Jürgen Klopp, die Bratwurst und ich - ein Rückblick

Jürgen Klopp mit der legendären Holzwickeder Bratwurst.
Jürgen Klopp mit der legendären Holzwickeder Bratwurst.
Foto: Stefan Reinke
Was wir bereits wissen
Redakteur Stefan Reinke verbindet mit Jürgen Klopp viele schöne Momente rund um den BVB. Die wahren Höhepunkte spielten sich nicht auf dem Platz ab.

Dortmund.. Was hat Borussia Dortmund mit Jürgen Klopp nicht alles erlebt! Titel, Triumphe, am Ende Tränen. Jeder Fan wird an die vergangenen sieben Jahre seine ganz speziellen Erinnerungen haben. Jeder wird noch genau wissen, wo er war, als der BVB 2011 die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht hatte oder als das Tor gegen Malaga fiel.

Klopp-Spezial Doch in diesem persönlichen Rückblick soll es nicht um Titel, Siege und Niederlagen gehen, sondern um meine persönlichen Erinnerungen an den Trainer Jürgen Klopp. Und die werden von drei Dingen maßgeblich geprägt: von Professionalität, einem unwiderstehlichen Lachen - und von Bratwurst.

Video-Interviews mit Jürgen Klopp

Bei meiner ersten beruflichen Begegnung mit Jürgen Klopp war ich "nur" der Typ hinter der Videokamera, während mein Kollege Fragen an den Trainer richtete. Der wiederum gab auf seine bekannt eloquente Art Antworten. Es ging um einen Ausblick auf das erste Spiel der Saison 2009/2010. Allmählich wanderte ein Teil der Berichterstattung über den BVB auch in meine Zuständigkeit und so häuften sich die Begegnungen mit dem Trainer. Ich besuchte die Pressekonferenzen, bei denen es mit der Zeit immer lockerer zuging. Was ich aber dennoch lernte: Klopp mag es nicht, wenn er nach einer Pressekonferenz noch Fragen beantworten soll - denn dazu, so seine Ansicht, sei ja schließlich die Pressekonferenz da. Es ergab sich aber, dass ich das eine oder andere Mal gebeten wurde, nach der PK noch ein Video-Interview mit Klopp zu machen.

Dank des damaligen BVB-Pressesprechers Josef Schneck konnte ich diese Interviews dann auch führen. Man kann viel über Jürgen Klopp sagen, aber nicht, dass er ein Pokerface hätte. Mir stand also ein riesengroßer (er wirkt 2,50 Meter groß) und einigermaßen genervter Trainer gegenüber, während ich meine Kamera aufbaute. Es war vor einem Derby und großes Medienthema war eine Aussage von Kevin Großkreutz darüber, was er mit seinen Kindern machen würde, wenn sie Schalke-Fans würden. "Ich frage nur was zum Spiel", raunte ich Klopp zu, so dass sich seine Miene etwas aufhellte. Ich stellte meine Fragen, und seine Antworten waren schlicht und ergreifend ein Hammer. Mir wurde klar, dass dieser Mann Fußball liebt und lebt und dass er es genießt, darüber zu sprechen und nicht über irgendwelche Themen, die nichts mit dem Geschehen auf dem Rasen zu tun haben. Da sind er und ich uns absolut einig. Die nächsten zwei Interviews dieser Art liefen ähnlich ab.

Jürgen Klopp liebt Bratwurst

Unsere nächste Begegnung folgte nach dem letzten Spieltag der Saison 2009/2010. Borussia trat noch zu einem Freundschaftsspiel in Holzwickede an. Nun muss man wissen, dass die Bratwurst im Montanhydraulikstadion einen legendären Ruf bis weit über die Grenzen Holzwickedes hinaus hat. Und Jürgen Klopp liebt Bratwurst.

Ernährung Ich war vor Ort, um Fotos zu machen. Ich postierte mich neben der Trainerbank und zielte auf Klopp, Buvac und de Beer. Auf einmal winkte mich der Trainer zu sich: "Ich habe gehört die Bratwurst hier soll so gut sein. Wenn du ein richtig geiles Foto machen willst, besorg dem Trainerstab doch mal Bratwurst." Praktischerweise waren in der Nähe einige Angestellte des BVB, an die ich Klopps Wunsch weiterreichen konnte. Sie marschierten los und kamen nach einer Weile mit einem Tablett voller Bratwurstbrötchen und bewaffnet mit Ketchup- und Senfflaschen zur Trainerbank. Mit Genuss biss das Trainerteam in die Würste, ich hatte meine Fotos.

Das herzhafteste Lachen seit Gründung des BVB

Bis wir uns das nächste Mal über den Weg liefen, dauerte es eine Sommerpause lang. Ich begleitete den BVB für ein paar Tage ins Trainingslager im österreichischen Stegersbach. So hart Klopp die Mannschaft schuften ließ, so klasse war es, mit ihm über Fußball zu sprechen. Wobei sich der BVB der Ära Klopp für mich an einem eigentlich ganz banalen Moment in Bestform präsentierte. Nach einem Essen mit Journalisten wollte sich der Trainer mit einem Golfwagen zurück zum Hotel fahren lassen. Das Restaurant, in dem das Essen stattfand, befand sich in einem Tal, das Mannschaftshotel hingegen auf einem Hügel. Eine kurvige Straße mit einigen Abzweigungen führte hoch zum Quartier. Ich hatte fast den gleichen Weg, musste aber zu Fuß gehen, den weißen Golfwagen, der die steile Straße hinauf kurvte, fest im Blick.

Offenbar quälte sich das kleine Fahrzeug dermaßen, dass der Trainer lauthals in Gelächter ausbrach. Verstärkt wurde das noch dadurch, dass der Fahrer des Wagens ständig falsch abbog. Ich beobachtete, wie der Golfwagen immer wieder abbog, drehte, weiterfuhr, abbog, drehte, weiterfuhr - echter Slapstick. Und dazu schallte Klopps Lachen über das schlafende Stegersbach. Ein herzerfrischendes, ehrliches und offenes Lachen, das ich noch zwei Jahre vorher niemals beim BVB für möglich gehalten hätte. Seit 2013 hat man dieses Lachen nur noch selten gehört. Erst jetzt, nachdem Jürgen Klopp seinen Abschlied angekündigt hat, habe ich es hin und wieder in Ansätzen gehört.

Borussia wird Meister - ich verschieße einen Elfmeter

Sportlich lief es in der Saison 2010/2011 wie am Schnürchen. Borussia wurde verdient Deutscher Meister, ich war mittendrin. Doch die Berufsehre verbot es mir, mich wie ein Fanboy an den Trainer ranzuschmeißen und um Fotos oder Autogramme zu bitten. Das ging dann sogar so weit, dass ich beim ersten öffentlichen Training, nachdem feststand, dass der BVB Meister wird, zwar meine Familie mit Jürgen Klopp fotografierte, aber die Gelegenheit sausen ließ, selbst auf das Foto zu kommen - tja, nicht nur die Bayern können Elfmeter verschießen. So verstreichen sieben Jahre, in denen ich Jürgen Klopp beruflich gefolgt bin, ohne Souvenir.

Dann wieder Bratwurst. Kurz vor dem Pokalfinale 2012 eröffnete Borussias Stadionsprecher-Eventmanager-Tausendsassa Nobby Dickel eine Wurstbude in der Dortmunder City. Für Bratwurst-Fan Klopp natürlich ein Pflichttermin. Für mich selbstverständlich auch. Ich war zum Berichten und Fotografieren dort und dachte mir, dass das Wort "Bratwurstjournalismus" noch nie eine solche Berechtigung hatte wie an diesem Tag. Wieder hatte ich einen Bratwurst essenden Trainer vor der Linse. Am Ende wurde Borussia Pokalsieger.

Ein letzter Wunsch: Bratwurst vorm Pokalfinale

Was ich mit der ganzen Nummer hier eigentlich sagen will: Lieber Jürgen, wenn du wirklich noch eine Runde um den Borsigplatz drehen willst, müssen wir vorher unbedingt noch eine Bratwurst essen. Und ich will noch einmal dieses Lachen hören.