Junge Flüchtlinge auf Raubzug durch Dortmund geschickt

Am Grevendicks Feld in Lütgendortmund leben jugendliche Flüchtlinge. Eine Minderheit begeht schwere Straftaten.
Am Grevendicks Feld in Lütgendortmund leben jugendliche Flüchtlinge. Eine Minderheit begeht schwere Straftaten.
Foto: Schütze
Was wir bereits wissen
In Dortmund steigt die Zahl der Raubüberfälle. Täter sind laut Polizei oft jugendliche Flüchtlinge, die meist aus Marokko stammen. Besonders in der Nordstadt schlagen die Jugendlichen zu. Das Jugendamt vermutet stark, dass Erwachsene die Überfälle aus dem Hintergrund organisieren.

Dortmund.. Die Zahl der Raubüberfälle in Dortmund ist 2013 von 373 auf 626 gestiegen. Mit Sorge erkennen Polizei und Justiz, dass minderjährige Flüchtlinge, hauptsächlich aus Marokko, in der Nordstadt zuschlagen. Das Jugendamt vermutet organisierte Strukturen im Hintergrund. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Wer stellt den Zusammenhang zwischen Straßenräubern und Jugendlichen aus Marokko her?
Die Dortmunder Polizei widmet in ihrer Kriminalstatistik 2013 den Straßenräubern eine komplette Seite. Sie schreibt darin von einem "enormen Zuzug von meist jugendlichen Menschen, oftmals aus dem nordafrikanischen Raum stammend".Schon wenige Tage nach der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland landen die Jugendlichen laut Polizei über fest etablierte Kontakte in der Nordstadt und begehen Straftaten, um über die Runden zu kommen. Auch das Dortmunders Amtsgericht und das Jugendamt bestätigen diesen Zusammenhang.

Wie sieht das Jugendamt das Problem?
"Wir haben es mit extrem auffälligen Jugendlichen zu tun und beobachten eine große Brutalität. Ihr Verhalten kann man sich nur erklären, wenn man weiß, wie sie aufgewachsen sind", sagt Bodo Weirauch vom Jugendamt: "Schon als Kinder haben sie ihre Heimat verlassen und sich in Spanien durch Straftaten über Wasser gehalten." Er sagt: "Es gibt Fälle, die uns überfordern. Wie andere deutsche Großstädte stoßen wir an unsere Grenzen."

Warum kommen die Jugendlichen nach Deutschland?
Armut und Jugendarbeitslosigkeit in Marokko sind besonders hoch. Wer in der Unterschicht des nordafrikanischen Landes aufwächst, hat kaum Perspektiven. Die Ursachen für ein Problem vor unserer Haustür liegen Tausende von Kilometern entfernt, so dass Sozialarbeiter nicht bis an die Wurzeln herankommen.

Sind alle Jugendlichen aus Marokko problematisch?
Nein, sagt Sozialarbeiter Weirauch. Er betont: "Wir dürfen nicht alle nordafrikanischen Jugendliche in einen Topf werfen. Das zu sagen, ist mir sehr wichtig. Große Probleme bereitet uns eine Minderheit, die wir nicht erreichen können."

Gab es Ermittlungserfolge?
Im März des vergangenen Jahres setzte eine Serie von Raubüberfällen hauptsächlich in der Nordstadt ein. Spezialisiert hatten sich die jungen Täter auf Halsketten. Dazu kommen Diebstähle und inzwischen auch Drogenhandel. Gegen etliche Jugendliche erwirkte das Amtsgericht nach Überfällen die Untersuchungshaft.

Wie schätzt die Justiz das Problem ein?
In den anschließenden Gerichtsverfahren reichten die Urteile vom Freispruch bis zu zwei Jahren Gefängnis. Allein Richter Dr. Gerhard Breuer führte bis zu 20 Verfahren. "Diese Jugendlichen sind für uns allein aus sprachlichen Gründen nicht erreichbar. Mit pädagogischen Konzepten kommen wir kaum an sie heran, obwohl das Gesetz genau das von uns erwartet", sagt der Richter über den im Jugendgerichtsgesetz vorgegebenen Grundsatz "Erziehung statt Strafe".

Welche organisierten Strukturen vermutet das Jugendamt?
Beim Jugendamt besteht der Verdacht, dass Erwachsene die meist am Grevendicks Feld in Lütgendortmund untergebrachten Jugendlichen gezielt als Drogenkuriere und Räuber einsetzen und das Rechtssystem ausnutzen würden. Bodo Weirauch: "Unsere Jugendstrafe schreckt sie nicht ab. Wer Jugendliche als Täter einsetzt, hat einfach ein geringeres Geschäftsrisiko."

Was sagt die Polizei dazu?
Vage deutet die Polizei in ihrer Kriminalitätsstatistik für 2013 bereits an, dass junge Marokkaner vor ihrer Reise nach Dortmund "etablierte Kontakte" nutzen.