Kein Tor würde dem Spiel gut tun
26.09.2012 | 17:31 Uhr 2012-09-26T17:31:00+0200
Dortmund. Trotz einer souveränen 2:0 Halbzeitführung hat Borussia Dortmund sein Dienstagabendspiel bei Eintracht Frankfurt nicht gewinnen können. Beim stark aufspielenden Aufsteiger aus Hessen reichte es für den Deutschen Meister nur zu einem spektakulären 3:3 Unentschieden.
Drei Tage nach dem bitteren 2:3 in Hamburg wirft das Dortmunder Defensivverhalten daher langsam aber sicher Fragen auf.
Es ist der Reiz einer „englischen Woche“, dass auf ein Bundesligaspiel gleich das nächste folgt. Nur drei Nächte, dann wartet der nächste Gegner. Viel Zeit für tiefgehende Analysen bleibt da nicht – schon gar nicht, wenn gleich so viel schief lief, wie beim Gastauftritt der Schwarz-Gelben im Hamburger Volkspark am vergangenen Samstag.
Bei seinem zweiten Auswärtsspiel in Folge -gestern Abend in Frankfurt – begann der BVB dennoch zunächst ganz anders, als noch in der Hansestadt: Erfrischend souverän, abgeklärt und in der Tat auch erfolgreich. Nach Toren von Lukasz Piszczek und Marco Reus sah sich der Deutsche Meister zur Halbzeit schon längst wieder rehabilitiert – doch zwei haarsträubende Gegentore in den ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff stellten nicht nur das Spiel, sondern auch das ehemalige Frankfurter Waldstadion blitzschnell auf den Kopf. Dass Borussia letzten Endes aber selbst aus der erneuten Führung durch Mario Götze kein Kapital schlug und mit nur einem Zähler den Heimweg über die A45 antrat, wirft erste deutliche Fragen über das gegenwärtige Defensivverhalten der Borussia auf.
Erschreckend, wie sich die Elf von Jürgen Klopp trotz sicherer Führung innerhalb weniger Minuten klassisch und auf einfachste Art und Weise auskontern ließ – enttäuschend, wie die Mannschaft trotz fünf (!) erzielten Treffern in zwei aufeinander folgenden Auswärtsspielen nur einen mageren Punkt erspielt hat.
Unglücklicherweise führt genau diese paradoxe Situation, in der sich der BVB gegenwärtig bewegt, zu Diskussionen, Kommentaren und Auseinandersetzungen, die nicht ansatzweise zielführend sind.
Konstruktive Kritik erwünscht
Sämtliche Schuld der letzten beiden Ergebnisse nur in einem wackeligen Abwehrverbund und noch dazu in einem Mannschaftsteil zu suchen, der in den zurückliegenden 48 Monaten das Grundgerüst für zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg bildete, mag zwar relativ einfach sein, ist aber leider nur die halbe Wahrheit.
Ich will nicht abstreiten, dass sowohl unsere beiden Innenverteidiger, als auch Linksverteidiger Schmelzer zuletzt erschreckende Fehlerketten ausgelöst haben. In unseren Diskussionen – sei es in den Medien, in der Kneipe oder im Stadion selbst – mangelt es aber leider immer wieder am richtigen Gleichgewicht zwischen Kritik und sachlicher Analyse. Stattdessen übertreiben wir. Wir diskreditieren einzelne Spieler, stellen taktische Einzelheiten in Frage oder suchen die Schuld in genau dem einen verlorenen Zweikampf im Strafraum, statt uns zu fragen, wieso der Ball überhaupt dorthin gelangen konnte.
Es ist nicht einzig die Dortmunder Viererkette, die einzig und allein Schuld daran trägt, dass Abstände zwischen den Mannschaftsteilen zu groß werden – wenn ausgerechnet das Gegenpressing (das die Grundlage für das Spielsystem unter Klopp bildet) mangelhaft ist oder wenn das schnelle Umschaltspiel solche Schwächen aufweist, wie gestern in der zweiten Halbzeit in Frankfurt.
Große Diskrepanz
Sicher: Wenn ein Deutscher Meister und Pokalsieger sechs Gegentore in zwei Spielen kassiert und noch dazu eine 2:0 Halbzeitführung auf die Art und Weise verspielt, wie gestern passiert, mag die Diskrepanz zwischen der Kritik, die uns angemessen erscheint und die, die eigentlich berechtigt ist, ungeahnte Ausmaße annehmen. Und dennoch war auch gestern in Frankfurt nicht alles schlecht, so wie auch in Hamburg nicht alles schlecht war. Auch wenn sich allen voran die überregionalen Medien nun berufen fühlen den Abgesang auf den Ballspielverein aus Dortmund – den besten Meister aller Zeiten – zu Papier und auf den Bildschirm zu bringen, so sei zumindest aus Fansicht betont, dass es noch nicht allzu viele Gründe zur Besorgnis gibt.
Der Saisonstart ist mit sieben Punkten in der Liga und einem Auftakterfolg in der Champions-League alles andere als katastrophal. Und vielleicht liegt genau darin auch die enorme Frustrationsrate nach dem gestrigen 3:3. Anders als gestern, hat der BVB nämlich durchaus auch in jüngster Vergangenheit bewiesen, dass sein unaufhörliches Offensivspiel nicht zur Preisgabe jeglicher gemeinsamen Defensivarbeit und Grundordnung führen muss. Gerade im Hinblick auf die anstehende Partie am Samstag Abend gegen Mönchengladbach wäre eine Rückbesinnung auf die gesamtmannschaftliche Arbeit gegen den Ball wahrscheinlich schon die halbe Miete, um mit einem Erfolgserlebnis schnellstens wieder zurück in die Spur zu finden. Kein Tor würde unserem Spiel mal gut tun. Also zumindest hinten - mit dem richtigen Gleichgewicht ist das ja so eine Sache…
(26.09.12 – Christoff Strukamp – die-kirsche.com)
17:49
Also, wirklich: Solche oder ähnliche Kommentare hagelt es im Moment round about Borsigplatz - sie kommen einem langsam aus den Ohren heraus! Wäre auch mal schön, wenn derlei "Fehleranalysen" irgendwann mal zu irgendwie gearteten Resultaten auf dem Platz führen würden! Viel Wort, wenig Tat, kann man dazu nur sagen ...