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Karabiner klicken in Kokerei-Kathedrale

16.03.2008 | 17:43 Uhr

Wie ein Schiffsbug reckt sich die Stirnwand bis zur Hallendecke. Über 20 Meter hoch, gespickt mit bunten Kunstharzgriffen. Das Auge sucht sofort den möglichen Weg nach oben. ...

... Im indus-triellen Ambiente der alten Kokerei Hansa ist die größte und schönste Kletterarena des Landes eröffnet worden. Ein mächtiger Haken an der Hallendecke ist das erste, was Tobias auffällt. "Sollen daran Schwergewichte nach oben gezogen werden?" fragt sich der 15-Jährige. "Nein", schmunzelt Hallenchef Chris Knieper. "Der Haken wurde früher in der Kompressorenhalle der Kokerei gebraucht. Wir haben ihn nur schwarz-gelb lackiert." Hat alles ein bisschen länger gedauert als geplant, um aus einer Indu-strieruine eine feine Freizeitoase zu modellieren: Sieben Jahre Vorarbeit und eine letzte Nachtschicht bis in die Morgenstunden hinein, um das "Bergwerk" zu vollenden.

Schon bindet sich Tobias mit dem Achterknoten in das neue Seil, Karabiner klicken, dann steigt er ein. "Freunde haben noch in der Nacht die letzten Routen geschraubt", verrät Knieper nebenbei. Die Auswahl an Aufstiegen ist riesengroß. Trotz 600 Besuchern am Eröffnungstag tritt sich niemand auf die Füße.

Die Fingerspitzen von Tobias verschwinden in einem versteckten senkrechten Riss. Indem er das Gewicht seitlich verlagert und die Füße schräg ansetzt, kann der Kletterer an der Fuge hochturnen. Ganz schön tricky! Doch oben ist er noch lange nicht.

"Wir haben versucht, alle Klettertechniken, die man in den Bergen findet, hier nachzubilden", so Knieper. Da wird in Kaminen nur auf Reibung gestemmt, in Verschneidungen, an Dächern und selbst nachgebildeten Tropfsteinzapfen gehangelt.

Dem jungen Aspiranten am 22 Meter hohen und überhängenden Schiffsbug werden langsam die Unterarmmuskeln sauer. Ungewohnte Dauerbelastung. Noch ein paar Meter, ein paar Züge, dann ist es vollbracht. "Flaues Gefühl da oben", gesteht der 15-Jährige trotz seiner Erfahrung. Auch die Psyche muss sich an so viel Luft unterm Hintern gewöhnen.

Nebenan probiert die vierjährige Sarah sich an bunten Dinosaurier-Griffen im Anfängerbereich der Kletterhalle Bergwerk. Und gegenüber testen Turnkünstler komplizierte Griffabfolgen im sogenannten Boulderbereich - Kraxeln in Absprunghöhe.

"Hier ist für jeden etwas dabei", versichert Chris Knieper. Die Berge sind zwar fern - aber Dortmund ist alpin. Und bald auch im "Apre?s Climbing": Sauna und Biergarten, sogar Beachvolleyball im Außenbereich sollen noch im Sommer kommen.

Von Gerald Nill

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