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PCB-Skandal

Kein Termin für Säuberung des Envio-Geländes in Dortmund

18.10.2012 | 22:00 Uhr
Noch immer ist offen, wann das Envio-Gelände in Dortmund saniert wird.Foto: Ralf Rottmann/Archiv

Dortmund.   Noch immer gibt es keinen definitiven Termin, wann das Envio-Gelände an der Kanalstraße in Dortmund saniert wird. Das frustriert die Verantwortlichen bei der Bezirksregierung. Doch es hilft nichts - zunächst müssen die Insolvenzverwalter ihre Arbeit beenden. Und die halten sich bedeckt.

Weit über zwei Jahre nach der Aufdeckung des Envio-Skandals ist eine Sanierung des Geländes an der Kanalstraße nicht in Sicht. „Die Situation ist sehr unbefriedigend“, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung in Arnsberg, die Schritte der aufwendigen Sanierung letztlich auf den Weg bringen muss.

Vorgeschaltet ist allerdings die Arbeit des Insolvenzverwalters. Achim Thomas Thiele (Kanzlei Husemann und Partner) war im Mai noch zuversichtlich, im Herbst die ersten Maßnahmen einleiten zu können. In Arnsberg ist man in dieser Hinsicht jetzt skeptisch.

Welche Geräte sind noch nutzbar?

Thieles Aufgabe ist es Angebote von Firmen einzuholen. Eine Rolle spielt dabei, welche Geräte auf dem Gelände noch nutzbar sind, damit deren Erlös in die Insolvenzmasse einfließen kann, um die Ansprüche der Gläubiger bestmöglich befriedigen zu können.

Thiele zum Ziel: Das Ergebnis müsse wirtschaftlich vertretbar, umweltrechtlich sicher und zeitlich passabel sein. Das war Anfang Juli. Seit dem gibt es für die Arnsberger keinen neuen Stand, wie Söbbeler mitteilte. Auf Anfragen der WR reagierte der Insolvenzverwalter in den letzten Tagen nicht.

Envio-Skandal vor Gericht

Für die Bezirksregierung ein „zählebiger Ablauf“. Sie kann weitere Schritte zur Ausschreibungen bestimmter Arbeiten erst beginnen, wenn der Insolvenzverwalter seine Arbeit abgeschlossen habe. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Envio Recycling GmbH erfolgte im Dezember 2011. Damals hofften die Beteiligten noch auf einem Termin im Frühjahr 2012 für den Sanierungsstart.

Auch die Stadt Dortmund blickt gespannt auf den Ablauf des Verfahrens. „Wir würden es uns schneller wünschen“, sagt Thomas Ellerkamp von der Wirtschaftsförderung Dortmund. Die Situation sei unbefriedigend aber mit Blick aufs Insolvenzrecht nicht zu ändern.

Langwierige Säuberung

Hat der Insolvenzverwalter seine Arbeit abgeschlossen, folgt das Bohren eines weiteren Bretts: die Sanierung des Geländes selbst - wenn keine Klagen gegen das Ausschreibungsverfahren folgen. Die Säuberung des Geländes und der Hallen ist langwierig, erfolgt in mehreren Stufen und schlägt mit rund sechs Millionen Euro zu Buche. Die Dauer ist völlig ungewiss, weil es kein vergleichbares Sanierungsprojekt gibt. Verbliebene Güter und Anlagen werden verpackt und entsorgt, es folgt eine Reinigung von Hallen und Freiflächen.

Alle Sanierungsschritte sollen von einem Überwachungsprogramm begleitet werden, das auch die Einrichtung zusätzlicher Messstellen umfassen soll. Vor dem Start ist eine öffentliche Info-Veranstaltung geplant, auf der Anwohner und die benachbarten Betriebe über das Programm informiert werden sollen.

Frank Bußmann


Kommentare
24.10.2012
19:30
Kleine Korrektur
von vaikl2 | #3

Das PCB/PER-Gemisch im Zwischenboden befindet sich unter der Halle 1, nicht unter der Halle 55.

24.10.2012
19:04
@vaikl2 | #1
von Dotkor | #2

Man wartet lieber, mit einem zwinkernden "Blick aufs Insolvenzrecht": Erst der Insolvenzverwalter, dann das Weitere. Und solange keine unmittelbare Gefahr besteht, i.e. nachweisbar ist (man siehe auch die unerträgliche Gutachten-Problematik des Gerichtsverfahrens), passiert nichts Dringliches, wodurch das Wissen um die Giftigkeit dieser Stoffe zugestanden würde. Denn damit würden sich die offensichtlichen Verantwortlichkeiten verschärfen, und wer kann das in Dortmund oder Arnsberg wollen?

20.10.2012
00:11
Kein Termin für Säuberung des Envio-Geländes in Dortmund
von vaikl2 | #1

Hat man denn inzwischen wenigstens die hunderten oder tausenden Liter PCB/PER-Gemisch entdeckt, die lt. Ex-Arbeitern durch den Hallenboden der Halle 55 in einen Fundament-Hohlraum versickert sein sollen? Oder wartet man lieber, bis die durch den Fundamentbeton ins Erdreich und ins Grundwasser diffundieren?

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