Kaufland-Beschäftigte ziehen bei Demo durch Dortmund

Freitag ist Streiktag in Dortmund: Am Mittag trafen sich rund 300 Mitarbeiter von Kaufland zu einer Kundgebung an der Katharinenstraße und zogen danach durch die City. Neben den Erziehern streiken auch die Beschäftigten der Deutschen Post wieder - und zwar schon seit Donnerstagabend.

Dortmund.. Im nordrhein-westfälischen Einzelhandel werden die Warnstreiks fortgesetzt. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem "Kaufland-Streiktag" aufgerufen - rund 300 Beschäftigte des SB-Warenhauses aus 22 Betrieben in NRW haben sich daraufhin am Freitagmittag an einer Kundgebung in Dortmund beteiligt.

Verdi-Sprecher: "Das Angebot ist scheiße"

Ab 11 Uhr fand eine Kundgebung an der Katharinenstraße statt. Dort machte auf der Ladefläche eines Lastwagens ein Sprecher durchs Mikrofon klar, was man davon hält, dass die Arbeitgeber den Beschäftigten im Einzelhandel bislang nur 1,5 Prozent mehr Geld angeboten haben: "Das Angebot ist scheiße." Nach Verdi-Angaben bedeutet das Angebot für eine Verkäuferin im Endgehalt eine Erhöhung von 22 Cent pro Stunde.

Die Kaufland-Beschäftigten bekundeten ihre volle Zustimmung mit dieser Ansicht durch Lärm aus ihren Trillerpfeifen.

Silke Zimmer, in Nordrhein-Westfalen Verhandlungsführerin für Verdi in der Tarifauseinandersetzung, erinnerte daran, dass die Schwarz-Gruppe (zu der Kaufland gehört) jüngst einen Rekord-Umsatz gemeldet und sich zum größten Händler in Europa aufgeschwungen hat.

"Wer Nummer 1 in Europa ist, kann auch ordentliche Löhne zahlen", rief Zimmer. Verdi fordert für die Mitarbeiter im Einzelhandel 5,5 Prozent mehr Lohn.

Demonstrationszug durch die Dortmunder City

Nach der Kundgebung zogen die Kaufland-Mitarbeiter, darunter viele aus den Dortmunder Filialen, aber auch aus Schwerte, Witten oder Hagen, zu Musik durch die Dortmunder Fußgängerzone.

Auf Anfrage, wie sehr das Geschäft in den Dortmunder Kaufland-Filialen vom Warnstreik beeinträchtigt werde, teilte die Pressestelle des Unternehmens schriftlich mit: "Die Filialen haben regulär geöffnet, die Kunden können wie gewohnt ihre Einkäufe tätigen."

Streik im Briefzentrum an der Revierstraße

Mitarbeiter der Deutschen Post bestreiken seit Donnerstagabend, 22 Uhr, 14 Briefverteilzentren in Nordrhein-Westfalen. Das gilt auch für das Briefzentrum an der Revierstraße in Dortmund. Der Streik solle den ganzen Freitag andauern, sagte auf Anfrage Thorsten Burgsmüller, stellvertretender Arbeitskampfleiter für die Gewerkschaft Verdi im Bereich der Post-Niederlassung Dortmund.

Seit Anfang April läuft bundesweit der Arbeitskampf bei der Post. Verdi fordert für die Post-Mitarbeiter eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden sowie 5,5 Prozent mehr Geld. Bisherige Verhandlungen zwischen den Beteiligten verliefen ergebnislos; in Dortmund traten Post-Mitarbeiter deshalb schon mehrfach in den Warnstreik.

Das Klima bei der Post wird rauer

Dabei scheint das Klima rauer zu werden, wie Burgsmüller berichtet. Bei den Streikkundgebungen der Mitarbeiter vor den Post-Standorten stünden regelmäßig Führungskräfte des Unternehmens mit dabei, um die Streikenden zu beobachten. "Manche Mitarbeiter fühlen sich dadurch sehr beeinflusst", sagt Burgsmüller.

Er und seine Kollegen setzen sich nicht nur für die Verkürzung der Arbeitszeit und für mehr Geld ein. Verdi und seine Mitglieder protestieren auch nach wie vor gegen die erfolgte Gründung der 49 Post-Tochtergesellschaften namens "Delivery", in denen die Post ihre Paketzustellung neu organisiert.

Dass Post-Chef Frank Appel am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens dessen Sparkurs bekräftigte, besorge ihn und seine Kollegen, sagt Burgsmüller: "Wir haben Angst, dass sich die Sparpolitik auf andere Sparten auswirkt." Diese Sorge hatte ein Post-Sprecher zuletzt mehrfach als unbegründet zurückgewiesen.