Kokerei-Kathedrale als Kletter-Arena
31.08.2007 | 15:40 Uhr 2007-08-31T15:40:37+0200In der ehemaligen Kokerei Hansa entsteht eine neue Kathedrale für Kraxelfreunde. Die "Kletterhalle Bergwerk" wird bis Jahresende zum größten Sportkletterzentrum in NRW ausgebaut.
Die dröhnenden Bohrmaschinen in der gewaltigen ehemaligen Gasturbinenhalle der Kokerei Hansa in Huckarde verstummen. Planer und Inhaber der Halle, Christoph Knieper, lädt zur Erstbesteigung der soeben fertiggestellten Nordwand.
Während sich Tim Kruse ins Seil bindet, erklärt Knieper die lange Vorgeschichte eines kühnen Projektes. Er, der seit nunmehr 34 Jahren klettert und mehrere Führer über Kletterrouten im Sauerland herausgegeben hat, brütet seit sieben Jahren über diesem Vorhaben. Ein Berg von Projekt. Da es sich um ein echtes Industriedenkmal handelt, musste Knieper die RAG und die Europäische Union sowie die Hausbank unter einen Hut bekommen.
"1,5 Millionen kostet die Kletterhalle Bergwerk", verrät der Investor. "Wenn's nicht klappt..." Weiter denkt er lieber nicht, sondern hofft, dass jährlich 30 000 bis 40 000 Besucher - vom Anfänger bis zum Extremen - in Huckarde abheben. Dazu muss er schon Außergewöhnliches bieten.
Auf 20 000 Quadratmetern geht es bis in 20 Meter Höhe hinaus. Das reicht für echte Hochgefühle. 15 000 künstliche Griffe hat Knieper von Herstellern in ganz Europa bestellt. Um abwechslungsreiche Touren schrauben zu können, lässt er nicht weniger als 92 000 Löcher in die rauen Multiplex-Platten schrauben.
Raffiniert sind Dächer und Nischen, Verschneidungen und Pfeiler in allen Formen - so wie es der Fels in der Natur bietet. Clou wird aber ein gewaltiger Torbogen unter der Kranbahn sein. Da wird keine Langeweile aufkommen.
Deshalb freut sich Kletterer Tim Kruse auf die Erstbesteigung der Nordwand. Zunächst geht's zehn Meter senkrecht an bunten Griffen in die Höhe. Dann sorgt ein Dach für die Schlüsselstelle der Route. Indem er seinen Fuß bis auf Kopfhöhe zu einem seitlichen Tritt schwingt, meistert Kruse diese Krux, klinkt oben den Karabiner und seilt entspannt ab.
"Mir war es wichtig, das einzigartige Industrie-Ambiente der Turbinenhalle zu erhalten", betont Knieper. Deshalb sind Umkleiden und Duschen auch hoch wie Waschkauen. Eine Sauna wird das Freizeitangebot ergänzen.
Schnuppern können Höhenfreaks schon in der Museumsnacht am 15. September.
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