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Interview

Joan Armatrading liebt „das Schreiben – dafür bin ich geboren worden“

15.05.2012 | 18:43 Uhr
Joan Armatrading liebt „das Schreiben – dafür bin ich geboren worden“

Dortmund. Sie ist ein Dauerbrenner im Musikgeschäft, wechselt zwischen Soul, Blues, Jazz oder Rock hin und her. Daran merkt man: Joan Armatrading lässt sich ungern in eine Schublade pressen. Vor wenigen Tagen ist ihr neues Album Starlight erschienen, das sie am 3. Juni beim Strobels Live-Sommer vorstellen wird. Andreas Winkelsträter sprach mit der 61-jährigen Britin.

Auch auf Ihrem neuen Album „Starlight“ machen Sie alles selbst. Schreiben, Arrangieren, Produzieren. Haben sie kein Vertrauen in andere Musiker?

Joan Armatrading: Seit 1986 habe ich meine Alben selbst produziert, war vorher immer in die Produktionen eingebunden. Und seit 2003, also auf den letzten vier Alben, habe ich außerdem alle Instrumente selbst eingespielt, habe das Album arrangiert, abgemischt. Das macht mir auch sehr viel Spaß. Ich mache das, weil ich es kann, nicht weil ich anderen nicht vertraue.

Warum haben Sie sich diesmal dem Jazz verschrieben?

Seit ich Musik komponiere, habe ich immer viele Musikrichtungen auf ein Album gepackt. Ein bisschen Jazz, ein bisschen Soul, Rock, Folk oder auch Blues. 2003 mit dem Album „Lovers Speak“ habe ich mich dazu entschieden, bei einer Richtung auf einem Album zu bleiben. Ich wollte einfach sehen, ob ich das auch wirklich kann.

Niemand hat mir reingeredet

Und Sie lieben die Freiheit, alles selbst zu entscheiden?

Ich hatte das große Glück seit meinem allerersten Album, dass ich machen konnte, was ich wollte. Ich hatte nie eine Plattenfirma, die mir da reingeredet hat. Ich habe da nie Auflagen oder Vorgaben gehabt. Das war 1972 so und so ist es auch heute noch. Nicht jeder Musiker kann von sich sagen, dass er ein solches Privileg genießt. Dabei ist mir auch wichtig, dass ich in der richtigen Stimmung bin, um zu schreiben. Niemand sagt mir: Joan, es ist Zeit! Geh ins Studio!

Wenn man ihre Musik hört, dann gibt es sehr schöne Melodien, aber auch interessante Texte.

Ja, gute Texte, die Sinn machen, sind mir sehr wichtig. Leute sollen eine Verbindung zu dem Song bekommen, nicht nur durch die Musik, sondern auch durch Worte. Es ist für mich von großer Bedeutung, dass die Texte abseits der Musik betrachtet auch einen Sinn machen. Leute sollen durch sie emotional berührt werden. Nicht alle Songs haben Dinge zum Inhalt, die ich selbst erlebt habe. Einige. Aber ich bin eine sehr genaue Beobachterin schreibe gerne in der Ich-Form, um den Leuten einen direkteren Zugang zu Text und Musik zu ermöglichen. Dabei gibt es Themen, zu denen kehre ich immer wieder gerne zurück. Als Beispiel ist der Song „Tell Me“ zu nennen, ein Lied über Freundschaft. Wenn man gute Freunde hat, auf die man bauen kann, wenn man Ärger hat, wenn Du Hilfe brauchst, dann sind gute Freunde da.

Manchmal schreibe ich monatelang nicht

Gibt’s zuerst die Musik?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich stehe nicht auf, setze mich hin und sage: Nun schreibst Du von 9 bis 17 Uhr. Manchmal fällt mir um 9 Uhr eine Melodie ein. Und um fünf Minuten nach 9 höre ich wieder auf. Das ist vollkommen abhängig von meiner Stimmung. Wenn ich nicht in der Stimmung bin, kann ich mich um 9 Uhr hinsetzen und bin um 9 Uhr am nächsten Tag noch nicht fertig. Manchmal schreibe ich wochenlang, manchmal monate lang gar nicht. Da lasse ich mich durch nichts unter Druck setzen. Da bin ich völlig entspannt.

Haben andere Musiker oder Musikerinnen Sie beeinflusst?

Das ist eine sehr schwere Frage. Wissen Sie, Musik ist überall. Ich habe keine Musik eingeladen, weder Jazz noch Blues, zu mir zu kommen. Da lasse ich mich durch das beeinflussen, was ich höre. Ich höre nicht bewusst irgendetwas, um mich davon beeinflussen zu lassen. Als ich Starlight geschrieben habe, was ja durch den Jazz beeinflusst ist, da habe ich mich vorher nicht da hingehockt und alle mögliche Jazzmusik gehört. Ich versuche immer das zu sein, was ich bin. Wenn man Musik von mir hört, dann sollen die Leute sofort wissen: Ach ja, das ist Joan Armatrading.

Ich bin glücklich, dass ich es geschrieben habe

Sie haben Ihre Karriere 1972 gestartet. Gab es Momente, in denen sie ans Aufhören gedacht haben?

Nicht wirklich. Als ich mein zweites Album gemacht habe, da war ich nicht zufrieden mit dem ganzen Prozess. In diesem Moment habe ich darüber nachgedacht, ob ich das wirklich machen will. Das war 1975. Ich liebe das Schreiben. Deshalb bin ich geboren worden. Deshalb bin ich hier. Das ist ein Geschenk. Es ist mein Job, dieses Geschenk auch anzunehmen.

Sie haben eine Menge Lieder veröffentlicht, viele Hits, die zu Klassikern geworden sind. Gibt es ein Lied, das „Ihr“ Lied ist?

Das Lied, das zweifelsohne die größten Einflüsse auf meine Karriere hatte, ist „Love And Affection“. Das hat mich überall auf der Welt bekannt gemacht. Auch wenn „Drop The Pilot“ hier und da noch erfolgreicher war. Das ist für mich ein ganz spezieller Song. Ohne den Song wäre meine Karriere vermutlich ganz anders verlaufen. Und so bin ich sehr glücklich darüber, dass ich ihn geschrieben habe (sie lacht). Und der stammt auch aus dem Jahr 1976, eine verdammt lange Zeit. Und immer noch gibt es den größten Applaus, wenn ich den Song live spiele.

Und deshalb spielen Sie diese beiden Songs auch in Dortmund?

Auf jeden Fall.

INFO

3. Juni, 20 Uhr, Strobels, Strobelallee, Tickets: VVK 29 Euro, AK 36 Euro. www.strobels-dortmund.de

Andreas Winkelsträter



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