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Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat

15.05.2010 | 12:05 Uhr
Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat

Dortmund. Nicht nur in der Landeshauptstadt am Rhein, auch in Dortmund beginnt im Koalitionspoker die Uhr zu ticken. Wer macht es mit wem? Und was macht die CDU? Sie wartet unter anderem auf ein Wort des neuen Oberbürgermeisters Ullrich Sierau (SPD).

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Weil der Wähler keine klaren Voten mehr abgeben mag und den beiden großen Volksparteien SPD und CDU mehr und mehr die verlässliche Gefolgschaft aufkündigt, stehen nun die Parteien selbst am politischen Scheideweg. Wer mit wem und unter welchen Bedingungen: Das ist die derzeit spannende Frage. Nicht nur in Düsseldorf. Auch in Dortmund.

Wie setzt Sierau seine Ideen durch?

Immerhin haben sich Dortmunds Wahlbürger zumindest in der Frage der ranghöchsten Repräsentanz eindeutiger positioniert als die nordrhein-westfälische Gesamtbevölkerung, die wohl noch ein Weilchen warten muss, bis der Name des künftigen Ministerpräsidenten feststeht. Dortmund dagegen hat Ullrich Sierau in der Retro-Wahl vom 9. Mai mit klarer Mehrheit der abgegebenen Stimmen erneut ins OB-Amt gehievt. Doch wie und mit wem der seit 1946 sechste SPD-Oberbürgermeister in Folge seine politischen Vorstellungen im Rat der Stadt durchsetzen will, das weiß zumindest der Wähler noch nicht.

Denn ungeachtet der Tatsache, dass die Wiederholung der Wahl zum Stadtparlament durch die Einspruchsflut aus den Reihen der SPD-Fraktion nach wie vor nur aufgeschoben ist, kann Sierau - anders als fast alle seine Vorgänger - derzeit weder auf die absolute Mehrheit seiner Partei noch auf eine stabile Koalitionsaussicht bauen. Nach dem rot-grünen Zerwürfnis vom Herbst könnte die Kluft zwischen den Genossen und ihrem einstigen grünen Wunschpartner tiefer kaum sein - obwohl es in wichtigen kommunalpolitischen Fragen nach wie vor viele Übereinstimmungen gibt.

Schwarz-rote Absprachen

Eine Schlüsselrolle kommt also der CDU zu. Und über schwarz-rote Absprachen wird - wie berichtet - bereits seit längerem wild spekuliert. Der überraschende Wechsel von CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg auf einen EDG-Vorstandsposten im Februar wirkte da wie ein Katalysator. Denn dieser Personalcoup konnte nur mit Zustimmung eines Einzigen gelingen: SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse, an dem im politischen Machtgefüge zurzeit keiner vorbei kommt.

Doch was will die CDU wirklich? Wie groß ist die Verlockung, nach langer Zeit wieder an die Futtertröge der Macht herangelassen zu werden, jetzt, wo die SPD mit den Grünen nicht mehr kann? Hengstenbergs Nachfolger Ulrich Monegel hält sich (noch) alles offen. Vehement wehrt sich Monegel jedoch gegen den vor allem von den Grünen geschürten Verdacht der Geheimabsprache mit der SPD. „Weder ich selbst noch unser Kreisvorsitzender Steffen Kanitz haben diesbezüglich das Gespräch mit SPD-Vertretern gesucht”, sagte Monegel jetzt im WAZ-Gespräch.

Die CDU könnte auch ohne die SPD

Theoretisch könnte die Union auch ohne die Sozis . Zusammen mit Grünen und FDP/Bürgerliste könnte man im 96-sitzigen Rat den Genossen den Schneid abkaufen. Eine solche Jamaika-Koalition hätte mit 51 Sitzen (CDU: 28, Grüne: 15, FDP: 6, Bürgerliste: 2) zwei Mandate mehr als nötig. Für die SPD brächen mit ihren 37 Sitzen (plus der Stimme des OB) schwere Zeiten an. Ulrich Monegel macht allerdings keinen Hehl daraus, für wie kompliziert er ein solches Dreierbündnis hält: „Jamaika ist wie ein Sack Flöhe.” Dennoch sagt der Christdemokrat, der kein Freund von wechselnden Mehrheiten ist: „Es gibt in der CDU eine große Bereitschaft, es mit Grünen und FDP zu versuchen.”

Ob es wirklich dazu kommt, ist indes fraglich. Die Schnittmenge zwischen SPD und CDU ist beträchtlich, ob beim Flughafen, der Ausweisung von Gewerbeflächen und der Ansiedlungspolitik. Auch die Chemie stimmt zwischen dem diplomatischen Monegel und seinem kantigen SPD-Gegenüber Prüsse. Erstmal will die CDU nun abwarten, wie sich der neue OB positioniert. Monegel: „Wir erwarten einen Akzent von Ullrich Sierau.”

Michael Kohlstadt

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Kommentare
16.05.2010
22:40
Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat
von Klaus-Dieter_Araf | #19

Es brechen schreckliche Zeiten in Dortmund an. Aber auch Sierau kann abgewählt werden. Hoffnung die Dritte.

16.05.2010
19:17
Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat
von Horch72 | #18

SPD - DIE ZUMUTUNG
Auf welcher Ebene auch immer !!!!

16.05.2010
18:28
Wie ein Sack Flöhe
von angel 1 | #17

Wie kann der Dortmunder bloss so blöd sein und Sirau wählen, mein Gott so einen Bürgermeister braucht kein Mensch!!!!!

16.05.2010
18:19
Blockierter Kommentar.
von Helios ernennt die Stadtregierung | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.05.2010
18:10
Blockierter Kommentar.
von Regierung auf breitester Grundlage | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.05.2010
16:35
Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat
von TNT | #14

Tja, wenn die SPD es schaffen sollte sich die CDU in Dortmund wirklich untertan zu machen und in eine große Koalition zu kriegen, dann ist das der letzte Sargnagel für die Konservativen. Die kriegen jetzt schon kaum ein Bein auf den Dortmunder Boden und wie man in Brackel gesehen hat, gehts weiter abwärts, wenn man die Spielchen der SPD mitmacht. Für die FDP/Bürgerliste dann ev. sogar richtig zappendüster. Gewinner werden Grüne und Linke sein.

16.05.2010
15:53
Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat
von schmitzi | #13

@12: Dann pass mal auf, dass Dein Übergewicht nicht auf 40kg ansteigt.

16.05.2010
10:07
Wie ein Sack Flöhe
von AllesBetrugundFilz | #12

Hey...habt ihr in eurem Pokerverein noch ein Plätzchen frei ? Würd auch gerne die Bürger vera.sch.** ,mir irgendwelche Vorstandsposten verpassen ohne Ahnung zu haben,möchte umsonst tanken und keine Steuern zahlen..Diäten kann ich auch dringend gebrauchen bei 20 Kilo Übergewicht.

Platz könnt ihr ganz einfach schaffen: Schmeißt einfach einen raus der es eventuell Ehrlich meinen sollte mit den Bürgern.

15.05.2010
18:23
Koalitionspoker im Dortmunder Stadtrat
von r.wawziniak | #11

Die große Koalition wird kommen.
Die Frage, die sich die Beobachter stellen lautet: Wer will welchen Preis bezahlen?
Ein politisches Vorspiel, kann es geben, wenn die Koalition im Stadtbezirk LÜ/MA platzt.
Das diese Koalition in der Bezirksvertretung LÜ/MA auf der Kippe steht, sieht man daran, dass einige Genossen schon Wetten abgeschlossen haben, auf das Scheitern der Koalition.
ROT/SCHWARZ - im Stadtbezirk/LÜ ist das Signal für eine große Koaltion im RAT.
Herr Prüsse hat seinen Wahlkreis im Stadtbezirk Lütgendortmund.
Was der politische Beobachter aber doch staunend zur Kenntnis nimmt, ist die Tatsache, dass Herr Prüsse, in den letzten Moanaten einen starken Machtzuwachs bekommen hat.
Es gibt Stimmen in der Dortmunder SPD,
die der Meinung sind, Herr Prüsse ist der heimliche Vorsitzende der Partei.
Was weiter auffällt, ist die Tatsache,
das die Genossen, polit strategisch, alle Optionen in der Hand haben.
Wenn die bürgerliche Opposition politisch in der Stadt mitspielen will, muss - sie - eine Koalition mit der SPD eingehen.
Der große Verlierer in diesem Machtpoker ist die FDP. Das dürfte aber die CDU nicht weiter stören.
Fazit: Nicht Sierau bestimmt langfristig die Politik in der Stadt, sondern Herr Prüsse mit seinen politischen Freunden.
Das Ergebnis dieser Politik ist ein zurück in die politische Gedankenwelt der SPD in die 7o/8oer Jahre, Restauration der Politik erwartet den Bürger. Zuwenig um diese Stadt Zukunftfähig zu machen. Die Partei wird also von der Fraktion geführt, repräsentiert.
Herr Drabig und Herr Sierau werden zu Randfiguren abgestempelt.
Mehltau wird sich über die Stadt legen.

15.05.2010
17:35
Blockierter Kommentar.
von Helios wird Herr über Dortmund | #10

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