen Form hört, ergibt sich eine viel größere Bandbreite an Emotionen und Dramatik“, beschreibt Peter Tilling. „Das Weihevolle, die langsamen Tempi, die das Stück aus heutiger Sicht prägen, sind erst ab 1886 inszeniert worden, bei der zweiten Aufführung des Stücks.“ Nach Wagners Tod. „Dramatik ja, aber bitte an den richtigen Stellen“, sagt Tilling.

Für sein Projekt konnte Thomas Hengelbrock zahlreiche namhafte Musiker aus Europa gewinnen. Unter den Solisten sind Bariton Matthias Goerne oder Johannes Martin Kränzle – ebenfalls Bariton – zu nennen. „Die bringen so viel eigene Freude und Neugier rein“, schwärmt Peter Tilling. Nötig ist das, weil auch die Sänger mit den neuen, alten Instrumenten experimentieren, Klangfarben herausarbeiten müssen. Voller Lob ist Peter Tilling für die Jungen der Chorakademie: „Der Chor ist einzigartig! Die Knaben sind sehr präsent und die Solisten werden wir auch mit nach Madrid nehmen.“

Inszenierung als Experimentallabor

Überhaupt gleicht die Inszenierung einem Experimentallabor für historisches Musizieren. Tilling: „Wir wissen, dass Wagner auf der Suche nach dem richtigen Glockenklang war. Darüber gibt es detaillierte Aufzeichnungen.“ Weil die Glocken im Parsifal bisher mehrheitlich vom Band kamen, hat sich das Team um Dirigent Hengelbrock selbst auf die Suche gemacht. „Wir mischen Java-Gongs mit Plattenglocken und Thai-Gongs“, verrät Tilling.

Er ist sich sicher: „Da wird nachher eine Diskussion einsetzen, ob der Parsifal noch wie bisher umgesetzt werden sollte.“ Das Team ist vor allem auf die Publikumsreaktionen gespannt. Ungewohnt wird es, soviel lässt sich versprechen. „Wir sind alle unglaublich euphorisiert und glücklich“, erzählt Tilling vom Gefühl, das hinter den Kulissen herrscht.

Maike Rellecke



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