Jugendliche klettern auf 60 Meter hohen Kronen-Turm

Foto: WR
Jugendliche sind auf den maroden Turm einer alten Brauerei geklettert. Aus 60 Metern Höhe mussten sie von Polizei und Feuerwehr gerettet werden.

Dortmund.. Sechs Jugendliche sind am späten Sonntagabend auf das Dach des alten Kronen-Turms an der Märkischen Straße geklettert. Der Turm steht seit vielen Jahren leer. Aus 60 Metern Höhe mussten die Jugendlichen von Polizei und Feuerwehr gerettet werden. An der lebensgefährlichen Aktion waren auch zwei 14-jährige Mädchen beteiligt.

Gegen 22.09 Uhr wurde die Feuerwehr am Sonntag zum Kronen-Turm an der Märkischen Straße gerufen, weil sich mehrere Jugendliche unerlaubt Zugang zum Gelände verschafft hatten. Ein Zeuge hatte Hilferufe vom Dach gehört. Die zwei 14-jährigen Mädchen und vier Jungen zwischen 17 und 18 Jahren waren auf das Dach des Turms gestiegen - und der ist 60 Meter hoch. Polizei, Rettungssanitäter und die Spezialeinheit Höhenrettung waren vor Ort. Fußläufig konnten die Jugendlichen von Höhenrettern und Polizei zurück auf den sicheren Boden begleitet werden.

Der alte Kronen-Turm steht seit vielen Jahren leer. Für die Polizei in Dortmund ist er einer der gefährlichsten Orte der Stadt. Die Brache zieht Jugendliche an wie einst das Geisterhaus auf der Hohensyburg - oder die stillgelegten Hochöfen von Phoenix-West. "Aber auf Phoenix-West kommen sie normalerweise wieder alleine herunter", sagt Polizeisprecher Marco Müller.

Lebensgefährliche Straftat

Die Polizei warnt vor den Tücken der alten Brauerei-Brache. "Das ist immer mit Gefahren verbunden", sagt Marco Müller. "Man kann sich dabei nicht nur verletzen, sondern auch herunterstürzen und womöglich sein Leben lassen." Außerdem handele es sich um eine Straftat: Das Gebäude ist ein so genanntes befriedetes Besitztum. Hier ist betreten verboten. Wer trotzdem eindringt, bekommt eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe.

Ob es im aktuellen Fall um eine Mutprobe ging, ist unklar. Die minderjährigen Mädchen wurden noch am Abend ihren Eltern übergeben, die Jungen durften selbst nach Hause gehen. Jetzt erwartet die Jugendlichen eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Ob der Besitzer Strafantrag stellen wird, steht noch nicht fest - genauso wenig, ob die Jugendlichen den Einsatz der Höhenretter selbst bezahlen müssen.

Geschäftsführer des Eigentümers verzichtet auf Anzeige

Wir haben mit dem Geschäftsführer der T. und T. GmbH gesprochen, der das Kronen-Areal gehört. Laut Tzelal Top werde man darauf verzichten, Anzeige zu erstatten. Seit seine Firma vor rund zwei Jahren das alte Brauerei-Gelände erworben habe, seien sehr häufig Jugendliche in den Turm eingebrochen, obwohl die Eingänge zugemauert seien.

Der Geschäftsführer schätzt, dass es rund einmal pro Woche Eindringlinge auf dem Gelände gebe. Trotzdem sagt er: "Es sind doch nur Kinder." Sie seien durch den Ärger mit der Polizei und ihren Eltern schon genug bestraft. Die T. und T. GmbH hofft, dass die Baugenehmigung für die geplanten Mehrfamilienhäuser in zwei bis drei Wochen vorliegt und dann mit den Arbeiten begonnen werden kann.