Klinikum Dortmund erstmals seit zehn Jahren mit Gewinn

Das Dortmunder Klinikum hat erstmals seit zehn Jahren einen positiven Jahresabschluss geschafft.
Das Dortmunder Klinikum hat erstmals seit zehn Jahren einen positiven Jahresabschluss geschafft.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Das Klinikum Dortmund hat zum ersten Mal seit zehn Jahren einen positiven Jahresabschluss geschafft. Bei einem Umsatz von 262 Mio. Euro im abgelaufenen Jahr blieben unter dem Strich 1,15 Mio. Euro in der Kasse.

Dortmund.. Das Klinikum Dortmund hat zum ersten Mal seit zehn Jahren einen positiven Jahresabschluss geschafft. Bei einem Umsatz von 262 Mio. Euro im abgelaufenen Jahr blieben unter dem Strich 1,15 Mio. Euro in der Kasse. OB Ullrich Sierau, Vorsitzender des Aufsichtsrates, würdigte das „ganz hervorragende Ergebnis von fast historischem Ausmaß“.

„Wir haben die Vorgabe des Gesellschafters um 0,5 Millionen Euro übertroffen“, jubelte gestern auch Geschäftsführerin Mechthild Greive. Dass das Klinikum schwere Zeiten hinter sich hat, erwähnte Ullrich Sierau: „Das Klinikum hat noch 2008 einen Verlust von fast 15 Millionen Euro geschrieben.“ Jetzt sei aber der „Turn-around“ geschafft worden. Entgegen ersten Befürchtungen sehe das laufende Jahr ebenfalls positiv aus. Aktuell liege das Geschäftsergebnis sogar über dem Vorjahresniveau, verriet Sierau. Es bleibe aber abzuwarten, ob der positive Verlauf in der zweiten Jahreshälfte anhalte.

Knackpunkt Personalkosten

Grundsätzlich werde der Markt rauer. Glücklose Kliniken verschwinden von der Bildfläche. Balve und Wimbern sind nicht mehr. Aber davon profitiert auch ein erfolgreiches Krankenhaus wie das Klinikum. „Wir hatten mehr Patienten aus dem Sauerland“, bestätigt Greive.

Eine hohe Akzeptanz bei den Patienten, Anerkennung und Preise bei Medizin-Rankings. Der Gesellschafter ist zufrieden mit der Entwicklung. Sierau zitierte ein Aufsichtsratsmitglied mit den Worten: „Das Klinikum ist auf dem besten Weg, die Lieblingstochter der Stadt zu werden.“ Sierau: „Dem möchte ich mich anschließen.“

Großer Knackpunkt: Die Personalkosten. Alleine 173 Mio. Euro wendet das Klinikum im Jahr für seine Mitarbeiter auf. Die Personalkosten sind um 4,7 Mio. Euro gestiegen. Der Gesetzgeber stelle in Aussicht, dass 50 Prozent der Zusatzkosten durch Tariferhöhungen den Krankenhäusern zufließen sollen. „Leider nur einmal“, bedauert Greive. „Obwohl die Krankenkassen auf Milliarden-Rücklagen sitzen.“

"Stillstand im Rückschritt"

Personalchef Ortwin Schäfer würdigte, dass betriebliche Abläufe wesentlich verbessert worden seien, um die Wirtschaftlichkeit des Hauses zu erreichen. Dazu gehört, dass die Pflege in den letzten zehn Jahren 220 Stellen verloren hat, während der ärztliche Dienst um 30 Stellen angewachsen ist. Bei der Produktivität liege das Klinikum heute über dem Durchschnitt.

Befragt, wie es nun baulich weitergeht, meinte Mechthild Greive vielsagend: „Stillstand ist Rückschritt“. Nach dem kompletten Umzug in den neuen Zentral-OP stehen weitere Umbauten im Altbau an. Im Klinikum Nord werden ebenfalls Stationen umgebaut sowie ein Zentral-OP neu gebaut.

Konkret soll auch die Schaffung einer Geriatrie für Altersmedizin mit 75 bis 80 Betten werden. Vier Optionen habe die Klinik in der Hand. Wann es losgehen solle, meinte Greive: „Jetzt!“

KOMMENTAR

Es ist noch keine vier Jahre her, da schwebte der Pleitegeier über dem Klinikum Dortmund. Fast 15 Millionen Euro Miese waren innerhalb eines Jahres angehäuft worden. Und weil das Klinikum einen kommunalen Träger hat, wurde öffentlich diskutiert. CDU und vor allem FDP forderten die umgehende Privatisierung. Hinter den Kulissen wurde bereits mit potenziellen neuen Trägern gesprochen. Der Geschäftsführer von Helios fuhr persönlich nach Dortmund, um sich das schlachtreife Krankenhaus mal aus der Nähe anzuschauen.

Doch er musste wieder mit leeren Händen abfahren, weil SPD und Grüne standhaft blieben: Das Klinikum bleibt in kommunaler Hand. In die Unternehmensführung wurden dann doch private Berater geholt, und es folgten schmerzliche Einschnitte. Nicht-medizinische Bereiche wurden ausgelagert und mussten finanzielle Einbußen hinnehmen. Die Pflege musste weiter bluten und jede fünfte Stelle verlieren, weil ihre Leistung im aktuellen Abrechnungssystem fast nicht gewürdigt wird.

Heute schreibt das Klinikum wieder schwarze Zahlen. Eines ist klar: Bei einem privaten Träger, der eine schöne Rendite erwartet, wären die Belastungen für jeden einzelnen Mitarbeiter heute noch höher.

Aber: Ein Krankenhaus ist nicht nur ein Wirtschaftsbetrieb. Ärzte und Pflegekräfte sind in erster Linie für die Menschen da. Unsere hochwertige medizinische Versorgung ist ein Stück Daseinsvorsorge, die man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen darf.