Kokerei Hansa Dortmund - Riesenmaschine als Erlebnis-Skulptur

In Spitzenzeiten wurden in der Kokerei Hansa täglich bis zu 5.200 Tonnen Koks produziert.
In Spitzenzeiten wurden in der Kokerei Hansa täglich bis zu 5.200 Tonnen Koks produziert.
Was wir bereits wissen
Im Laufe der Zeit sind aus den Industriedenkmälern des Ruhrgebiets Museen, Parks, Bühnen und Ateliers geworden. Bei Touren und Besichtigungen bieten sich tiefe Einblicke in eine Region, die in der Industriekultur ihre kulturelle Identität bewahrt. Eine Entdeckungsreise zur Kokerei Hansa in Dortmund.

Dortmund.. Eine „begehbare Großskulptur“, die faszinierende Einblicke in die Geschichte der Schwerindustrie des vergangenen Jahrhunderts bietet – das ist die 1992 stillgelegte Kokerei Hansa heute. 1928 in Betrieb genommen, war die Großkokerei ein wichtiger Teil in der Verbundwirtschaft der Dortmunder Montanindustrie.

Die riesige Maschinerie bezog von den benachbarten Zechen die Steinkohle und lieferte den daraus produzierten Koks und das Kokereigas an Dortmunder Hüttenwerke. Darüber hinaus wurden aus dem Gasgemisch, das bei der Verkokung entstand, wichtige Grundstoffe für die chemische Industrie gewonnen.

[kein Linktext vorhanden] Über 6.800 Menschen arbeiteten hier in Spitzenzeiten Ende der 1950er Jahre. Seit 1998 stehen die wichtigsten Produktionsbereiche der Kokerei unter Denkmalschutz.

Der Standort wird von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur betreut, die im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Kokerei auch ihren Sitz hat.

Heute kann die Kokerei Hansa auf dem Erlebnispfad „Natur und Technik“ besichtigt werden: Geboten werden authentische Einblicke in den Ablauf der Produktion und die Arbeitsbedingungen auf der Kokerei.

"Kohlenturm mit Panoramablick"

[kein Linktext vorhanden] Der Weg führt hoch hinauf auf den „Kohlenturm mit Panoramablick“ und zum Herzstück der Kokerei, den Ofenbatterien. Hier wurde einst bei über 1.000 Grad Steinkohle zu Koks „gebacken“ – 60 Jahre lang, ohne Unterbrechung, in drei Schichten rund um die Uhr. An einigen Stationen des Erlebnispfades können Besucher authentische Betriebsgeräusche und Geschichten ehemaliger Arbeiter hören. Als Juwel der Anlage gilt die imposante Kompressorenhalle mit den fünf riesigen Gaskompressoren aus der Gründerzeit der Kokerei.

Der besondere Reiz des Industriedenkmals besteht in dem Miteinander von Architektur, Technik und Natur. Denn seit der Stilllegung erobert die Natur ihr Terrain zurück. Neben bekannten Gewächsen wie Birken und Sommerflieder haben sich hier auch Exoten aus Flora und Fauna angesiedelt – vielfältige Industrie-Natur auf einem scheinbar lebensfeindlichen Standort.

Besucher können das Denkmal an Feiertagen und Wochenenden auf dem Erlebnispfad besichtigen, für Kinder wird eine spezielle Entdeckungsreise angeboten. An der Fahrradstation der Kokerei Hansa können Räder ausgeliehen werden.

Großkokerei im Verbund

Hansa – schon die Namensgebung versprach wirtschaftlichen Aufschwung. Denn Hansa klang wie Hanse – jener mittelalterlicher Wirtschafts- und Transportverbund, zu dem auch die alte Hansestadt Dortmund gehörte. Am Anfang war die Zeche Hansa, 1869 wurde die erste Kohle gefördert, 1895 entstand die erste Kokerei und eine Benzolfabrik.

[kein Linktext vorhanden] In den Krisenjahren nach dem ersten Weltkrieg kam für die Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet der erste ernste Einschnitt: Nach amerikanischem Vorbild sollte auch die deutsche Wirtschaft durch Konzentration und Rationalisierung angekurbelt werden.

Vor diesem Hintergrund entstand 1928 die Kokerei Hansa als eine von insgesamt 17 Großkokereien. Sie sollten unrentabel gewordene Kleinanlagen ersetzen und den enormen Bedarf der Hüttenwerke decken, die den Koks für die Erzeugung von Roheisen brauchten. In Spitzenzeiten wurden auf Hansa täglich bis zu 5.200 Tonnen Koks produziert.

Sachlich-funktionale Architektur

Die zeitweise größte Kokerei des Ruhrgebiets war Mittelpunkt einer Verbundwirtschaft: Sie bezog die zu verkokende Steinkohle von den benachbarten Zechen, lieferte den Koks an das nahe gelegene Hüttenwerk Dortmunder Union, erhielt von dort Hochofengas zum Beheizen der Koksöfen und lieferte ihrerseits das hochwertige Kokereigas an Industrie und Haushalte.

[kein Linktext vorhanden] Gleisanlagen, Gasleitungen und das Fördergerüst der 1980 stillgelegten benachbarten Zeche Hansa zeigen diesen Zusammenhang noch heute. Der Architekt Helmuth von Stegemann und Stein hat die Gebäude der Kokerei Hansa klar nach dem Produktionsablauf geordnet und in einer sachlichfunktionalen Architektur gestaltet. Im Wesentlichen sind zwei Produktionsbereiche zu unterscheiden, die sich entlang zweier parallel laufender Werksstraßen erstrecken.

Auf der „schwarzen Seite“ befinden sich die Anlagen für die Koksproduktion. Herzstück dieses Bereiches ist die rund 550 Meter lange Koksofenreihe. Auf der „weißen Seite“ befinden sich die Anlagen für die Gewinnung von Nebenprodukten und die Aufbereitung des Kokereigases.

Die Emscher – Von der Kloake zum Naherholungsgebiet

Kaum ein deutscher Fluss hat eine so wechselvolle Geschichte durchlaufen wie die Emscher. Keiner ist von Menschen so einschneidend verändert worden, dass er in den 1920er Jahren sogar aus der Liste der natürlichen Flüsse gestrichen wurde. Und viel mehr noch als die Ruhr ist die Geschichte der Emscher mit der industriellen Geschichte des Ruhrgebiets verbunden. Heute ist der Umbau des gut 80 Kilometer langen Emschersystems von der Quelle bei Holzwickede südlich von Dortmund bis zur Mündung in den Rhein unter dem Stichwort „Neues Emschertal“ ein Zukunftsprojekt der Region.

Die Emscher – das war ein kleiner, gewundener Wasserlauf mit zahlreichen Mühlen und Wehren, bekannt für seinen Fischreichtum. Zu einem wahren „Höllenfluss“ des Reviers wurde er im späten 19. Jahrhundert. Die eingeleiteten Abwässer der boomenden Montanindustrie und der schnell wachsenden Städte konnten nicht mehr abtransportiert werden, überschwemmten bei Hochwasser immer wieder ganze Stadtteile und verwandelten das nördliche Ruhrgebiet um 1900 in ein wasserwirtschaftliches Notstandsgebiet. Ruhr und Cholera grassierten.

Emscher als Synonym für eine schmutzige Kloake

Nach Jahren hygienischer Katastrophen entstand per Sondergesetz 1904 die Emschergenossenschaft als Zwangsgenossenschaft aller Abwasserverursacher. Bis heute ist sie das regionale Unternehmen für Abwasserentsorgung und -klärung aus Industrie und Haushalten im Ruhrgebiet. Um einen geregelten Abfluss herzustellen, begann die Emschergenossenschaft kurz nach der Jahrhundertwende mit dem Ausbau der Emscher und ihre Nebenläufe zu einem System offener Abwasserkanäle – im Volksmund „Köttelbecken“ genannt, um eine sichere und schnelle Abwasserableitung zu gewährleisten.

Der Bau unterirdischer Abwasserkanäle war infolge bergbaubedingter Bodensenkungen so gut wie unmöglich. Im Laufe der Jahre zwängte man die Emscher in ein schmales Betonbecken und deichte sie ein. Obwohl zu dieser Zeit bereits Kläranlagen und Pumpwerke gebaut wurden, war der Name Emscher jahrzehntelang Synonym für eine stinkende, schmutzige Kloake.

[kein Linktext vorhanden] Ende der 1980er Jahre fiel die Entscheidung für einen grundlegenden Umbau des Emschersystems zu einem renaturierten Gewässersystem mit unterirdischen Abwasserkanälen. Neben der ökologischen Dimension – das Wasser der Emscher wird nach und nach wieder blau – kommen auch städtebauliche und wirtschaftliche Komponenten dazu. Heute entsteht entlang der Emscher das „Neue Emschertal“, das ganze Wohngebiete und Stadtteile aufwertet, neue Lebensqualität und Entwicklungsperspektiven für das nördliche Ruhrgebiet bringt – ein Generationenprojekt.