Vorfreude, aber...
29.12.2009 | 18:51 Uhr 2009-12-29T18:51:00+0100Um es vorweg zu nehmen: Ich gehöre zu den Optimisten. Die Kulturhauptstadt ist eine riesige Chance für das Ruhrgebiet, vom uralten Schmuddelimage wegzukommen und als lebendige, kreative, pulsierende Metropole über die Grenzen von NRW hinaus wahrgenommen zu werden.
Die Kulturschaffenden können beweisen, dass ihre Ideen keine Konkurrenz scheuen müssen. Der Pott lebt.
Und trotzdem muss Optimismus nicht blind und grenzenlos sein. Es gibt auch viele Stolperfallen im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt. Großprojekte, die pompös angekündigt werden, und dann doch floppen. Touristen, die erwartungsvoll in den Städten des Ruhrgebiets ankommen und auf Baustellen enttäuscht nach den Kultur-Meilensteinen Ausschau halten. Die Sehnsucht nach prunkvollen Bildern, die um die Welt gehen - ungeachtet dessen, dass Kultur nicht nur im Großen, sondern gerade auch im Kleinen stattfindet. Und schließlich die Tendenz, für den Moment alles zu verpulvern und 2011 mit leeren Händen dazustehen.
Also, Politiker: Öffnet das „U”, selbst wenn es nur für Baustellenbesichtigungen ist. Vergesst die freie Szene nicht. Und denkt auch über das Jahr hinaus.
Also, Kulturschaffende: Verabschiedet Euch von den Grabenkämpfen und kooperiert, damit Ihr stark seid.
Und also, Bürger: Öffnet Euch für Kultur, begreift sie als Teil Eurer Stadt - und zeigt sie den Besuchern.
14:30
Ich meine, wir, die hier leben wissen, daß der Pott mehr kann als der Rest der Welt denkt. Aber müssen wir denen das auch sagen?
Es ist doch schön hier wie es ist, da brauchen wir doch sicher keine zugereisten arroganten Neubewohner a la München oder Hamburg, oder?
16:40
Es ist wirklich erschütternd, wie Journalisten -die ja wertneutral sein sollen- über unser Ruhrgebiet schreiben. Es ist anzunehmen, das es alles Zugereiste sind, die von absolut nichts ne Ahnung haben. Den Ruhrpott gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr -seit dem die Zechen zu sind-, aber das ist bei der schreibenden Zunft noch nicht angekommen. Darin liegt auch das eigentliche Problem: Es wird über Themen geschrieben, von denen die Schreiberlinge überhaupüt keine Ahnung haben. Dadurch werden Meinungen verbreitet, die an Rufmord erinnern. Es wäre empfehlenswert, sich erst schlau zu machen, dann das Gehirn einschalten und dann erst schreiben! Glück auf!
22:54
uraltes Schmuddelimage, Der Pott lebt
Jo, wenn die lokale Journaille weiterhin mit solchen Plattitüden aufwartet, dann braucht sich auch Niemand über solche Vorurteile zu wundern.
Komischerweise kenne ich eigentlich Niemanden mehr außerhalb des Ruhrgebiets, der noch an diese jahrzehntealte Selbstbezichtigung glaubt. Man fragt sich eher, warum Kultur hier immer noch eine Art SPD-Staatsaufgabe mit aufgesetztem Zuckerguss, GuteLaune-Anspruch, Arbeiter- und Industrieromantik und fetten Fördermittelbudgets für totgeborene Großprojekte ist.