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Keine Angst vor Evander Holyfield

18.02.2010 | 18:36 Uhr

Seit Michael Schumacher wieder am Rad dreht, wird er von seinem ehemaligen Teammanager Flavio Briatore gemobbt. Briatore kennt Schumi genau. Und er weiß, wie alte Männer ticken.

Auch er konnte die Umstände zeitgemäßen Alterns nicht akzeptieren und heftete sich weiland als schmückende Trophäe Heidi Klum an die goldene Kette, die in der Schlucht seines halboffenen Hawaii-Hemdes baumelte. Doppelsteg-Sonnenbrille und so. Später trat dann noch Naomi Campbell in sein Leben. Noch später dann - ich meine, mich zu erinnern - sogar buchstäblich, wie sie es ja auch gerne auf Überseeflügen mit Stewardessen tut, wenn sie sich ärgert.

Die Welt ist gnädig geworden. Früher gehörte sie den Jungen und Starken. Alte Männer hatten kein Tun mehr, es sei denn, sie arbeiteten für Pils und Korn als Werbefigur für Zigarren namens „Tropenzierde” oder „Krummer Hund”. Eigentlich fanden sie nur noch in der Familie statt. Weitgehend unter Verschluss.

Heute freuen wir uns auf den nächsten Kampf von Evander Holyfield gegen Francois Botha, von denen zumindest der Holyfield noch gegen George Foreman geboxt hat. Dessen erste Kämpfe liegen 40 Jahre zurück. Wenn der Kampf letztens aus Geldgründen nicht abgesagt worden wäre, hätten sie sich gegenseitig ihre Fressbretter hingehalten.

Mit Mundschutz boxen die wahrscheinlich gar nicht mehr, die nehmen das Gebiss vor dem Kampf einfach raus. Dann nölt Michael Buffer von der „Silver-Ager-Boxing-Foundation” seine Ansage und los geht's. Hat überhaupt jemand irgendwann mal leichter sein Geld verdient als Michael Buffer?

Rein leistungssportlich fußen diese Boxer doch schon in der Steinzeit. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich nun den Weg ins Ringgeviert suchen möchte. Aber: Wo ist die Konkurrenz? Es muss irgendetwas passieren, etwas, was die nach vorne drängenden Alten wieder dort einsortiert, wo sie hingehören. Die Senioren lassen sich nicht mehr zurückfallen. Derzeit sehen die Jungen oft alt aus. Die Silberrücken der „Flippers” sind erfolgreicher als das ganze Jungvolk. Sie ließen 2009 ihre Schlagermelodien gleich zweimal vor die Gestade der ausverkauften Westfalenhalle schwappen. „Schon der Gedanke, dass ich Dich einmal verlieren könnt', dass Dich ein and'rer Mann einmal sein eigen nennt - er macht mich traurig - weil Du für mich die Erfüllung bist, was wär die Welt für mich - ohne Dich”.

Schön. Die dichten irgendwie so dicht, die Flippers. Auch von den Worten her.

Roger Whittaker ist ebenfalls gerne dort. Der singt immer übers Land, hoch und weit, singt über Neid und Leid, Freude und Einsamkeit, die nach Liebe schreit. Aber das singt er auch: „Das alte Schiff ist müde und das Reisen fällt ihm schwer. Es ist morsch und schon sehr blass geworden und taugt zu gar nichts mehr”.

Jooo, und jetzt isses kaputt.

Ich seh' ein, dass das natürlich alles Wegmarken für die Jugend sind. Fleischberge, die geschlagen und Wortgebirge, die erklommen werden wollen. Lasst Euch das sagen, Jungs und Mädchen, die Steinzeit ist auch nicht vorübergegangen, weil es keine Steine mehr gab. Nehmt den Kampf an, ihr schafft das.

Und im Starschnitt seht ihr ohnehin besser aus.

Dirk Berger

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