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Konzerthaus Dortmund macht Pultstar Nézet-Séguin filmreif

28.05.2013 | 16:27 Uhr
Konzerthaus Dortmund macht Pultstar Nézet-Séguin filmreif
Bei den Dreharbeiten in Hamburg: der Dirigent Yannick Nézet-SéguinFoto: Paul Krueerke

Dortmund.   Auftakt nach Hollywood-Maß. Als großes Kino versteht Dortmunds Konzerthaus die nahenden drei Jahre, in denen der Dirigent Yannick Nézet-Séguin seine Residenz nach Westfalen führt. Ab sofort wirbt ein actionsatter Kurzfilm in Kinos der Region für den jungen Musiker.

Wer noch Zweifel hatte, die Klassikstars der Zukunft seien hollywoodreife Geschöpfe, sieht sie von Dortmunds Konzerthaus beseitigt. Zwischen Zorro und Wagners „fliegendem Holländer“ präsentiert es seinen neuen Residenzkünstler — und widmet ihm einen kleinen Kino-Film. In den Lichtspielhäusern der Region bittet ab sofort im Vorprogramm der Dirigent Yannick Nézet-Séguin zum Kultur-Duell.

Film-reife Wagner-Musik

Fein fotografiert, wuchtig genebelt und von Wagners film-reifer Musik getragen sausen da gut eineinhalb so packende wie hochästhetische Minuten an Auge und Ohr des Zuschauers vorbei. Der Gag: Anders als der Düsterling, der ihn herausfordert, tritt Nézet-Séguin nicht mit dem Säbel an: Sein feinstes Florett heißt Taktstock – und so trickst er souverän frontale wie heimtückisch rückwärtige Angriffe aus.

Der Duell-Verlierer überlebt

Dass der fechtende Gegner am Ende nicht opernreif am Boden liegt, hat sich der frankokanadische Pultstar selbst gewünscht. „Er wollte ausdrücklich einen friedlichen Auftritt“, sagt Jan Boecker, Pressechef des Dortmunder Konzerthauses.

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Nicht selten stellt die Ausnahmegeigerin Anne-Sophie Mutter bei ihren Auftritten alle(s) in den Schatten. In Dortmunds Konzerthaus aber entfachten Orchester und Dirigent im Laufe des Abends nicht weniger Euphorie.

Obschon die Musik der klare Sieger ist, sehen wir den Dirigenten seinen Sieg allenfalls mit einem leichten Taktstock-Stupser auskosten. „Musik findet ihren Meister“ bilanziert der Werbe-Trailer. Tatsächlich gilt Nézet-Séguin neben Andris Nelsons und Gustavo Dudamel als eines der außergewöhnlichsten Talente seiner Generation – unangefochten, um seine Filmrolle aufzugreifen.

Prominente Werbeagentur

Das saftige Stück Kurzkino ist ein Produkt der renommierten Werbeagentur Jung von Matt. Sie gilt als kreative Spitze ihres Fachs. Die von RWE unterstützte dreijährige Künstlerresidenz verneigt sich zu Beginn wuchtig vor dem Wagner-Jahr. Am 20. September dirigiert Nézet-Séguin im Konzerthaus „Der Fliegende Holländer“ in einer Luxusbesetzung, wie sie letzten Sommer Bayreuth fast gehabt hätte. Fast. Zwar blieb Franz-Josef Seligs Daland den berühmten Festspielen erhalten. Nach zu spät eingeräumten NS-Tattoos hatte der für die Holländer-Rolle vorgesehene Evgeny Nikitin die Koffer packen müssen. In Dortmund singt er nun, freilich wird es Frack tragen. Und das Tattoo-Thema ist eigentlich auch schon länger aus der Wagner-Welt.

Auch auf Youtube

Man muss übrigens nicht in Kinos von Dortmund-Mitte bis Iserlohn sitzen, um den attraktiven Mini-Streifen zu sehen. Ab sofort ist der cineastische Köder zu „The Yannick Experience“ auf Youtube ausgeworfen:

http://youtu.be/O4v7zOE_0Ew

Lars von der Gönna



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