Bei Envio trügt der Schein - von Klaus Brandt
03.08.2010 | 20:05 Uhr 2010-08-03T20:05:00+0200Dortmund.Typisch Envio, Teil 2. Alle Türen offenhalten – das war schon zu Produktionszeiten eine Devise der Giftfirma. Leider. Denn durch die geöffneten Tore entwich giftiges PCB in die Umwelt. Dass auch viel Realitätssinn aus dem Unternehmen entwichen ist, belegt die offizielle Erklärung zu den acht betriebsbedingten Kündigungen.
Zwischen Schein und Sein liegen Welten. Wenigstens in dieser Hinsicht bleibt sich Envio treu. Wer die Pressemitteilung liest, könnte meinen, dass die Firma verzweifelt versucht habe, ihre Leute zu halten. Und beinahe jeden Tag damit rechnet, sie weiter einsetzen zu können, weil die Wiederaufnahme des Betriebs ja eigentlich vor der Tür stehe. Soweit der Schein.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie wenig Envio am Personal liegt, zeigt nicht nur jeder einzelne Arbeitstag, der den Geschassten in der Giftküche zugemutet wurde. Nicht nur die Art und Weise, wie sie behandelt wurden. Auch ihr Rausschmiss – ohne Begründung, ohne Dank – ist ein Zeugnis der Missachtung. Ohne öffentlichen Druck hätte es wohl bis heute keine offizielle Erklärung gegeben.
Dass Envio jetzt „die negative Berichterstattung hiesiger Meinungsbildner“ für den Geschäftseinbruch in Korea verantwortlich macht, verdeutlicht das groteske Rechtsempfinden der Firmenbosse. Nicht der Giftmischer hat Schuld, sondern jene, die ihn auffliegen lassen. Hoffentlich hat der Spuk bald ein Ende – ein gutes für die Belegschaft.
14:25
Envio ist knallhart agierendes organisiertes Verbrechen! Kaum tönte die rot-grüne politische Klasse - Envio darf sich nicht wiederholen!- kam die Retourkutsche in Gestalt der Kündigungen. Damit sollen die übrigen Mitarbeiter gewarnt werden: keiner kann euch wirklich helfen, wer sein Blut ohne unsere Einwilligung untersuchen läßt, wer mit Insiderwissen an die Öffentlichkeit geht, wer Anwälte einschaltet, der wird gnadenlos sanktioniert. Und die politische Klasse? Sie ist so hilflos wie weiland bei Nokia. Envio kann auch seine Dortmunder Giftbude einfach dicht machen, dann sind die Arbeitsplätze weg und die rot-grünen Umwelt-Zertifikatgeber haben eine giftige Industriebrache statt einen einstmals hofierten und poltisch umjubelten Entsorger. Envio kann sich zur unendlichen Geschichte entwickeln, die weit länger als die rot-grüne Minderheitsregierung dauern kann. Und dann werden die politisch-ökonomischen Karten neugemischt. Die Enviö-Mitarbeiter dürften da leider auf verlorenem Posten stehen!