Schulen unter Druck - von Michael Kohlstadt
22.09.2010 | 19:33 Uhr 2010-09-22T19:33:00+0200Dortmund.Bei Licht betrachtet ist der große Traum vom Ausstieg aus der umstrittenen Schulzeitverkürzung an Gymnasien nur ein matter Abglanz dessen, was sich Rot-Grün im Landtagswahlkampf einst auf die Fahnen geschrieben hatte. Maximal zehn Prozent aller Gymnasien im Land können überhaupt nur in den Genuss der neuen Wahlfreiheit kommen, das Abitur in acht oder neun Jahren zu ermöglichen. Würde man diese Zahl eins zu eins auf Dortmund übertragen, dürften nicht einmal zwei der insgesamt 15 Gymnasien vor Ort wieder zurück zum alten Abitur nach 13 Jahren.
Letztlich zeigt diese Situation, welch enge Grenzen der Minderheitsregierung in Düsseldorf gesetzt sind. Um im großen Stil aus dem Turbo-Abi auszusteigen, müsste Rot-Grün das Schulgesetz ändern. Dazu aber fehlt die Landtagsmehrheit.
Wohl auch aus diesem parlamentarischen Mangel an Gestaltungskraft hat die neue Landesregierung die Entscheidung für oder gegen G8 an die Schulen durchgereicht. In der Frage, welche Schule aus dem bei vielen Beteiligten so ungeliebten Turbo-Abi wieder aussteigen will, geraten Lehrer, Eltern und Schüler vor Ort nun erneut unter massiven Druck.
Denn der Entscheidungsprozess muss in wenigen Wochen organisiert werden. Und es stellt sich eine ganze Reihe von bislang ungeklärten Fragen. Wie will man etwa die Beteiligung der betroffenen Eltern und Schüler sicherstellen? Sollen nur die Unterstufeneltern entscheiden? Wie kann man die Meinung derjenigen einholen, auf die es künftig ankommt: die Eltern der heutigen Grundschulkinder? Sie haben in den Schulkonferenzen der Gymnasien ja noch gar kein Stimmrecht. Was passiert, wenn kein Dortmunder Gymnasium es schafft, rechtzeitig die Weichen zu stellen? Und wie will man Schülerströme und Elternwünsche kanalisieren, wenn nur eine einzige Schule in der Stadt zu G9 zurückkehrt und anschließend alle dorthin wollen?
Fragen über Fragen also. Hoffentlich lässt die Politik die Betroffenen an den Schulen bei der Suche nach vernünftigen Lösungen nicht im Regen stehen.
13:01
Der CDU/FDP Irrsinn des Turbo-Abiturs hatte hintergründig nur das Ziel massiv Personalkosten des Landes NRW für die Lehrer eines gesamten gymnasial-Jahrganges zu sparen. Mehr nicht - der Rest war und ist sich selbst widersprechendes Geschwätz, das in seinen Folgen Schüler, Eltern und Lehrer belastet.
Die SPD/Grüne NRW Landesregierung kann also gar nicht flächendeckend aus dem Turbo-Abitur aussteigen. Dafür bereitet (rot)-rot-grün in NRW schon das nächste Schuldebakel vor.
Mit Zeit und - nicht vorhandenem - reichlich Geld und einer veränderten Leherausbildung wäre die Einführung der 6 Klassen dauernden Grundschulphase möglich. Wie dabei dann allerdings die zwangsläufigen Lerndefizite in der 5 und 6 Klasse für die Kinder aufgehoben werden sollen, die anschließend das Turbo-Abitur absolvieren möchten, das wurde noch nicht erklärt.