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Knebels Affentheater

Kaffee gern mit Knoblauch-Nuss

28.10.2012 | 16:30 Uhr
Kaffee gern mit Knoblauch-Nuss
Besuch im „Schtabux“: Knebel bestellt gern Kaffee mit Knoblauch-Nuss.Foto: Michael Printz

Dortmund.  Der Ruhrpott-Komiker Uwe Lyko und sein Ensemble brachten mit ihrer Revue „Der Letzte macht das Licht aus“ das Publikum im Keuning-Haus zum Lachen.

Das Publikum im Dietrich-Keuning-Haus braucht kein Warm-Up. „Herbert Knebels Affentheater“ hat noch gar nicht richtig angefangen, da gibt es schon die ersten Lacher.

Es genügt völlig, dass der Trainer (Detlef Hinze) auf die Bühne schlappt, die Jogginghose Dank Hosenträgern hochgezogen bis zum Anschlag. An diesem Samstagabend ist Knebel mit seinen Kumpels im Dietrich-Keuning-Haus – anschaffen, wie er sagt, für sich und seine Gustel. Da schreckt ihn auch die Nordstadt nicht, obwohl er gehört habe, dass man sich da warm anziehen müsse.

Neues Programm mit Ruhrpott-Romantik

Das neue Programm, mit dem der Komiker Uwe Lyko als Herbert Knebel , dem „Aläng Delong von Altenessen“, durch Nordrhein-Westfalen tourt, heißt „Der Letzte macht das Licht aus“. An seiner Seite der Trainer mit den Jogginghosen, der pomadenverklebte Ernst Pichel (Martin Breuer) und der Urvater aller Proleten Ozzi Ostermann (Georg Göbel). Ruhrpottler wie aus dem Lehrbuch. Zusammen machen sie eine Show, in der Gag auf Gag folgt, angereichert mit Coverversionen bekannter Popsongs, umgeschrieben in Ruhrpottslang.

Es ist genau das Affentheater, dass das Publikum sich erhofft hat. Mal augenzwinkernd flach, mal versaut, mal annähernd gebildet, aber immer mitten raus aus dem Lebensgefühl an der Ruhr. Knebels Besuch bei Schtabux (denglisch: Starbucks) ist beispielhaft für die Mentalität, deretwegen ihn sein Publikum liebt.

Gesellschaftskritik à la Knebel

Er macht sich lustig über die hippe Welt, in der Kaffee nicht nur aus Kaffeebohnen besteht, sondern auch einen „Flavour“ haben sollte. „Knoblauch-Nuss“ bestellt er bei der Starbucks-Bedienung Sandro, „so aus Scheiß“. Und als Sandro dann auch noch will, dass Knebel sich für einen „Taste“ entscheidet, platzt dem Mann mit Hut der Kragen: „Hau ‘n Schuss Büchsenmilch in die Plörre und lass röbberwachsen.“

Gesellschaftskritik à la Knebel. Es sind vier Lokalpatrioten, die da auf der Bühne Ommas Einrichtungsstil und Oppas beige Bund-faltenhose zelebrieren. Für die der Anblick des Essener Bahnhofs das Paradies bedeutet, wie Knebel in einem seiner Lieder singt. Und bei denen ein Ausflug nach Hergolshausen oder Castrop-Rauxel reicht, um das Fernweh zu stillen. Das ist Ruhr-Romantik pur.

Ozzi und Ernst grooven, was das Zeug hält

So sehr die vier auch sonst über die Bühne tattern und schlurfen, wenn Ozzi zur Gitarre greift, ernst Pichel zum Bass und Knebel zum Mikro, dann rocken sie die Halle. Ganz zu schweigen vom Trainer, der sonst die längste Leitung von allen hat – hinterm Schlagzeug rotiert er.

Ozzi und Ernst grooven, dass man um das Wohlergehen ihres Meniskus fürchtet, und Knebel shaked die Hüften wie der König des Ententanzes oder marschiert wahlweise im Takt wie Loriots Opa Hoppenstedt – nur fetziger. Die weiblichen Fans johlen. Fast ist es ein Wunder, dass keine Höschen fliegen. Nach zwei Stunden können manche Zuschauerinnen vor Erschöpfung nur noch quietschen. Dieser Mann darf wiederkommen. Und für solch ein Affentheater hat sich der Besuch fraglos gelohnt.

Daniela Moschberger


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