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Jedes dritte Kind lebt in Armut

23.10.2012 | 06:00 Uhr
Jedes dritte Kind lebt in Armut
Jedes dritte Kind in Dortmund lebt in Armut - auch wenn die Eltern reich sind.Foto: Getty

Dortmund.  Jedes dritte Kleinkind in Dortmund lebt in Armut. Aber: „Es gibt auch Kinder mit reichen Eltern, die arm sind“.

Jedes dritte Kleinkind in Dortmund lebt in Armut. Die Auswertung der Bertelsmann-Stiftung zeichnet für die Revierstadt ein deutlich schwärzeres Bild als im deutschen Durchschnitt. Die Bemessensgrenze – eine rein finanzielle: Arm ist, wer in einer Familie aufwächst, die auf Grundsicherung angewiesen ist. Der alltägliche Kampf ums Geld färbt ab aufs Kind und dessen Möglichkeiten. Aber: „Es gibt auch Kinder mit reichen Eltern, die arm sind“.

Sagt Antje Eichhorn, Sozialarbeiterin im Sozialbüro des Diakonischen Werkes Dortmund. Und öffnet damit den Blick für die vielen Zimmer der Armut hinter einer Fassade, auf der meistens plakativ „Hartz IV “ steht. Die finanzielle Ausstattung einer Familie – sie bietet ganz andere Möglichkeiten, sicher, schränkt Eichhorn ein. Aber sie sei beileibe nicht der einzige Aspekt von Armut: „Was ist mit Bildung, Zugewandtheit, Zeit?“ Eichhorn: „Kinder, die keinen Halt bekommen, keine Tagesstruktur, die die Defizite der Eltern auffangen müssen“ – die schlicht nicht Kind sein können, auch sie sind arm dran. Denn die Bedürfnisse von Kindern gehen über Nahrung, Obdach, Kleidung weit hinaus.

Dunkelziffer ist höher

Wann aber hat wer einen Einblick in die Lebenswirklichkeit von Kindern, die sich nicht nur im Einkommen der Eltern bemisst? „Ich sehe die Erwachsenen“, sagt Eichhorn. Erwachsene, die mit dem Gang zur Sozialberatung bereits einen ersten Schritt gemacht haben. Hilfe suchen. Den familiären Kontext preisgeben. Eichhorn sieht den dann auch mit den Augen der Kinder. „Und wer hat für die ein Ohr?“

Die Dunkelziffer der armen Kinder, sie ist also deutlich höher. Dabei sind schon die puren Zahlen der finanziell armen Kinder erschreckend. In Dortmund haben allein rund 30.000 Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Leistungen, die ihnen die Ausgrenzung ersparen sollen, in der Schule bei Klassenfahrt, Mittagessen, aber auch in der Freizeit im Sportverein oder der Musikschule.

Rund 25.000 unter 18-Jährige leben in Dortmund in Bedarfsgemeinschaften. Deren Armut fängt oft genug auf dem Teller an.

Von Anja Schröder


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