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Komasäufer werden Alkoholiker

30.01.2011 | 20:00 Uhr
Komasäufer werden Alkoholiker
Wolfgang Ullrich ist seit 15 Jahren trocken. Und setzt sich jetzt für Selbsthilfe ein. Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Die Zahl der jugendlichen Komasäufer steigt immer weiter an. Jedes Jahr meldet das Landesamt für Statistik neue Höchststände – für den trockenen Alkoholiker Wolfgang Ullrich, eine Besorgnis erregende Entwicklung, durch die wesentlich mehr Menschen zum Alkoholiker werden könnten. Und gegen die viel zu wenig getan werde. „Das Problem verlagert sich und wird immer jünger“, warnt Ullrich.

„Wer schnell viel Alkohol in sich hineinschüttet, setzt die Schutzmechanismen des Körpers außer Kraft“, sagt der 57-Jährige. Mechanismen, wie Übelkeit, die den Körper davor bewahren, vergiftet zu werden. Die Folge: 319 Jugendliche mussten 2009 mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Nach Information der DAK sind das 58 mehr als im Jahr zuvor (wir berichteten). Ein neuer Höchststand.

„Durch solche Exzesse bildet sich schon früh ein Suchtgedächtnis“, erklärt Ullrich, der selbst zwanzig Jahre unter Alkoholsucht litt und nun anderen Menschen dabei hilft, abstinent zu bleiben. Oder gar nicht erst zur Flasche zu greifen. Zum Beispiel, indem er Schulen besucht und Acht-, Siebt-, oder schon Sechstklässlern seine Geschichte erzählt.

„Bei jungen Menschen, die insgesamt noch nicht so viel erlebt haben, spielt die Erfahrung eines Vollrausches eine größere Rolle“, erklärt Ullrich. Der Rausch verändere die Psyche. Das regelmäßige „wegbeamen“ hinterlasse deutliche Spuren. „Viele Jugendliche setzten den Alkohol bereits in ihren jungen Jahren als Mittel zum Zweck ein“, sagt Ullrich. Gespräche in den Schulen zeigten, dass die Jungen und Mädchen oft aus Frust trinken würden. „Ich hab die Schnauze voll von der Schule“ – einer der Sätze, den Wolfgang Ullrich immer wieder hört.

Die jungen Menschen, die in der Selbsthilfegruppe „Return Suchtselbsthilfe“ von Wolfgang Ullrich landen, haben allerdings meist noch andere Drogenprobleme. „Der klassische Alkoholiker ist ein Auslaufmodell.“ Die jungen Menschen, die Mitte zwanzig oder dreißig Jahre alt sind, seien in der Regel mehrfach abhängig – Kokain, Ecstasy oder andere Drogen spielten eine Rolle. „Deshalb fallen sie schneller ganz tief“, stellt Ullrich fest.

Novum: Gruppe für
junge Menschen

Er habe zwanzig Jahre gebraucht, um aus der Sucht herauszukommen. Das sei jetzt 15 Jahre her. Die meisten der rund 65 Menschen, die jede Woche zu einer der Return-Selbsthilfegruppen kämen, seien 50 Jahre oder älter. Aber da nun auch immer mehr junge Menschen zu ihm kommen würden. hat Ullrich auch eine Selbsthilfegruppe für diese Altersgruppe gegründet. „Ein Novum in Dortmund“, meint der 57-Jährige. Das sei aber bei weitem nicht ausreichend.

Vorbeugend müsse viel mehr getan werden. Wolfgang Ullrich, der zwischenzeitlich seinen Job verloren hatte und nun als Finanzberater arbeitet, versucht ehrenamtlich immer wieder Neues auf die Beine zu stellen. Zuletzt hat Return zusammen mit den Guttemplern eine alkoholfreie Party veranstaltet. Aber auch alkoholfreie Cocktail- oder Kochkurse hat er bereits gegeben. Moderne Suchtselbsthilfe nennt Ullrich das.

Auch Christel Botterbusch, Suchtberaterin bei der Diakonie weiß, dass in der Suchthilfe ein Umdenken stattgefunden hat. „Früher hat man Menschen dann geholfen, wenn sie am Boden waren“, sagt sie. Seit einigen Jahren werden vermehrt Vorsorgeprogramme angeboten. Wie das Programm „Kontrolliertes Trinken“ des Diakonischen Werkes.

Christina Römer


Kommentare
31.01.2011
14:54
Komasäufer werden Alkoholiker
von ulli220753 | #5

Sorry, ich vergaß Telefonnummer 0231-72973339 oder unter Return-s.de nachschauen
Wolfgang Ullrich Dortmund

31.01.2011
14:53
Komasäufer werden Alkoholiker
von ulli220753 | #4

Hallo Pitschy, ich lade Dich ein, mach mit. Ich suche immer Menschen, die bereit sind,sich in diese Aktionen einzbringen.

31.01.2011
12:43
Komasäufer werden Alkoholiker
von Pitschy | #3

Wer nicht mitmacht, hat verloren. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe spielt immer noch eine große Rolle. Immer öfter werden Menschen gemoppt die sich der Sache entziehen wollen mit dem Wissen was passieren kann. Eine Aufklärung in Schulen und sogar Unis sollte nicht nur ein paar Stunden sein, sondern über eine Woche gehen. Zwei bis drei Schulstunden würden reichen um intensiv darüber zu reden und auch denjenigen Zeit zu lassen darüber nachzudenken. Viele Jugendliche wissen garnicht was sie für Probleme bekommen wenn sie sich weiter zulaufen lassen. Zwar haben sie es mal gehört, aber aus den Ohren aus dem Sinn. Es wird meiner Meinung zu wenig getan, aber viel darüber geredet anstatt miteinander zu reden. Die Arbeit von Wolfgang Ullrich ist ohne Frage sehr wichtig aber zu kurz. An jeder Schule gibt es Arbeitskreise, warum nicht auch eine Suchtwoche ? Ich persönlich würde mich gerne beteiligen denn ich kenne das Problem Sucht nur zu gut.

31.01.2011
03:42
Komasäufer werden Alkoholiker
von vaikl | #2

@ #1
Irgendwann wird das langweilig und man sucht sich etwas neues.

Genau an dieser Stelle scheinen Sie die Ausführungen von Wolfgang Ullrich völlig missverstanden zu haben, denn das biochemische Gedächtnis unseres Organismus reagiert über diese Irgendwann-Zeitspanne genau entgegengesetzt.

Der Kick, durch Alkohol die eigene Stimmung zu heben und negative, stressige Einflüsse zu unterdrücken, wird vom Gehirn faszinierend schnell gelernt. Je intensiver oder langanhaltender dieser Kick ist, desto mehr bilden sich Rezeptoren, die auf Alkohol ansprechen und dessen Wirkung wie eine übergroße Satellitenschüssel mittels chemischer Botenstoffe, sog. Transmitter, als positiven Schlüssel-Reiz übermitteln.

Irgendwann genügt dann das unbedeutendste negative Erlebnis, um die Gehirn-Nachfrage nach diesen Transmittern alle anderen Sinneswahrnehmungen überlagern zu lassen. Das nennt man dann Sucht. Und wie stark und schnell diese Sucht - egal ob Nikotin, Spielsucht oder Alkohol - wirkt, merken Sie an dem äußerst langwierigen Entzug.

31.01.2011
00:03
Komasäufer werden Alkoholiker
von dr.einnstein | #1

Ich will ja nun weiß Gott nicht dem Komasaufen das Wort reden, aber diese Überschrift ist ja wohl völlig daneben.
Das klingt ja, als ob jeder Komasäufer auch Alkoholiker wird.
Dabei spielen doch ganz andere Faktoren eine Rolle. Die von Ullrich genannten Frustsäufer sind sicher am meisten gefährdet. Wer Alkohol trinkt, um sich den Frust wegzusaufen, ist hochgradig gefährdet, übrigens auch ohne Komasäufer zu sein.
Dagegen betreiben die meisten Jugendlichen dieses Komasaufen als Freizeitbeschäftigung. Irgendwann wird das langweilig und man sucht sich etwas neues.
Dass es sich beim Komasaufen um eine extrem gesundheitsgefährdende Beschäftigung handelt, ist klar. Aber für eine Abhängigkeit reciht das alleine nicht aus.
Abhängigkeit findet man viel eher bei Rauchern oder online-Spielern.

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