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Klinikum Dortmund richtet „Zweitmeinungszentrum“ ein

03.01.2013 | 22:00 Uhr
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Klinikum Dortmund richtet „Zweitmeinungszentrum“ ein
Das "Zweitmeinungszentrum" im Klinikum Nord wird täglich in Anspruch genommen, weiß Urologie-Chefarzt Prof. Michael C. Truß.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Das Klinikum Dortmund hat ein „Zweitmeinungszentrum" eingerichtet. Dort bekommen verunsicherte Patienten bei schweren Entscheidungen eine zusätzliche Diagnose. Ein Marketing-Gag soll das Zentrum aber laut Klinikum nicht sein - sondern ein Qualitätsmerkmal.

Eine ärztliche Diagnose stellt viele Patienten vor Rätsel. Was bedeutet die Krankheit für mich? Ist die empfohlene Therapie wirklich die beste? Das Klinikum in Dortmund hat ein „Zweitmeinungszentrum" eingerichtet, um verunsicherten Patienten bei schweren Entscheidungen eine kompetente Antwort zu geben.

„Zwei Ärzte, drei Meinungen“, an diesem Vorurteil ist vielleicht mehr als nur ein Funken Wahrheit. Entsprechend nachgefragt ist das Zweitmeinungszentrum des Klinikums. „Diese Einrichtung wird täglich in Anspruch genommen“, berichtet Prof. Dr. Michael Truß, Chefarzt der Urologie am Klinikum. Mindestens einmal in der Woche rufen die Mediziner am Klinikum eine Tumorkonferenz ein, in der die Krankheitsbilder von Patienten genauestens und aus der Perspektive von verschiedenen Fachrichtungen unter die Lupe genommen werden.

Eindeutiges Ergebnis angestrebt

Truß nennt ein Beispiel. Ein Patient hat bei seinem Haus- oder Facharzt eine Diagnose erhalten, verbunden mit einer Therapieempfehlung. Zum Beispiel einer schweren Operation. Die Mediziner des Klinikums bieten an, sich die Befunde näher anzusehen und gegebenenfalls nochmal eigene Untersuchungen vorzunehmen, um zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen.

FAKTEN

Durch die enge Abstimmung der Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen bei gemeinsamen Visiten, Konferenzen und Konsultationen kann im Prostatazentrum des Klinikums für jeden Patienten individuell die optimale Strategie festgelegt werden.

Die Urologie des Klinikums behandelt im Jahr rund 4200 Patienten stationäre sowie über 6000 Patienten ambulant. Fast 1000 Patienten sind Tumorpatienten, davon etwa 450 Männer mit einem bösartigen Prostataleiden.

„Entweder wir kommen zu demselben Ergebnis wie der erste ärztliche Befund oder wir revidieren die erste Meinung“, berichtet Truß. In jedem Fall wird dem Patienten die zweite Meinung ebenso an die Hand gegeben wie dem behandelnden Arzt. Bis auf wenige Krankheiten sei soviel Zeit möglich, die zweite Meinung einzuholen und erst dann einen Behandlungstermin zu vereinbaren, beruhigt Truß. Letztlich entscheide der Patient.

„Was Qualität in sich hat, wird sich durchsetzen“

Nein, das Zweitmeinungszentrum sei kein guter Marketing-Schachzug nach dem Motto „Ach, bleiben Sie doch gleich bei uns.“ Aber jedes Krankenhaus stehe heute im harten Wettbewerb. „Was Qualität in sich hat, wird sich durchsetzen“, ist der Urologe überzeugt. Das Zweitmeinungszentrum ist jüngst bei der Rezertifizierung des Prostatazentrums am Klinikum mit in die Wertung eingeflossen.

Für Truß ist die Einrichtung nur das Ergebnis einer neuen Zeit in der Medizin. „Früher gab es die Eminenz-geprägte Medizin“, vergleicht der Chefarzt. Doch die Zeiten der Halbgötter in Weiß seien vorbei. Heute könne sich niemand auf einmal erworbenem Wissen ausruhen und bis zur Pensionierung ständig wiederholen. „Heute haben wir die Evidenz-geprägte Medizin “, sagt Truß. Das heißt, Ärzte müssten sich ständig überprüfen und an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen messen.

Gerald Nill

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