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Klinik verschlampt Todesnachricht

07.08.2012 | 18:26 Uhr
Klinik verschlampt Todesnachricht
Erneut in den Schlagzeilen: das Evangelische Krankenhaus Bethanien. Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool

Dortmund. Herbert Fleischhauer ist ein Mann mit freundlichen Augen, die sehr dunkel werden, wenn er traurig oder wütend ist. Jetzt sind sie fast tiefschwarz. Und das liegt nicht nur daran, dass seine Mutter am letzten Donnerstag starb. Dass sie bald sterben würde, das wusste der Kraftfahrer lange. Fassungslos ist er über das, was er im Bethanien-Krankenhaus nach ihrem Tod erlebte.

Annemarie Fleischhauer (86) wohnte bis zum 2. August im Johanniter-Stift am Marksbach. Ihre Nieren waren schon länger krank und auch die Leber funktionierte nicht mehr so, wie sie sollte.

In der Nacht vom 1. auf den 2. August gegen 24 Uhr ruft ein Pfleger aus dem Stift bei ihrem Sohn an. Seine Mutter sei gerade vom Notarzt ins „Bethanien“ gebracht worden. Ihr gehe es nicht gut, aber sie sei ansprechbar. Fleischhauer wartet bis zum Morgen. Um 8 Uhr ruft er an der Pforte der Klinik an und bekommt dort die Auskunft, dass seine Mutter schon wieder entlassen wurde.

Der 54-Jährige ist erleichtert und meldet sich umgehend im Johanniter-Stift. Doch dort ist seine Mutter nie angekommen. Der Kraftfahrer ruft wieder im Krankenhaus an, aber dort kann ihm keiner weiterhelfen. Fleischhauer setzt sich sofort ins Auto und fährt in die Klinik. Erst vor Ort erfährt er, auf welchem Zimmer seine Mutter lag, bevor sie angeblich entlassen wurde. Auf Station 7 dann der Schock: Die Oberärztin teilt ihm mit, dass Annemarie Fleischhauer um 4 Uhr morgens gestorben ist.

Fleischhauer ringt nach Worten, während er erzählt. Die Ärztin entschuldigte sich damit, dass die Info-Mappe, die das Heim seinen Bewohnern auf den Weg ins Krankenhaus mitgibt, nicht auffindbar gewesen sei. Deshalb habe sie keine Telefonnummer von ihm gehabt. Den Überleitungsbogen findet sie jedoch während des Gesprächs. Und die Dame am Krankenhausempfang habe sich auch nicht über den Entlassungsgrund informiert, sagt später Ute Panske, Geschäftsführerin der Ev. Krankenhaus GmbH, zuständig für die Kliniken in Hörde und Lütgendortmund. „Vom Nachtdienst gab es noch keine offizielle Nachricht, dass die Patientin verstorben ist“.

„Menschliches Versagen in zwei Fällen“ sei der Grund für dieses „Versehen“, betont Panske, die den Vorfall sehr bedauert. Ihre Aufgabe liege nun darin, die Mitarbeiter zu sensibilisieren. Darauf hätte Herbert Fleischhauer auch an anderer Stelle gern gebaut. Denn der nächste Schock wartete noch am Todestag seiner Mutter im Senioren-Stift. Dort spricht die Heimleitung ihr Beileid aus, dann erfährt Fleischhauer, dass er am selben Tag das Zimmer seiner Mutter räumen muss. Damit der Nächste auf der Warteliste einziehen kann.

Abschied nehmen von der Mutter, das konnten der Kraftfahrer und seine Schwester erst im Beerdigungsinstitut. Dabei hätte er gern noch eine Weile ihre Hand gehalten, im Krankenhaus. Diese Möglichkeit wurde ihm verwehrt. Und Herbert Fleischhauer fühlt sich jetzt „wie ein Mensch zweiter Klasse.“

Von Susanne Meyer


Kommentare
07.08.2012
20:30
Klinik verschlampt Todesnachricht
von Groschmann | #1

Die Frau ist also um vier Uhr verstorben. Der Sohn hat ca. um acht Uhr angerufen und hat dann um neun Uhr erfahren das seine Mutter leider verstorben ist. Also hat der Mann die Todesnachricht mit 5 Stunden Verspätung erhalten.
Das ist zwar vielleicht nicht schön, aber wenn man die Überschrift liest denkt man die Frau wäre schon 14 Tage tot gewesen, ohne das der Sohn benachrichtigt wurde.

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