Josef und Maria - allein im Kaufhaus
04.12.2007 | 21:37 Uhr 2007-12-04T21:37:32+0100Allein sein. Womöglich ist das an keinem anderen Abend so schwierig wie am 24. Dezember. In Peter Turrinis Stück treffen ausgerechnet "Josef und Maria" aufeinander.
Inszeniert von Mathias Frank für das Schauspiel-Studio - mit Helga Uthmann und Claus Dieter Clausnitzer. Heiligabend. 1991. Maria, die Putzfrau, und Josef vom Wachdienst treffen aufeinander. Im Kaufhaus. "Das Stück ist einerseits ganz einfach", sagt Regisseur Frank. "Zwischen beiden passiert etwas." Er macht eine kurze Pause. "Auf der anderen Seite ist es sehr kompliziert." Denn beide, Maria und Josef, sind allein. Und das hat Spuren hinterlassen, hat sie verhärtet, misstrauisch gemacht. Beide sind "ein wenig von gestern". Sie halten an ihren vertrauten Werten fest - Maria an ihrer Familie, Josef am Sozialismus. Nur: Eigentlich gibt es das, woran sie sich festhalten, nicht mehr. Die Mauer ist gefallen. Die Familie will Maria nicht beim Karpfenessen haben. Die Fassaden bröckeln.
Peter Turrini hat sein Stück, das er 1980 für Österreich schrieb, 1998 aktualisiert. Frank hat es auf Deutschland gemünzt. Und auch wenn die Menschen im Vordergrund stehen - typisch für Turrini - blitzt auch Gesellschaftskritisches durch: Die Frage nach dem Umgang mit alten Menschen, die Frage nach Werten.
Frank aber will kein Mitleid erregen. Bewusst nennen er und Dramaturg Felix Mannheimer das Stück eine Komödie - das seinen bösen Humor aus dem nüchternen Blick auf die Figuren und aus ihren Gegensätzen zieht. Ausstatterin Sabine Erbs lässt die beiden im Personalraum aufeinanderprallen - kalt, ungemütlich, Neonlicht. Die schöne Glitzerwelt des Kaufhauses, die gibt es nur auf dem Überwachungsvideo... (na) Premiere (6.12.) ist ausverkauft. Karten für die Zusatzschau am 26.12. (statt Othello) und 16.01.: Tel: 0231-5027222
0mitdiskutieren