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Kunstverein Dortmund

Klanginstallation füllt weißen Raum

14.09.2012 | 07:00 Uhr
Klanginstallation füllt weißen Raum
Wie in einem Märchen sitzt OrganistFoto: Knut Vahlensieck

Der Kunstverein Dortmund zeigt eine Klanginstallation der Künstlerin Mathilde Rosier. Zu sehen gibt es allerdings wenig, dafür ist der Raum erfüllt von sonorem, vibrierendem Klang.

Eigentlich hat sie schon stattgefunden, die Kunst. Aber sie haftet, ist verhaftet an Teilen und Dokumenten der Performance und wird weiter am Leben gehalten durch die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins „The organs of the Whale“, so der Name der Installation von Mathilde Rosier.

Ein kupferfarbenes Kostüm hängt im Eingangsbereich schlaff von der Wand, erinnert an einen Raumanzug, der spitze Hut könnte zu einem Hexendress gehören. „Es ist ein Relikt“, sagt Sandra Dichtl, Leiterin des Kunstvereins. „Durch die Performance ist es mit Bedeutung aufgeladen.“

Außer dem Kostüm und weißen Wänden sehen Besucher wenig. Dafür ist der Raum erfüllt mit sonorem, vibrierendem Klang. Orgelmusik. Fast greifbar, körperlich spürbar. Die Künstlerin hat dieses Stück komponiert. Aufgeführt und aufnommen wurde es in der Evangelischen Kirche Dorstfeld am Tag des offenen Denkmals. Organist Dario Treese trug bei der Aufführung am letzten Sonntag das kupferfarbene Kostüm, verborgen aber vor dem Publikum, unsichtbar hinter dem Instrument. Insofern sind die Besucher der Ausstellung nun im Vorteil: Sie können bei näherem Hinsehen ein Video der Performance finden.

Die Künstlerin spielt mit der Situation. Schließlich wird das Konzert erst durch das Kostüm zur Performance. „Mathilde Rosier hinterfragt mit ihren Performances menschliche Rituale“, erklärt Dichtl. „Masken und Kostüme laden Situationen mit Geheimnis auf.“ Wer nun den Organist in diesem futuristisch und gleichzeitig archaisch anmutenden Kostüm vor der Orgel sitzen sieht, kann seinen Assoziationen freien Lauf lassen. Es wirkt ein bisschen verrückt, aber auch ein bisschen märchenhaft.

Der Titel der Installation „The organs of the Whale“ ist ein Wortspiel, das zum einen auf die in der Ausstellung hörbare Orgelmusik anspielt, zum anderen auf die Organe eines Wals, dessen großes Lungenvolumen einen Klangkörper für seine Gesänge liefert, ähnlich dem großen Klangraum einer Kirche, in dem die tiefen, vibrierenden Orgeltöne für die Besucher körperlich spürbar werden.

Keine Ausflucht für das Auge

Bei ihrer Installation verzichtet Mathilde Rosier darauf, die Klangbreite der Orgel auszuschöpfen und konzentriert sich auf die tiefen, basslastigen Töne. So erinnert ihre Komposition weniger an Walgesänge, sondern eher an das Nebelhorn eines großen Dampfers.

Besucher der Ausstellung müssen viel Ruhe mitbringen, denn in dem kahlen Ausstellungsraum sind sie auf sich zurückgeworfen – kaum etwas bietet dem Auge Ausflucht aus dem leeren Weiß der Installation.

Maike Rellecke



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