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Industriekultur

Kokerei Hansa Dortmund - Riesenmaschine als Erlebnis-Skulptur

03.10.2012 | 14:39 Uhr
Kokerei Hansa Dortmund - Riesenmaschine als Erlebnis-Skulptur
In Spitzenzeiten wurden in der Kokerei Hansa täglich bis zu 5.200 Tonnen Koks produziert.

Dortmund.  Im Laufe der Zeit sind aus den Industriedenkmälern des Ruhrgebiets Museen, Parks, Bühnen und Ateliers geworden. Bei Touren und Besichtigungen bieten sich tiefe Einblicke in eine Region, die in der Industriekultur ihre kulturelle Identität bewahrt. Eine Entdeckungsreise zur Kokerei Hansa in Dortmund.

Eine „begehbare Großskulptur“, die faszinierende Einblicke in die Geschichte der Schwerindustrie des vergangenen Jahrhunderts bietet – das ist die 1992 stillgelegte Kokerei Hansa heute. 1928 in Betrieb genommen, war die Großkokerei ein wichtiger Teil in der Verbundwirtschaft der Dortmunder Montanindustrie.

Die riesige Maschinerie bezog von den benachbarten Zechen die Steinkohle und lieferte den daraus produzierten Koks und das Kokereigas an Dortmunder Hüttenwerke. Darüber hinaus wurden aus dem Gasgemisch, das bei der Verkokung entstand, wichtige Grundstoffe für die chemische Industrie gewonnen.

Sehenswertes der Kokerei Hansa

Über 6.800 Menschen arbeiteten hier in Spitzenzeiten Ende der 1950er Jahre. Seit 1998 stehen die wichtigsten Produktionsbereiche der Kokerei unter Denkmalschutz.

Der Standort wird von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur betreut, die im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Kokerei auch ihren Sitz hat.

Heute kann die Kokerei Hansa auf dem Erlebnispfad „Natur und Technik“ besichtigt werden: Geboten werden authentische Einblicke in den Ablauf der Produktion und die Arbeitsbedingungen auf der Kokerei.

"Kohlenturm mit Panoramablick"

Informationen

Anschrift: Kokerei Hansa c/o Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur des Landes NRW, Emscherallee 11, 44369 Dortmund-Huckarde, Tel.: 0231.931122–33, Web: www.industriedenkmal-stiftung.de

Öffnungszeiten Infopunkt und Revierrad-Verleih: April bis Oktober: dienstags bis sonntags und feiertags 10.00–18.00 Uhr. November bis März: dienstags bis sonntags und feiertags 10.00–16.00 Uhr. Die Kokerei ist zu den Öffnungszeiten in Teilbereichen mit Audioguide (deutsch, französisch, englisch, niederländisch) zu besichtigen. Es gibt auch einen Audioguide für Kinder. Eine Gesamtbesichtigung ist nur im Rahmen von Führungen möglich.

Anfahrt: mit dem Auto - A 2 Abfahrt Dortmund Mengede, dann weiter Richtung Dortmund. A 45 Abfahrt Dortmund Huckarde/Hafen, auf der Schnellstraße Richtung Dortmund, Abfahrt Huckarde, links in Richtung Mengede, ab hier Beschilderung folgen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr - ab Dortmund HBF Linie U 47, Richtung Westerfilde bis Haltestelle Pasevalstraße, zu Fuß in Richtung Mailohstraße (ca. 7 min.) mit dem Fahrrad: Emscher Park Radweg

Weitere touristische Informationen:

RUHR.VISITORCENTER Dortmund /// Dortmunder U /// Brinkhoffstraße 4 /// 44137 Dortmund /// Tel.: 0231.5029450 /// E-Mail: rvc@stadtdo.de /// Web: www.dortmundtourismus.de /// Öffnungszeiten: montags bis samstags 10.00–18.00 Uhr, sonn- und feiertags 10.00–14.00 Uhr.

  Der Weg führt hoch hinauf auf den „Kohlenturm mit Panoramablick“ und zum Herzstück der Kokerei, den Ofenbatterien. Hier wurde einst bei über 1.000 Grad Steinkohle zu Koks „gebacken“ – 60 Jahre lang, ohne Unterbrechung, in drei Schichten rund um die Uhr. An einigen Stationen des Erlebnispfades können Besucher authentische Betriebsgeräusche und Geschichten ehemaliger Arbeiter hören. Als Juwel der Anlage gilt die imposante Kompressorenhalle mit den fünf riesigen Gaskompressoren aus der Gründerzeit der Kokerei.

 Der besondere Reiz des Industriedenkmals besteht in dem Miteinander von Architektur, Technik und Natur. Denn seit der Stilllegung erobert die Natur ihr Terrain zurück. Neben bekannten Gewächsen wie Birken und Sommerflieder haben sich hier auch Exoten aus Flora und Fauna angesiedelt – vielfältige Industrie-Natur auf einem scheinbar lebensfeindlichen Standort.

1895 entstand die erste Kokerei und eine Benzolfabrik

Besucher können das Denkmal an Feiertagen und Wochenenden auf dem Erlebnispfad besichtigen, für Kinder wird eine spezielle Entdeckungsreise angeboten. An der Fahrradstation der Kokerei Hansa können Räder ausgeliehen werden.

Großkokerei im Verbund

Hansa – schon die Namensgebung versprach wirtschaftlichen Aufschwung. Denn Hansa klang wie Hanse – jener mittelalterlicher Wirtschafts- und Transportverbund, zu dem auch die alte Hansestadt Dortmund gehörte. Am Anfang war die Zeche Hansa, 1869 wurde die erste Kohle gefördert, 1895 entstand die erste Kokerei und eine Benzolfabrik.

In den Krisenjahren nach dem ersten Weltkrieg kam für die Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet der erste ernste Einschnitt: Nach amerikanischem Vorbild sollte auch die deutsche Wirtschaft durch Konzentration und Rationalisierung angekurbelt werden.

Vor diesem Hintergrund entstand 1928 die Kokerei Hansa als eine von insgesamt 17 Großkokereien. Sie sollten unrentabel gewordene Kleinanlagen ersetzen und den enormen Bedarf der Hüttenwerke decken, die den Koks für die Erzeugung von Roheisen brauchten. In Spitzenzeiten wurden auf Hansa täglich bis zu 5.200 Tonnen Koks produziert.

Sachlich-funktionale Architektur

Die zeitweise größte Kokerei des Ruhrgebiets war Mittelpunkt einer Verbundwirtschaft: Sie bezog die zu verkokende Steinkohle von den benachbarten Zechen, lieferte den Koks an das nahe gelegene Hüttenwerk Dortmunder Union, erhielt von dort Hochofengas zum Beheizen der Koksöfen und lieferte ihrerseits das hochwertige Kokereigas an Industrie und Haushalte.

Führungen in der Kokerei Hansa

Offene Führungen:

April bis Oktober: donnerstags 14.00 Uhr, freitags 21.00 Uhr, samstags 14.00 und 16.00 Uhr, sonn- und feiertags 11.00 Uhr, 14.00 und 16.00 Uhr.

November bis März: donnerstags 14.00 Uhr, freitags 20.00 Uhr, samstags 14.00 Uhr, sonn- und feiertags 11.00 und 14.00 Uhr, 5 Euro/Person, Kinder unter zwölf Jahren kostenlos.

Dauer: max. 2 Stunden. Anmeldung nicht erforderlich.  Kinderführungen auf Anfrage, Anmeldungen: Tel 0231.93112233, E-Mail: info@industriedenkmal-stiftung.de.

Altkokerführung (April bis Oktober): jeden 1. Sonntag im Monat 11.00 Uhr.

Fotoführung für Hobbyfotografen (April bis Oktober): jeden 1. Sonntag im Monat 15.00 Uhr.

Kinderführung (April bis Oktober): jeden 1. Sonntag im Monat 14.00 Uhr.

Familienführung (April bis Oktober): jeden 2. Sonntag im Monat 14.00 Uhr.

Gleisanlagen, Gasleitungen und das Fördergerüst der 1980 stillgelegten benachbarten Zeche Hansa zeigen diesen Zusammenhang noch heute. Der Architekt Helmuth von Stegemann und Stein hat die Gebäude der Kokerei Hansa klar nach dem Produktionsablauf geordnet und in einer sachlichfunktionalen Architektur gestaltet. Im Wesentlichen sind zwei Produktionsbereiche zu unterscheiden, die sich entlang zweier parallel laufender Werksstraßen erstrecken.

Ruhrgebiet – Entdeckungsreise Industriekultur

Dieser Text stammt aus dem Buch "Ruhrgebiet – Entdeckungsreise Industriekultur", erschienen im Klartext Verlag. Hier geht's zum Onlineshop.

Auf der „schwarzen Seite“ befinden sich die Anlagen für die Koksproduktion. Herzstück dieses Bereiches ist die rund 550 Meter lange Koksofenreihe. Auf der „weißen Seite“ befinden sich die Anlagen für die Gewinnung von Nebenprodukten und die Aufbereitung des Kokereigases.

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    Seite 2: Die Emscher – Von der Kloake zum Naherholungsgebiet

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