Jugendamt lässt 7,8 Millionen Euro liegen
28.11.2011 | 16:47 Uhr 2011-11-28T16:47:00+0100
Dortmund. Das Dortmunder Jugendamt lässt sich in Zeiten chronisch leerer städtischer Kassen Einnahmen in Höhe von rund 7,8 Millionen Euro entgehen. Diesen Betrag könnte die Behörde über die Erstattung von Kosten für die Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge bekommen.
Während die Politiker aus Geldnot und gegen öffentliche Proteste Stadtbezirke zusammenlegen, in der Hoffnung, irgendwann eine Mio. Euro zu sparen, lässt das Jugendamt Einnahmen von rund 7,8 Mio. Euro durch die Lappen gehen. „Ein starkes Stück“, kommentiert CDU-Sprecherin Rosemarie Liedschulte.
Es geht um die Erstattung von Kosten, die der Stadt durch Aufnahme und Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen entstanden sind, die ohne Begleitung Erwachsener in der Zentralen Ausländerbehörde ankommen und teilweise in Gemeinschaftsunterkünften einquartiert worden sind. Lässt ihnen das Jugendamt Leistungen zukommen, kann es die Kosten beim Land erstatten. Genau das ist gar nicht oder nur völlig unzureichend geschehen, wie die städtischen Rechnungsprüfer in ihrem Bericht für die Politiker anmerken. Damit seien „erhebliche Einnahmeausfälle für den städtischen Haushalt verbunden“, stellt Jutta Seybusch fest, die Chefin der Rechnungsprüfer.
Mindestens 7,8 Millionen Euro
Auf „mindestens 7,8 Mio. Euro“ sollen sich die offenen Ansprüche der Stadt von Januar 2008 bis Ende Juni 2011 belaufen. Einen Großteil des Geldes wird die Stadt in den Windschreiben müssen. Ernüchternd stellt Seybusch fest: „Dass die insgesamt noch offenen Kostenerstattungsansprüche im vollen Umfang im Nachhinein geltend gemacht werden können, ist ausgeschlossen.“
Wie es soweit kommen konnte, machten die Prüfer an anderer Stelle deutlich: Allein bei einer Stichprobe von 40 Fällen seien Einnahmeverluste von 502 000 Euro entstanden, weil Fristen nicht eingehalten worden sind, das Jugendamt im Rahmen der Inobhutnahme keinen Jugendhilfebedarf festgestellt oder die minderjährigen Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften an der B1, in Schöppingen und Hemer untergebracht hatte. Nur: Die Bundesländer erkennen diese Unterkünfte nicht als „Jugendhilfeeinrichtungen“ an - und weigern sich entsprechend, die Kosten zu erstatten. Anders sähe die Lage aus, wären die Jugendlichen auf Heimplätze verteilt worden. Die aber seien erst in den vergangenen zwei Jahren mit den Jugendhilfeträgern in großer Zahl geschaffen worden, so dass man zurzeit über 220 Unterbringungsmöglichkeiten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge verfüge, hält das Jugendamt dagegen. Unverständlich erscheint den Prüfern, warum die Akteure es aber nicht für nötig hielten, ihre Kollegen aus dem Rechtsamt einzuschalten, um zumindest die Möglichkeit einer Klage auf Rückzahlung der Kosten zu prüfen. „Das Rechtsamt sollte zeitnah eingebunden werden“, mahnt Seybusch.
Personalmangel als Grund
Und die Stellungnahme des Jugendamtes? Die fällt eigentlich aus wie immer: „Zu wenig Personal“, so die Begründung. Von 2007 bis 2010 hätten sich die Fallzahlen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge vervierfacht und seien „explosionsartig gestiegen“. Nur die Personalmenge, die habe sich nicht entsprechend der Fall- und Arbeitssteigerung entwickelt. Die Personalausstattung sei nicht bedarfsgerecht gewesen. Folge: Das Sachgebiet „Ansprüche auf Kostenerstattung“ wurde von November 2009 bis März 2010 überhaupt nicht bearbeitet. Die Schreibtische standen fünf Monate leer.
Personalengpässe als Begründung lässt Rosemarie Lieschulte, jugendpolitische Sprecherin der CDU, nicht gelten. Sie bescheinigt der zuständigen Dezernentin Waltraud Bonekamp „eklatante Versäumnisse und einen grob fahrlässigen Umgang mit Geldern.“ Wenn man sehe, dass die Fallzahlen in kurzer Zeit so eklatant wüchsen, dann müsse man umplanen oder laut nach Personal rufen. „Zur Not hätte sich Frau Bonekamp mit ihrem Dezernat dorthin setzen müssen.“ „Unsere Verwaltung ist auf dem besten Weg, sich selber zu ruinieren“, schüttelt Lars Rettstadt den Kopf, Fraktionschef von FDP/Bürgerliste. „Die Löcher, die der Kämmerer zu flicken versucht, werden an anderer Stelle wieder aufgerissen.“
10:02
einen an der Murmel. Wird mal wieder Zeit für die Aufsichtsbeamten vom Land oder Bund, die den Dezernaten vor Ort auf die Finger schauen.
Egal ob es vergessen, verschlampt oder aus Personalmangel nicht erledigt wurde: Die Vollzeit-Bruttogehälter eine kfm. Angestellten sinken in Dortmund auf unter 1200 EUR und im öffentlichen Dienst nach TV-L wird mind. das doppelte gezahlt und dann passiert sowas bzw. nichts.
17:47
Für das ebenso katastrophale Mitmischen in den ersten Jahren des neuen FZW war anscheinend genügend Jugendamt-Personal übrig.
17:42
Hier sieht es aus meiner Sicht so aus, dass der bequeme Weg gegangen wurde. Um Geld zu kämpfen, setzt Engagement voraus. Warum soll man den Weg gehen? Der blöde Bürger zahlt doch sowieso Steuern und die Schulden interessieren die städtischen Bediensteten ja auch nicht.
Das erinnert an das große Engagement der Behörden im PCB -Fall. Auch dort wurde der bequeme Weg gegangen. Ich gehe davon aus, dass auch dieser Fall keinen personellen Konsequenzen nach sich zieht. Es geht ja nur um ein paar Millionen. Die Stadt hatte damals ja auch nicht gemerkt, dass riesige Summen in den privaten Drogen-Konsum umgeleitet wurden. Und wen interessiert es schon, bei Streiks die Streikenden aufzuschreiben. Das ist doch Arbeit. Dass im Endeffekt im Kindergarten doppelt kassiert wurde (Streikgeld + Lohn), ärgert doch nur den Steuerzahler.