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Aus Fehlern nicht gelernt

17.08.2010 | 18:39 Uhr
Aus Fehlern nicht gelernt

Dortmund.„Langfristig tragbar und professionell war das Übergangs-Modell mit Übertragung der Leitung an das Jugendamt zu keinem Zeitpunkt, weder organisatorisch, betriebswirtschaftlich noch aus personalpolitischer Sicht.“ Aus berufenem Mund der Gutachter hat die Stadt das erfahren, was man nach den Querelen im alten FZW längst hätte wissen müssen. Doch ist man abermals blauäugig herangegangen. Vielleicht auch ein Schnellschuss auf Wunsch der damaligen Stadtspitze?

Den Verein für unabhängige Kultur (VUK), der das notwendige Gespür, das fachliche Know-how für die Verpflichtung erfolgreicher und aufstrebender Künstler hatte, wollte man nicht mehr. Und dabei sagt das in Auftrag gegebene Gutachten aus, „dass gute Kontakte und Netzwerke im Bereich Musikwirtschaft“ dringend notwendig sind. Wenigstens nahm man den Vorschlag des VUK an, sich auf die Arbeit eines erfahrenen Bookers zu verlassen: Volker May. Und er hat zusammen mit den Mitarbeitern des Jugendamtes, allen voran Daniel Binder (ohne sein Engagement hätte das FZW wohl im September kaum eröffnet) einen verdammt guten Job gemacht.

Rund 100 000 Besucher kamen bis zum heutigen Tage, (u.a. auch zu den jugendfördernden Formaten Lauscher und Rockstage) das FZW wurde in kürzester Zeit zu einem Markenzeichen in NRW. Bands wurden verpflichtet, die sonst einen Bogen um Dortmund gemacht hätten. Sie wären nach Köln gegangen oder sonst wohin, obwohl Dortmund mit der Westfalenhalle ein renommiertes Veranstaltungszentrum hat. Und das sieht keiner in der Politik.

Schlammschlachten losgetreten

Highlight im FZW: Der Auftritt von Bela B. Foto: Rottmann

Schlammschlachten wurden losgetreten, als man erfuhr, dass das FZW mietfrei an Veranstalter abgegeben wurde. Doch ist dies gängige Praxis. So wurden auch große Arenen wie die in Köln oder auch in Oberhausen zu Dumpingpreisen vermietet, um sich einen Namen zu machen. Ins Rollen gebracht hatte diese unsägliche Diskussion ausgerechnet ein Veranstalter aus Bochum, der merkte, dass das FZW ein zu großer Konkurrent für ihn geworden war. In die Diskussion schaltete sich sofort die Politik ein, stellte die Verantwortlichen an den Pranger, die sich noch nicht einmal mit Zahlen und Fakten wehren konnte, da sie einen Maulkorb verpasst bekommen hatten. Und dass diese trotz aller fehlenden Strukturen einen Superjob gemacht haben, betont heute nicht nur Jörg Stüdemann.

„Sie haben von allen Seiten Dresche bekommen, durften sich nicht wehren, und haben das FZW zu einem der besten Clubs in Deutschland gemacht“, erklärt Michael Lohrmann von Visions. Dortmund sei durch das FZW endlich aus dem Dornröschenschlaf in einem musikalischen Sektor erwacht, der sonst nur außerhalb Dortmunds bespielt wurde. Er macht keinen Hehl daraus, dass er sich vorstellen könnte, das FZW selbst zu betreiben. Das Haus trage seinen Teil dazu bei, „dass Kreative aus der Musikwirtschaft nicht in andere Städte abwandern“.

Falsche Zahlen

Die CDU, die immer noch mit falschen Zahlen das FZW betreffend, an die Öffentlichkeit geht, geht sogar soweit zu behaupten, „dass die Verantwortlichen am FZW die Übernahmeverhandlungen bewusst torpedieren wollen, so dass eine Übernahme scheitert und sie weiter Konzertveranstalter spielen dürfen.“ Die Betroffenen dürften froh sein, wenn endlich geordnete Verhältnisse geschaffen werden.

Und von Veranstalter spielen darf wohl keine Rede sein. Volker May hat bewiesen, dass er die notwendige Professionalität besitzt, die richtigen Bands zu verpflichten, dass er die Kontakte in die Szene hat. Sicher wird sein Risiko durch die Stadt abgedeckt. Doch trägt er sämtliche Vorkosten, Hotelrechnungen der Bands, zahlt alles, was die Durchführung der Konzerte angeht. Selbst die Security für die Partyformate, die er nicht veranstaltet hat, zahlt seine Firma „Energie“ derzeit.

Ob die Westfalenhallen die Richtigen für das FZW sind, daran bestehen Zweifel. Zumindest fehlen die Kontakte in die Szene. So sollte man schnell Gespräche mit externen Beratern führen, um sich deren Unterstützung im Übernahmefall zu sichern.

Andreas Winkelsträter

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Kommentare
19.08.2010
20:46
Aus Fehlern nicht gelernt
von hans dampf | #9

@5:
http://www.visions.de/magazin/redaktion/20/Michael-Lohrmann

19.08.2010
20:46
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von hans dampf | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.08.2010
22:21
Aus Fehlern nicht gelernt
von vaikl | #7

Liebe Frau Wehde,
meine Verantwortung als Bürger erledige ich zunächst mit dem Kreuzchen auf dem Wahlzettel und mit der pünktlichen Überweisung von Steuern und Gebühren, damit Sie sie ausgeben können.

Tut mir wirklich wahnsinnig leid, wenn von mir geäußerte Kritik nicht von Ihrer Partei vereinnahmt und - je nach Wetterlage - von den Großen geklaut werden kann oder einfach im Ortsverein versickert. Aber soviel Platz für Menschen mit Verstand hat Ihre Partei doch gar nicht mehr.

Und entschuldigen muss man sich anscheinend auch noch dafür, dass es Menschen gibt, die außerhalb der althergebrachten Bürozeiten der SPD-Fraktion noch wach sind und ihr (nicht *Ihr*) Geld verdienen.

Meine damaligen Kritikpunkte sind doch von Stüdemann fast umgesetzt worden, also wo ist das Problem?
Diese Pseudo-Anforderung an eine städtische Kontrolle über gemeinnützige Jugendkulturarbeit im FZW ist aber überflüssig, weil sie einfach nicht umgesetzt wird. Also kann man es gleich komplett privatisieren.

18.08.2010
21:10
Aus Fehlern nicht gelernt
von DoBiDo | #6

@ 5 ErikaW

Toller Vorschlag - derjenige, der schon vorher auf die Probleme hingewiesen hatte, soll nun aushelfen?

Nein - die rot-grüne FZW-Suppe sollen mal schön die auslöffeln, die sie sich eingbrockt haben. Aber das wird auch nicht helfen. Am Ende wird der Steuerzahler wieder bluten müssen. Nur, daß heutzutage - im Zeitalter der leeren öffentlichen Kassen - sehr schnell der Bürger mit Leistungskürzungen bei anderen Aufgaben der Kommune rechnen muss.

Das wird für Bürger und SPD ein Novum werden. Bin mal gespannt, wie man damit umgehen wird.

18.08.2010
20:48
Aus Fehlern nicht gelernt
von ErikaW | #5

@4
Der Typ, der in Dortmund nun wirklich ALLES besser weiß und kann heißt nicht Lohrmann, sondern Lohmann!

Und der übernimmt nix - schon gar keine Verantwortung, sonst könnte er ja schließlich nicht mehr nächtelang über alles so schön ablästern.

Obwohl - der Vorschlag hätte schon was....

18.08.2010
12:55
Aus Fehlern nicht gelernt
von nummer 6 | #4

Herr Lohrmann übernehmen Sie!

18.08.2010
01:35
Blockierter Kommentar.
von tom_waits | #3

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18.08.2010
01:19
Aus Fehlern nicht gelernt
von CCFliege | #2

Wirklich wieder mal Schade um das Kreativmanagement hier in der Povinz. Das die Leute aber auch kein sensibles Gespür entwickeln können. Rechtsanwälte können halt gut recherchieren, aber Witterung aufnehmen ist nur wenigen beschieden... Das die nicht da sind und mitentscheiden liegt sicher an der Ignoranz und dem üblichen Kreativneid. Schade um dorTMund.

18.08.2010
00:22
Blockierter Kommentar.
von Benno | #1

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