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Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen

10.11.2012 | 08:00 Uhr
Feierliche Eröffnung des ZOPF am Klinikum Dortmund im Frühjahr 2012.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Die Freude über den ersten Gewinn am Klinikum seit zehn Jahren währt nur kurz. Schon in diesem Jahr rutscht das kommunale Krankenhaus wieder tief in die roten Zahlen.

Die Freude über den ersten Gewinn am Klinikum seit zehn Jahren währt nur kurz. Schon in diesem Jahr rutscht das kommunale Krankenhaus wieder tief in die roten Zahlen . Nach WR-Informationen wird mit einem Defizit von vier bis über sechs Millionen Euro gerechnet. Das Klinikum ist derart klamm, dass die Sparkasse für die Auszahlung des Weihnachtsgeldes der Klinik-Beschäftigten eine Bürgschaft der Stadt verlangt. Einen Betrag von sechs Millionen Euro kann das Krankenhaus nicht mehr aufbringen.

Freude währte kurz

Es ist erst vier Monate her, dass OB Ullrich Sierau als Aufsichtsrat des kommunalen Krankenhauses mit breiter Brust erstmals einen Gewinn von 1,1 Millionen Euro verkünden konnte. Jetzt ist Ernüchterung in die Chefetage des Klinikums eingezogen. Der Gewinn war offenbar nur eine Eintagesfliege.

Wie zu hören ist, haben sich die „Leistungszahlen“ in diesem Jahr nicht so entwickelt, wie erwartet. Vor allem nach den Sommerferien muss es am Klinikum Dortmund einen unerklärlichen Knick bei den Patientenzahlen gegeben haben. Gleichzeitig wurde in diesem Jahr aber bereits neues Personal eingestellt. Selbst Insider am Klinikum sind aber von der Höhe des nun erwarteten Defizits in einer Größenordnung von vier bis sechs Millionen Euro kalt erwischt worden.

Hauptgeschäftsführerin Mechthild Greive hat alle Urlaubstage aufgespart und das Boot bereits Ende Oktober verlassen. Ihr designierter Nachfolger, Rudolf Mintrop aus Oldenburg, ist aber erst am 2. Januar als neuer Geschäftsführer am Klinikum am Start.

Unvermeidbare Kostensteigerungen

Prof. Dr. Michael Schwarz, Medizinischer Geschäftsführer des Hauses, bestätigt: „Nach der derzeitigen Hochrechnung werden wir das Jahr 2012 mit einem Defizit zwischen 4 und 6,5 Millionen Euro abschließen.“ Der bisherige Jahresverlauf sei für das Klinikum durch mehrere Eckpunkte beeinflusst. „Die Inbetriebnahme unseres neuen ZOPFs war erfolgreich“, beteuert Schwarz. „Die Zahl der stationär behandelten Patienten wird 2012 um 2000 Patienten höher liegen als im Vorjahr.“

Schwarz: „Dieser Entwicklung hat das Klinikum mit einer verstärkten Personalausstattung Rechnung getragen. Trotz dieser Maßnahmen waren aber die Versorgungsangebote vor allem für Patienten mit schwersten Erkrankungen durch die Umzüge der Intensivstationen teilweise eingeschränkt.“ Die wenigen hiervon betroffenen Patienten tragen aber wichtige Anteile an der wirtschaftlichen Entwicklung.

Er argumentiert weiter, dass im Wesentlichen die Situation aber damit zu begründen sei, dass „unvermeidbare Kostensteigerungen insbesondere die Tarifsteigerungen nur zu einem geringen Anteil aus der Krankenhausfinanzierung ausgeglichen werden“. Erfahrungsgemäß seien am Jahresende die beiden letzten Monate aber recht umsatzstark. „Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um die derzeitige Hochrechnung zu widerlegen“, so Schwarz.

Klinikum gegen Personalabbau

Gerald Nill



Kommentare
12.11.2012
12:23
Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von Ratsmitglied | #4

Erst gliedert man das KH 2003 aus dem Städtischen Haushalt aus mit der Maßgabe, dass es sich am Kapitalmarkt zu versorgen habe. Natürlich ohne vernünftige Beigabe von Eigenkapital. Die daraus entstehende Bonität und Verschuldung führt dann zu Liquiditätsproblemen, so dass nun eine Bürgschaft her muss. Danke Herr Langemeyer !!!

Die Frage, die sich aktuell noch stellt, ist die wie teuer Roland Berger das Klinikum eigentlich zu stehen kam ? Könnte man daraus eventuell den derzeitigen Engpass bezahlen ? Das vor den Wahlen noch die schwarze Null bekannt gegeben wurde, obwohl das nicht strukturell bedingt war, sondern weil man Rückstellungen aufgelöst hat, ist ja auch mal wieder eine Form der Wählertäuschung.

Dazu kommt noch die Kürzung bei den verabredeten Zuschüssen für Investitionen durch das Land unter CDU und FDP, die von SPD und Grünen auch nicht wieder rückgängig gemacht wurde. Wer solche Parteifreunde hat, braucht keine Feinde mehr, nicht wahr Frau Greive ?

10.11.2012
13:21
Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von mitreden | #3

Ein Krankenhaus kann kein Wirtschaftsbetrieb sein. Es ist eine Institution zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit von Menschen. Die Finanzierung sollte für Krankenhäuser verbessert werden und sollte nicht immer nur auf die Häuser schimpfen, man könne nicht mit Geld umgehen. Das Personal ist zwar ein hoher Ausgabenfaktor, aber zugleich der wichtigste Leistungserbrigner, dies lässt sich auch nicht ändern. Statt die Krankenkassenbeiträge zu horten oder fehl zu investieren, ist es wichtiger die Vergütung für die Krankenhäuser zu verbessern! Unser Gesundheitssystem sollte sich eher in ein Krankenhaus einweisen lassen.

1 Antwort
Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von xxyz | #3-1

Krankenhäuser müssen sich natürlich auch wirtschaftlich verhalten. Sie sind doch keine Versorgungsinstitutionen für medizinische Angestellt und Führungskräfte.

Verwirrt hat mich nur, dass es in Deutschland wohl deutliche Zuwächse bei den Ärzten gab, während die Pflegestellen stark gesunken sind.

10.11.2012
12:08
Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von kannengieser | #2

Das war doch zu erwarten.
Wer bitte sitzt denn in den Vorstandsetagen solcher kommunaler Unternehmen? Das sind ausschliesslich Parteimitglieder (in O ist das die SPD), die von einem auf den anderen Posten versetzt werden. Externe, die bereits Erfahrungen aus Wirtschaftsunternehmen gesammelt haben, sind doch chancenlos. Merkwürdig ist doch auch, dass es immer wieder kommunale Unternehmen sind, die "rote Zahlen" schreiben.
Sirau sitzt im Aufsichtsrat!!! Ebenfalls einer, der jede Gelegenheit zur Lüge wahrnimmt und wenig Sachverstand von dem hat, was er tut.

10.11.2012
10:32
Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von Braunfox | #1

Also - nix mit Hurra-Meldungen von wegen "Gewinnen" beim Klinikum-Dortmund sondern die üblichen "tief in den Roten Zahlen" Berichte. Die geschasste Klinikchefin-Darstellerin Greive (SPD) verlässt das sinkende Schiff vorzeitig und der neue Chef nimmt dann die Arbeit am 1.1.2013 auf? Wie krank ist das denn? Welcher Aufsichtsrat lässt denn ein kränkelndes Unternehmen mit so grossem Umsatz und so vielen Mitarbeitern 2 Monate ohne kaufmännische Leitung? Eine grandiose Fehlentscheidung des Aufsichtsratvorsitzenden und OB Darstellers Sierau (SPD). Im Klinikum Dortmund tickt seit geraumer Zeit eine gigantische Finanzbombe und es ist nicht mehr die Frage "ob" sie hochgehen wird, sondern nur noch "wann"!

3 Antworten
Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von kannengieser | #1-1

Was erwartet man von Menschen, die eine Verwaltungslaufbahn absolviert haben?
Die können nur Luftblasen erzeugen, es fehlt an vielen anderen Fähigkeiten, die man vermutlich eher in der freien Wirtschaft lernt.

Klinikum rutscht wieder tief in rote Zahlen
von masivie | #1-2

Der neue "Geschäftsführer" wird es schon richten. Die erste Maßnahme besteht darin alles zu entlassen was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Danach läßt er den Rest des
Personals langsam aber sicher ausbluten. Frei nach dem Motto: immer weniger und immer älteres immer öfter krankes Personal versorgt immer mehr und immer ältere schwerstpflegebedürftige Patienten. Es wird alles privatisiert was nicht niet- und nagelfest ist. Das macht sich dann an den steigenden Zahlen von MRSA Patienten recht nett bemerkbar. Immer mehr gefährliche Situationen, in denen die Sicherheit der Patienten gefährdet sind , werden sich ereignen. Wochenenddienste an denen zwei Pflegekräfte sich um 30 und mehr Patienten kümmern müssen, werden zur Norm. Und all dies wird dann wahrscheinlich in einer Hauseigenen Zeitschrift schöngeredet. Es war schon bemerkenswert wie sich der Herr in einer Klima-Ausgabe des Städtischen Klinikums selbst beweihräuchert hat. Niemand wird ihn vermissen.

Strrronzo:
von mellow | #1-3

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