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Wieder Attacke auf anti-rechte Familie in Dortmund

06.03.2010 | 12:41 Uhr
Wieder Attacke auf anti-rechte Familie in Dortmund

Dortmund. Das Auto einer demokratisch engagierten Familie wurde in Dortmund in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von bisher unbekannten Tätern mit Buttersäure beschädigt. Der Fall zeigt erschreckende Parallelen zu den Erlebnissen der Familie Engelhardt, die vor den Rechten aus der Stadt fliehen musste.

Der Buttersäure-Anschlag auf das Fahrzeug unbescholtener Menschen und die Tatsache, dass die Polizei eine politisch motivierte Straftat nicht ausschließt und der Staatsschutz bereits ermittelt, weckt Erinnerungen an den Fall Engelhardt. Die Dorstfelder Familie, die sich offen gegen die Rechte Szene ihres Ortsteils gestellt hatte, musste nach sich steigernden Bedrohungen aus Angst um Leib und Leben im vergangenen Jahr heimlich die Stadt verlassen. Auch im aktuellen Fall gibt es eine über ein Jahr andauernde Vorgeschichte.

Nazi-Steckbrief gegen die Dorstfelder Familie Engelhardt.

Auch der Sohn der nun betroffenen Familie ist politisch engagiert. Ein junger Nazi, den er an seiner Schule dabei erwischt, wie er Aufkleber des so genannten Nationalen Widerstands an die Wände pappt, fliegt deswegen von der Schule. Wenig später lauert dieser ihm nachts auf der Straße auf und nötigt ihn. Es kommt zur Anzeige, woraufhin Neonazis Namen und Adresse des Sohns im sogenannten Antifa-Kalender im Internet veröffentlichen. Einen Tag vor dem Antikriegstag im vergangenen Jahr, verprügeln fünf Neonazis den 18-Jährigen im Hauptbahnhof. Zwei Täter wurden inzwischen ermittelt und wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. Wenig später stinkt das Auto der Familie nach Buttersäure. Auch wenn die Polizei die Täter noch nicht gefunden hat, ist ein möglicher Zusammenhang zur Anklage gegen die Nazi-Schläger nicht von der Hand zu weisen.

Parallelen zum Fall Engelhardt

Zieht man Parallelen zum Fall Engelhardt, kann die Attacke auf das Fahrzeug der Anfang einer nach oben offenen Spirale der Einschüchterung und Gewalt der Autonomen Nationalisten sein, mit der politische Gegner zum Schweigen gebracht werden sollen. Diese Tat unterstreicht die Ergebnisse und Schlussfolgerung der jüngsten Studie „Rechtsextremismus in Dortmund”, die der Stadt ein massives Problem mit Neonazis bescheinigt und größeres gesellschaftliches Engagement dagegen einfordert.

Jetzt muss sich zeigen, ob Stadt, Politik und die Ermittler ihre Lehren aus dem Fall Engelhardt gezogen haben. Eine zweite Vertreibung einer aufrechten Familie, die ihre Meinung gegen antidemokratische Umtriebe des Nationalen Widerstands öffentlich formuliert, kann sich Dortmund nicht leisten. Das Aufgebot, mit dem die Polizei sich in die Ermittlungsarbeit stürzt, zeigt, dass sie sich kein zweites Mal nachsagen lassen möchte, die Bürger dieser Stadt nicht beschützen zu können.

Gregor Boldt

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