Katastrophen-Sirenen sollen ab 2016 wieder heulen

Ob flächendeckender Stromausfall, Sturm, Starkregen, Industrieunfälle oder giftige Rauchwolken - im Katastrophenfall sollen künftig wieder Sirenen heulen, um die Dortmunder Bevölkerung vor Gefahren zu warnen. Die ersten 24 Sirenen könnten schon 2016 kommen.

Dortmund.. Nach dem Ende des Kalten Krieges waren Sirenen bis zum Ende der 1980er-Jahre ein wirksames Instrument des Zivilschutzes. Weil sie auf veralteter Telefontechnik basierten und keine akute Bedrohungslage mehr erkennbar war, wurden die Krachmacher in den 90er-Jahren abgebaut.

Notwendige Weckfunktion fehlt

Doch heute fehlt im Stadtgebiet eine dringend notwendige Weckfunktion bei drohenden Katastrophen, die nur mit Sirenen sicherzustellen ist. "Heute haben alle ein Handy, doch bei besonderen Gefahrenlagen funktioniert das Handynetz nicht mehr. Da nützt auch keine App und keine Push-Nachricht der Unwetterzentrale", erläutert Feuerwehrsprecher Andr Lüddecke.

Auch nachts reißen Sirenen fast jeden sicher aus dem Schlaf. Deshalb sollen die Heulbojen auf Dortmunds Dächer zurückkehren. Das Land stellt 218.000 Euro für den Aufbau eines Warnsystems zur Verfügung. Es wird allerdings deutlich teurer.

Erste Ausbaustufe kostet 470.000 Euro

Allein die erste Ausbaustufe kostet in Dortmund 470.000 Euro. Vorausgesetzt der Rat stimmt zu, sollen im nächsten Jahr die ersten Sirenen - bis zu 24 - im Umfeld sogenannter "Störfallbetriebe" aufgestellt, die Sirenensteuerung in der Einsatzleitstelle der Feuerwehr eingerichtet und Feuerwehr-Autos mit Lautsprechern ausgerüstet werden.

Die identifizierten Störfallbetriebe, erläutert Lüddecke, liegen im Umfeld des Gewerbegebiets Wickede-Süd, der Westfalenhütte und des Hafens. So werde zum Beispiel im Petroleumhafen mit Benzin, Schmierstoffen oder Ölen gearbeitet. Das sind Gebiete mit der Priorität I.

Installation in der Nähe von Risikobetrieben

Nach der Installation von Sirenen in der Nähe von Risikobetrieben sollen im zweiten Schritt weitere Sirenen entlang der Haupt-Verkehrswege folgen, um etwa vor Gefahren bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen zu warnen (Priorität II). Ziel ist schließlich ein flächendeckendes Sirenensystem im gesamten Stadtgebiet (Priorität III und IV).

Wie viele Sirenen man dafür braucht und die Höhe der Gesamtkosten für das neue Warnsystem werden zurzeit gutachterlich ermittelt, so der Feuerwehrsprecher: "Das hängt auch von der jeweiligen Einwohnerdichte ab." Die Feuerwehr sei dabei, das Stadtgebiet nach Prioritätsstufen aufzuteilen.

Menschen sollen neu sensibilisiert werden

Für diese wiederbelebten Warnzeichen müssten die Bürger auch neu sensibilisiert werden, sagt Lüddecke. Heult die Sirene, gilt es, geschlossene Räume aufzusuchen Fenster und Türen zu schließen sowie Klimaanlagen ab- und das Radio einzuschalten.

Die Warnsignale


In Deutschland wird seit Mitte der 1970er-Jahre als Signal "Warnung der Bevölkerung" ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton (vormals als Luftalarm bekannt) verwendet.
Zweites Sirenensignal ist ein einminütiger Dauerton zur "Entwarnung", das nach Ende der Gefahrenlage gegeben wird. Sirenen in NRW


Mehr als zwei Drittel der Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben wieder Sirenen. In den vergangenen Jahrzehnten waren viele abgebaut worden, nachdem der Bund sein Netz abgeschaltet hatte. Inzwischen verzeichnet das Sirenen-Kataster des Landes aber schon wieder rund 3500 der durchdringenden Heuler in 280 Kommunen.


Die meisten Gemeinden halten Sirenen nach Tests mit anderen Warnmitteln für unverzichtbar. Allerdings stellt die Finanzierung viele Städte - vor allem im Ruhrgebiet - vor Probleme. Allein Essen rechnet mit etwa einer Million Euro Kosten für ein flächendeckendes Sirenennetz.