Das aktuelle Wetter Dortmund 12°C
Kommentar

Klagen wären katastrophal

10.12.2009 | 22:21 Uhr

Dortmund. Die beschlossene Selbstauflösung des Rates ist ein Akt höchster demokratischer Tugend. Selbst wenn die Stadt jetzt bis zur Neuwahl im kommenden Frühjahr formal kopflos dasteht. Klagen dagegen wären politisch katastrophal.

Natürlich fällt Dortmund nicht ins Bodenlose, nur weil die Stadt infolge der Wahlwiederholung ein paar Wochen auf einen Oberbürgermeister und ein legitimiertes Parlament verzichten muss. Im Gegenteil: Was wiram Donnerstagabend erleben konnten, war ein Vorgang, der in unserem bundesrepublikanischen Gemeinwesen durchaus seinen Platz hat - auch wenn er zugegebenermaßen eher abseits der alltäglichen Vorstellungskraft liegt.

Man kann bittere Worte darüber verlieren, dass Dortmund für eine Übergangszeit formal kopflos dastehen wird, ausgerechnet in einer Phase höchster finanzieller Nöte. Besonders wenn man die Gründe bedenkt, die zu diesem politischen Debakel geführt haben. Aber die beschlossene Selbstauflösung des Rates bleibt ein Akt höchster demokratischer Tugend, die durch den bereits angekündigten Verzicht auf Gegenklage von OB Sierau immerhin für einen Teil der Wahl die so dringend nötige Klarheit schafft.

Insofern bleibt zu hoffen, dass diejenigen Ratsvertreter, die gestern gegen eine Wahlwiederholung gestimmt haben - und dies war in geheimer Wahl keine kleine Minderheit - sehr genau überlegen, ob sie die Entscheidung des höchsten kommunalen Gremiums mit juristischen Mittel anfechten wollen.

Von Rechts wegen steht ihnen dieser Schritt selbstverständlich zu. Politisch aber wäre ein solches Signal katastrophal. Mit einem Parlament auf Abruf, einem jahrelangen Verfahren durch die Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit, käme Dortmund so bald weder zur Ruhe noch aus den Schlagzeilen. Verheerender noch: Es entstünde zwangsläufig der Eindruck, Ratsvertreter wollten mit aller Macht ein weiteres Votum desjenigen verhindern, dem sie ihren Platz im Rat zu verdanken haben: dem Wähler.

Michael Kohlstadt

Facebook
 
Kommentare
11.12.2009
16:13
Klagen wären katastrophal
von vaikl | #8

@Sozialerdemokrat
Es gäbe gute Gründe für ein Ratsmitglied oder einen Bezirksvertreter, dem Beschluss zu widersprechen. Sie sind für 5 Jahre gewählt mit allen Rechten und Pflichten

Seit gestern sind die drei Dortmunder Kommunalwahlen lt. Ratsbeschluss und auf Empfehlung des zuständigen Wahlausschusses rechtmäßig für ungültig erklärt. Der OB und jeder Rats- und Bezirksvertreter sind damit *nicht* gewählt, können also per se keine Rechte und Pflichten in Anspruch nehmen.

Wer von denen damit nicht einverstanden ist, muss also zunächst gegen den Ratsbeschluss Widerspruch einlegen, aber dabei auch begründen, warum die Wahl nicht ungültig sei.

Mal abgesehen vom Imageschaden in der eigenen Wählerschaft - schließlich entscheidet man sich gegen den Mehrheitswillen der Bürgervertretung - bedarf es dabei schon anderer Rechtskaliber als z.B. so ein Gefälligkeitsgutachten für die SPD.

11.12.2009
14:56
Klagen wären katastrophal
von Der Ossi | #7

Ja, aber es geht ja nicht um die rechtliche Bewertung, sondern um das, was den meißten Politikern fehlt: Moral
Wenn also ein Wahlsieg mit krass falschen Grundlagen errungen wurde, ist es aus demokratischer Sich nur vernünftig, diesen wiederholen zu lassen. Man kann also davon ausgehen, daß diejenigen Politiker, die klagen werden und Angst haben ihren Sitz zu verlieren diesen wohl nicht (mehr) verdient haben, sonst müßten sie ja keine Angst haben. Ich hoffe, daß eine Klage (das Recht möchte ich Ihnen nicht absprechen), politisch das Genick brechen wird.
Grade diejenigen, die bei Fehlern von der politischen Konkurrenz oder Firmenvorständen lauthals den Rücktritt fordern, sollten wissen, daß es Momente gibt, an denen man sich nicht an sein Recht (welches ja nicht juristisch geklärt ist) klammern sollte...

11.12.2009
11:41
Klagen wären katastrophal
von Schwarz/Gelb für die Tonne | #6

Ich würde als Ratsmitglied klagen, schließlich gibt es 2 unterschiedliche Gutachten.

11.12.2009
10:29
Klagen wären katastrophal
von Beule | #5

Chaos, welche die SPD hier angerichtet hat, ist perfekt. Ratsmitglieder und Mitglieder der jeweiligen Bezirksvertretungen können gegen die Wiederholung (müssen die Wahlvorschläge jetzt alle neu aufgestellt werden, oder gelten die alten Wahlvorschläge?) der Wahl klagen. Und mit gutem Recht. Sie sind in einer geheimen Wahl rechtmäßig gewählt worden und haben sich keiner Unregelmäßigkeit zuzuschreiben. Wenn ich z.B. ein gewähltes Mitglied einer Bezirksvertretungwäre, würde ich klagen. Dies wird ein Beschäftigungsprogramm für Verwaltungsjuristen.

11.12.2009
09:32
Klagen wären katastrophal
von EKSOM | #4

Mindestens zwei Ratsmitglieder der SPD werden klagen. Die glaubten schon Ihre Schäfchen auf dem Trockenen zu haben, und jetzt der Schock.
In der SPD geht es um interne alte Abrechnungen, Und diese werden auf Kosten der Dortmunder ausgetragen. Nach diesen Vorfällen gibt es nur noch eines: Komplette Management der SPD in Dortmund austauschen und zwar von A bis Z.
Sont wird Sie (die SPD) bald schon eine einstellige Partei, nicht nur in Dortmund.

11.12.2009
08:44
Klagen wären katastrophal
von vera | #3

Die Werbung von den Toten Hosen nervt langsam nur. Jedesmal wenn ich hier ne Seite zum Lesen öffne, geht die los, dann klick ich auf den Button zum ausschalten, die Seite lädt lustig weiter und schon dröhnt die Musik wieder aus den Boxen und stört. Ich will beim Online-Zeitung lesen ganz in Ruhe Dead Kennedys hören und zwar ohne, dass die Toten Hosen dazwischen schallen.

Sorry fürs Off Topic

11.12.2009
08:31
Klagen wären katastrophal
von Sozialerdemokrat | #2

Das ist eine äußerst wackelige Geschichte. Es gäbe gute Gründe für ein Ratsmitglied oder einen Bezirksvertreter, dem Beschluss zu widersprechen. Sie sind für 5 Jahre gewählt mit allen Rechten und Pflichten. Sicher hat Langemeyer gelogen, aber das haben viele andere Politikerinnen und Politiker auch. Deshalb kann man nicht immer neu wählen. Durch die Neuwahl werden auch Steuergelder verschwendet,

11.12.2009
02:45
Klagen wären katastrophal
von Barfusstänzer | #1

Da es durchaus Gegenstimmen in der SPD-Fraktion gegen eine Neuwahl gab, ist das politische, nein, sind alle Signale völlig verherrend.
Und das vermittelte Signal, dass hier eher um Gutachten gefeilscht wird, eine Verantwortung oder ein Einsehen aber nicht zu erwarten sind, ist in Dortmund evtl. nicht mehr skandalös, auf jeden Fall aber ekelerregend.

Was sollen wir denn wiederholen? Das kostet 1,2 Mio.! Wir werden doch sowieso wiedergewählt. Die Herzkammer der Eigenbesamung.
20 Jahre CDU-Herrschaft wären der Dortmunder SPD eigentlich nur zu wünschen um sich mal neu zu erfinden und sich von diesem Schmock zu befreien, bzw. in die DSW21 etc. wegzuloben. Hupps, geht ja nicht. Wäre ja die CDU am Ruder.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2246887/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aus dem Ressort
Zickzack-Kurs auf Zeit
CONTRA
Radschnellweg, die Dritte: Dafür, dagegen, dafür - wie denn nun? Egal, ob man begeisterter Radfahrer ist oder nicht: Bei diesem Zickzack-Kurs kann man OB Sierau nur wünschen, dass er einen Helm trägt, das Handy aus ist, und sein Navi funktioniert.
Schnell nachbessern
PRO
Den geplanten Radschnellweg nur auf die finanzielle Seite zu reduzieren, wäre fatal. Sicher, 37 Millionen Euro für eine Ost-West Strecke ist völlig überteuert. Und es ist ein fatales Signal, dass der RVR argumentiert, 80 Prozent kommen von Bund und Land. Na und? Damit sind es immer noch...