Das aktuelle Wetter Dortmund 13°C
In Huckarde

Junger Mann trifft freiwillig rostige, alte Dame

29.09.2012 | 09:00 Uhr
Junger Mann trifft freiwillig rostige, alte Dame
Dominik Richter (20) zwischen den Schwungrädern in Wohnhausgröße.

Huckarde. „Das macht zusammen sechs Euro. Und bitte gehen Sie nur über die rot auf der Karte eingezeichneten Wege.“ Freundlich, aber bestimmt schickt Dominik Richter das Besucher-Duo aus dem Info-Punkt aufs Gelände der Kokerei Hansa im Dortmunder Westen. Die beiden Holländer sind gerade – nein, nicht mit dem Wohnwagen – mit dem Fahrrad über die Route der Industriekultur vorgeradelt und lassen sich von dem hoch aufgewachsenen 20-Jährigen hinter der Infotheke bereitwillig auf den Rundgang einweisen. Für Dominik Richter gehört das zum Tagesgeschäft: Der junge Mann aus dem sauerländischen Schmallenberg absolviert ein „Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege“ (FJD) auf der zum Industriemuseum umgewandelten Kokerei – Jung trifft Alt auf eine etwas außergewöhnliche Art.

Das Abitur und damit der Abschluss der Schulzeit liegt für Dominik inzwischen über ein Jahr zurück, und damit ebenso die Frage: Was kommt danach? „Zivil- und Wehrdienst gab es nicht mehr“, blickt der 20-Jährige zurück. Also blieb die Suche nach einer anderen, sinnvollen Aufgabe, die Zeit verschaffte, sich über die persönliche Zukunft klarzuwerden. Oder im besten Fall sogar Anregungen zur Zukunftsplanung zu stiften.

Dominik, der seine Musik auch gerne althergebracht auf Vinyl statt auf Silberling oder von der Speicherkarte hört, blieb bei der Denkmalpflege hängen. „Das fand ich spannender als eine Aufgabe im sozialen Bereich.“

Trauung in der Maschinenhalle

Nach einer Bewerberrunde bei der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur und einer anschließender Zusage hat er sich die Kokerei Hansa als Einsatzort ausgesucht – und damit den Wechsel des Wohnorts vom tiefen Hochsauerland mitten ins Ruhrgebiet einkalkuliert: „Klar, ich wollte zu Hause rauskommen“, sagt Dominik ohne jeden Groll gegen die Heimat, aber mit der Sehnsucht eines jungen Menschen, neue Wurzeln zu schlagen.

Seit fast einem Jahr gehört das Industriemuseum wie selbstverständlich zu seinem Tagesablauf: die Kompressorenhalle etwa mit Schwungrädern in Wohnhaushöhe, in der die Luft noch deutlich den Geruch von Schmierfett und Maschinenöl atmet, oder die Batterien von Öfen, „in denen früher Kokskuchen gebacken wurde“, der Löschturm, mit dessen Wasser der glühende Koks laut aufzischend abgekühlt wurde, oder eben der Info-Punkt, an dem die Besucher ihren Rundgang über den Erlebnispfad durch das Technikmuseum beginnen. Wenn ein Führer ausfiel, ist Dominik auch als Ersatz-Guide eingesprungen und hat die Besucher über das Gelände geleitet. Bei Veranstaltungen auf dem Gelände bereitet er die Räume mit vor, etwa, wenn auf dem Industriedenkmal eine Trauung stattfindet.

Für junge Menschen von 16 bis 27 Jahren

Das „Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege“ (FJD) ist ein „Bildungs- und Orientierungsjahr für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 27 Jahren“ und eine besondere Form des „Freiwilligen Sozialen Jahrs“.

Träger des Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege ist der Verein „Jugendhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ in Zusammenarbeit mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten.

Seit zehn Jahren ist die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur in Dortmund Einsatzstelle für das „Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege“.

Einen Lieblingplatz hat Dominik nicht. Die Auswahl würde wohl auch schwerfallen angesichts der Fülle an Möglichkeiten, die der Technikgigant bietet. Die Arbeit im Info-Punkt, der Anlaufstelle für alle Ankömmlinge, schätzt er. „Das ist abwechselungsreich, dort passiert immer was. Jeder Besucher ist anders.“ Und die Verständigung mit Gästen aus dem Ausland? „Das klappt immer irgendwie – und wenn es mit Händen und Füßen sein muss“, berichtet Dominik lachend.

„Unzählige Fotografen“ hat der junge Mann zur und über die Kokerei pilgern sehen: Kultur statt Kohle gibt eben eine dankbare Kulisse für professionelle wie Hobby-Motivsucher. Für den freiwilligen Dienstleister blieb es nicht beim Zuschauen; in ihm hat es die Lust und inzwischen wohl auch Leidenschaft, selbst zu fotografieren, geweckt.

Hinter dem Sucher

„Das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege ist ein Bildungs- und Orientierungsjahr für Jugendliche und junge Erwachsene“, beschreibt die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Für Dominik Richter hat der Dienst auf Hansa nicht nur viele, neue Eindrücke geliefert, sondern die Idee für die berufliche Zukunft: „Ich möchte eine Ausbildung zum Fotografen machen.“ Die ersten Bewerbungen hat er schon geschrieben. Vielleicht führt ihn der Beruf später einmal zurück zur Kokerei im Dortmunder Westen, wo der Wunsch, hinter dem Sucher einer Kamera zu stehen, anno 2012 geboren wurde.

Carsten Menzel


Kommentare
Aus dem Ressort
EDG stellt mehr und größere Container auf
Altkleidersammlung
Neue Container für alte Klamotten: Die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) hat mit dem Komplett-Austausch der Altkleidercontainer im gesamten Stadtgebiet begonnen. Die neuen Modelle sind deutlich größer, sollen bequemer zu befüllen sein - und haben eine tristere Farbe.
Dortmunds Wirtschaft strotzt vor guter Laune
IHK-Konjunkturumfrage
Den Dortmunder Unternehmen geht es gut - sehr gut sogar, glaubt man der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Dortmund. Über 93 Prozent der befragten Firmen sind zufrieden mit ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation. Das waren zuletzt deutlich weniger. Die Entwicklungen...
Kleiner Junge fällt aus Fenster - schwer verletzt
Sturz aus fünf Metern
Ein anderthalb Jahre altes Kind ist am Donnerstagmittag aus dem Fenster in der zweiten Etage eines Mehrfamilienhauses in Eving gefallen. Der Junge spielte nach Angaben der Feuerwehr mit seiner vierjährigen Schwester in einem Zimmer, als das Mädchen das Fenster öffnete.
Gericht hebt Verbot der Rechten-Demo auf
Zum 1. Mai
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat das Verbot des Dortmunder Polizeipräsidenten der geplanten Neonazi-Aufmärsche am 30. April und 1. Mai in Dortmund aufgehoben. Das gab das Gericht am Donnerstag bekannt. Damit könnten die angemeldeten Demonstrationen der Rechten nach aktuellem Stand...
Der Dortmunder Zoo hat ein neues Mini-Nashorn
Geburt an Ostern
Der Dortmunder Zoo hat einen neuen Jungstar: Das erste Breitmaulnashorn-Baby in der Geschichte der Stadt ist Ostermontag geboren worden. Es ist eines von nur drei in ganz Europa. Die kleine Nashorndame kam in der Nacht zur Welt.
Fotos und Videos
Mini-Nashorn im Dortmunder Zoo
Bildgalerie
Fotostrecke
Schuhverführung im Keuning-Haus
Bildgalerie
Fotostrecke
Andreas Kümmert singt im FZW
Bildgalerie
Fotostrecke