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PCB-Giftskandal

Keine Gefahr für umliegende Envio-Gebäude in Dortmund bei geringer PCB-Belastung

28.03.2011 | 16:06 Uhr
Keine Gefahr für umliegende Envio-Gebäude in Dortmund bei geringer PCB-Belastung

Dortmund.Envio und die Folgen, nächster Teil: Die Behörden stellten am Montag in Dortmund den Grad der PCB-Belastung der Gebäude und Freiflächen des Grundstücks Kanalstraße 25 vor, die unmittelbar an den Betrieb der Skandal-Firma Envio angrenzen. Zuvor hatte die Bezirksregierung Arnsberg als Kontrollbehörde Fehler eingeräumt.

Ergebnis im Überblick der zusammengefassten unterschiedlichen Gutachten: Für die Umwelt geht von den festgestellten PCB-Belastungen zwar keine Gefahr aus, aber die Gutachter empfehlen einen Teil der durch Envio vermieteten Gebäude vorsorglich zu reinigen und anschließende Kontrollmessungen. Knackpunkt ist die Kantine.

Im Einzelnen: Von der 17 untersuchten Gebäuden weisen nach Auskunft von Gutachter Dr. Michael Kurtenacker, Taberg Ingenieure, sieben eine geringen PCB-Verunreinigung auf. Taberg empfiehlt aus Vorsorgegründen eine einfache Reinigung von Stäuben und im Rahmen des Arbeitsschutzes anschließende Messungen der Raumluft. „Dann sollte dort ordnungsgemäßes Arbeiten möglich sein.“

Deutlich erhöhte Belastung

Deutlich erhöhte PCB-Belastungen zeigen das ehemals von Envio mitgenutzte Verwaltungsgebäude (vor alllem das Treppenhaus) und eine Betriebshalle (Halle 69). Die Gutachter plädieren für intensive Reinigungen und Kontrollmessungen.

Die asphaltierten Freiflächen weisen an drei von 25 untersuchten Stellen einen erhöhten PCB-Gehalt in der obersten Schicht auf. Sie sollen im Zuge der Sanierung des Envio-geländes, das morgen Thema eines zweiten Fachgesprächs ist, mitsaniert werden.

Knackpunkt ist die Kantine

Komplett zu sanieren in der Substanz ist die Kantine. Küche, Fußböden, Tapeten, abgehängte Decken - alles muss raus. Man werde quasi „eine neue Kantine bauen“, stellte dazu gestern Dr. Wolfgang Andree, Geschäftsführer ABP Induction Systems GmbH, fest.

Bislang hat Mieter ABP nach Andrees Auskunft selbst rund 170 00 Euro in dringend notwendige Messungen und Reinigungen gesteckt. Einig sind sich die Beteiligten inklusive der Dortmunder Hafen AG, dass, wie Vorstand Manfred Kossack es formulierte, der Verursacher den Aufwand tragen muss. „Darauf werden wir drängen.“ Klar ist, dass dies auch für die öffentliche Hand bei den anstehenden Sanierungen, ein beschwerlicher Weg werden wird.

Bezirksregierung gesteht Fehler ein

Zuletzt hatte die Arnsberger Bezirksregierung bekannt gegeben, dass sie Lehren aus dem PCB-Skandal bei Envio gezogen habe. Zudem räumt sie Fehler in der Vergangenheit ein. Diese Einschätzung hat der Dortmunder PCB-Ombudsmann Erwin Pfänder aus einem Gespräch mit dem Regierungspräsidenten Dr. Gerd Bollermann mitgebracht.

Pfänder, seit neun Wochen als Ombudsmann Ansprechpartner vor Ort, kam kürzlich mit Bollermann zusammen. Der Regierungspräsident habe festgestellt, dass die Bezirksregierung die Firma Envio nicht so kontrolliert habe, wie es in der Rückschau betrachtet angemessen gewesen wäre. Allerdings habe er auch darauf hingewiesen, dass Arnsberg mit der Stilllegung im Mai 2010 „klare Kante“ gezeigt habe. Am kommenden Montag werden die beteiligten Behörden im Übrigen über den Fortgang der Sanierung an der Kanalstraße 25 informieren.

Warum es so lange gedauert habe, bis Envio stillgelegt worden sei, habe Bollermann gegenüber Pfänder, mit den aufwändigen Messarbeiten erklärt. Sie seien nötig gewesen, um Envio als den tatsächlichen Verursacher eindeutig identifizieren zu können.

Schon 2007 bekannt

Das vom Land in Auftrag gegebene und bislang nicht offiziell veröffentlichte Prognos-Gutachten weist allerdings in einer sehr kritischen Stellungnahme zur Arbeit der Bezirksregierung darauf hin, dass eine erhöhte PCB-Belastung in der Umgebung der Anlage schon 2007 bekannt wurde und Envio als potenzieller Verursacher galt. Die Behörden seien quasi fahrlässig mit einem anonymen Hinweis aus dem Jahr 2008 umgegangen, der auf den Umgang mit „Transformatoren aus der Untertage-Deponie Kali und Salz“ hingewiesen habe.

In der Kritik auch das Staatliche Umweltamt Hagen, das zu keinem Zeitpunkt abrufbare Begleitscheininformationen oder vorhandene Datenbanken genutzt habe. Sie hätten deutlich gemacht, so Prognos, dass „Envio seit 2004 die tatsächliche Genehmigungslage für die Verwertung von UTD-Transformatoren offensichtlich missachtet hat“. Es sei festzuhalten, dass relevanten Informationen vorlagen, aber nicht abgerufen wurden, so die Prognos-Gutachter.

Angesichts der unzureichenden Ressourcen beim Arbeitsschutz in Nordrhein-Westfalen habe die Bezirksregierung nun - trotz angespannter Personalsituation - in Absprache mit dem Arbeitsministerium eine zusätzliche Einsatzgruppe zur Arbeitsschutzüberwachung eingerichtet. Ferner sei das Beschwerdemanagement ausgebaut worden.

Frank Bußmann

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Kommentare
29.03.2011
04:52
Keine Gefahr für umliegende Envio-Gebäude in Dortmund bei geringer PCB-Belastung
von vaikl | #2

Es sei festzuhalten, dass relevanten Informationen vorlagen, aber nicht abgerufen wurden, so die Prognos-Gutachter.

Solange der von SPD und Gewerkschaften initiierte Konsens zwischen Industrie und Politik in NRW seine von Parteibüchern unabhängige Fortsetzung erfährt, werden weder kleine Beamte der unteren und oberen Aufsichtsbehörden noch Lokalpolitiker und auch keine Spitzenkandidaten diese Informationen abrufen.

Das wäre ja genauso fatal, als wenn man jetzt von einem Tag auf den anderen behaupten würde, Kernkraftwerke wären als genehmigungspflichtige Anlagen immer total sicher, da passiert irgendwie hoffentlich sowieso nix und die Erde ist eine Scheibe.

PS, Herr Bußmann: Auch für Sie sollte gelten, dass der Spruch Hinterher ist man immer schlauer den Journalisten reflexartig auf die Spur des Und was war vorher? führt. Da hat leider schon Ihr Kollege Brandt nicht die Traute gehabt, den Tellerrand des Lokalkolorit zu überschreiten.

28.03.2011
17:57
Keine Gefahr für umliegende Envio-Gebäude in Dortmund bei geringer PCB-Belastung
von weikel | #1

Das sind ja mal Aussagen : Reinigung empfohlen!

Ich glaube, man will hier nur die Gemüter beruhigen, mehr nicht . Ts, ts , ts ...

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