Jana Hartmann lobt das Lauf-Revier Dortmund

Die 800-Meter-Läuferin Jana Hartmann trainiert im Rombergpark in Dortmund.
Die 800-Meter-Läuferin Jana Hartmann trainiert im Rombergpark in Dortmund.
Foto: Stefan Reinke
Jana Hartmann ist zurzeit Dortmunds bekannteste Leichtathletin. Im Interview schwärmt die mehrfache Deutsche Meisterin über 800 Meter über Dortmund als Laufstadt und erzählt, welches ihre Lieblings-Laufreviere sind und warum sie Finnenbahnen überhaupt nicht mag.

Dortmund.. Wer beim Laufen in Dortmunds Parks und Wäldern die Muße hat, entgegenkommenden Läufern ins Gesicht zu schauen, hat gute Chancen, Dortmunds bekannteste Leichtathletin zu erkennen. Denn obwohl Jana Hartmann normalerweise beim 800-Meter-Lauf ihre Kreise auf der Tartanbahn dreht, trainiert die 31-Jährige mit der Trainingsgruppe von Coach Marcus Hoselmann in der Regel in den selben Laufrevieren, die auch von den zahlreichen Dortmunder Hobby-Läufern bevölkert werden.

Wir haben Jana Hartmann beim Training im Rombergpark besucht, wo sie sich bei Tempoläufen an einer ansteigenden Geraden ziemlich verausgaben musste. Im Interview bewertet Jana Hartmann die Laufstrecken, auf denen sie am häufigsten anzutreffen ist.

Du bist 800-Meter-Läuferin, dennoch sieht man dich oft lange Strecken in Dortmunds Parks laufen. Um die Ausdauer zu stärken?

Jana Hartmann: Ja. Ich mache lange Läufe für die Grundlagenausdauer, aber auch Regenerationsläufe. Wir laufen so zwischen acht und 15 Kilometern.

Was noch?

Jana Hartmann: Schnelle Dauerläufe mit wechselndem Tempo.

Wie schnell läufst du?

Jana Hartmann: Bei einem lockeren Dauerlauf ungefähr 5:15 Minuten (je Kilometer, Anm. d. Red.). Bei schnellen Läufen zwischen 4 und 4:50 Minuten.

Hast du eine Lieblings-Trainingsform?

Jana Hartmann: Was ich total gerne mache, ist 3x400 Meter maximal. Mit langen Pausen, aber man powert sich auch richtig aus. Das ist eher meins.

Und was eher nicht?

Jana Hartmann: 5x1000. Oder eben alles, was Überdistanz ist. Und Bergläufe, die länger sind als 200 Meter sind. Das ist Quälerei.

Apropos Bergläufe: Wo machst du die?

Jana Hartmann: Im Rombergpark. Neben der kleinen Teichrunde gibt es ein paar Berge.

Die reichen?

Jana Hartmann: Ja, das passt gerade so. Da ist so eine lange, ansteigende Gerade, auf der wir trainieren.

Im Rombergpark kann man ja fast alles trainieren…

Jana Hartmann: Ja, dort machen wir 1000er, 2000er, Bergläufe, die kleine Teichrunde. Ich laufe auch gerne auf Phoenix West, aber das ist sehr windanfällig. An der Emscher entlang zum Phoenix See ist es auch schön. Dann der Phoenix See selber, obwohl der auch windanfällig ist. Für Tempoläufe ist der nicht so geeignet. Das sind meine Haupt-Trainingsstätten. Früher war ich auch gerne im Schwerter Wald laufen, weil ich dort in der Nähe gewohnt habe.

Lauf-Reviere unter der Lupe

Gehen wir mal ein paar Lauf-Reviere durch.

- die Bittermark:

Jana Hartmann: Zu bergig! Für ruhige Dauerläufe ist das zu anstrengend, da geht der Puls so hoch. Man kann auch keine Tempoläufe machen, weil es zu viel bergauf geht und der Puls nach oben getrieben wird.

- Rheinischer Esel:

Jana Hartmann: Da haben wir oft Fahrradtouren über 50 Kilometer gemacht. Bis Bochum. Den finde ich ganz gut. Wenn man 15 Kilometer laufen will, wird es allerdings langweilig, weil man die gleiche Strecke wieder zurück laufen muss. Aber der ebene, flache Weg ist für Tempo-Training richtig gut.

- Rombergpark:

Jana Hartmann: Das ist der Park, in dem man fast alles machen kann. Dort machen wir die meisten Tempoläufe. Dann schimpfen die Rentner immer, weil wir so schnell an ihnen vorbeilaufen. Jetzt, zum Winter, wird es aber früh dunkel, da kann man im Rombergpark leider nur auf einer Seite laufen. Ich denke, dass wir dann zum Phoenix See ausweichen werden.

- Phoenix See:

Jana Hartmann: Sehr schön, aber windanfällig und bei schönem Wetter zu voll. Viele verstehen die Trennung in Fuß- und Radweg nicht. Nicht umsonst ist dort der Radunfall mit dem Radfahrer Hans-Peter Durst passiert. Die Leute gehen da wild durcheinander, das sollte noch deutlicher getrennt werden. Viele Spaziergänger blockieren die Fahrspur, auf der ich immer laufe, weil ich für die Fußgängerspur zu schnell bin.

- Bolmke:

Jana Hartmann: Sehr schön. Das ist unsere Einlaufrunde.

Die ist aber auch bergig.

Jana Hartmann: Wir haben da so eine kleine 15-Minuten-Runde, die geht.

Die Bolmke ist bei Joggern berüchtigt, wegen der vielen freilaufenden Hunde.

Jana Hartmann: Ja, da laufen wirklich viele Hunde rum. Das ist gerade bei schnelleren Läufen gefährlich, wenn man plötzlich abbremsen muss. Manchmal muss man sogar ganz stehen bleiben, weil die Hundebesitzer keine Rücksicht nehmen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo ich gebissen werde.

- Die Finnenbahnen:

Jana Hartmann: Auf der Bahn in Berghofen war ich mal, aber die ist viel zu windanfällig und langweilig. Die Finnenbahn an der Bolmke ist mir zu weich. Ich mag es nicht so, wenn man so viel gegenarbeiten muss. Davon bekomme ich Rückenschmerzen. Wir haben da schon Tempoläufe über eine Runde, also 800 Meter, gemacht, aber ich würde nie einen Dauerlauf auf einer Finnenbahn machen. Ich laufe aber generell lieber auf harten Böden, ich bin mehr so der Straßenläufer.

- Stadion Rote Erde, dein Wohnzimmer...

Jana Hartmann: Ja, aber da würde ich nie einen Dauerlauf machen. Ich mache da meine Tempoläufe, dreimal 400 Meter. Aber sonst würde ich da nie mehr als eine Viertelstunde einlaufen, dann will ich nach draußen. Das wird mir sonst zu langweilig.

Aber man läuft ja quasi unter Laborbedingungen auf genau vermessener Strecke.

Jana Hartmann: Dafür habe ich mein GPS. Nee, es gibt nichts Langweiligeres für mich als im Stadion Runden zu drehen. Aber ich sehe beim Training oft Hobby-Sportler, die da ihre Bahnen laufen. UNd wer für die 10.000 Meter trainiert, muss ja auch lernen, auf der Bahn laufen.

- Westfalenpark:

Jana Hartmann: Da muss man Eintritt zahlen – da werde ich ja arm.

- Schwerter Wald:

Jana Hartmann: Ja, da bin ich immer gerne gelaufen. Am Freischütz. Aber da wird es auch ein bisschen bergig, wie in der Bittermark.

Was zeichnet Dortmund generell als Lauf-Revier aus?

Jana Hartmann: Ich hätte nie gedacht, dass Dortmund so grün ist. Ich habe immer gelernt, dass das Ruhrgebiet ganz anders ist. Von den Wäldern und Parks bin ich begeistert. Die Bedingungen mit der Leichtathletikhalle und den Krafträumen sind auch gut fürs Wintertraining. Auch wenn die Räume nicht gerade in gutem Zustand sind. Wenn man sich die Liste mit den Lauf-Revieren ansieht, ist das schon sehr ordentlich. In Dresden, wo ich herkomme, sind die Parks viel weiter auseinander. Hier kann man komplett im Grünen laufen. Landschaftlich ist es auch sehr schön.

Wie reagieren die Dortmunder auf Läufer?

Jana Hartmann: Wenn ich im Park laufe, höre ich schon mal, wie ältere Leute sagen: „Oh, die ist aber schnell.“ Ärgerlich ist es immer, wenn Leute nicht aufpassen. Die positiven Erfahrungen überwiegen aber.

Wenn ich laufe und jemanden sehe, dann grüße ich. Es gibt zwar viele muffelige Läufer, aber die meisten grüßen auch. Ich finde, das gehört dazu. Es gibt ja viele Laufgruppen und Lauftreffs hier in der Stadt. Ich staune auch immer, wie viele Leute hier zu den unmöglichsten Zeiten laufen. Oft würde ich gerne stehen bleiben und ein paar Tipps geben, weil manche doch schon deutliche Fehler machen. Aber man weiß ja nicht, wie die Leute so reagieren. Ich will das auch keinem vermiesen, denn das Wichtigste ist, dass die Leute überhaupt laufen.

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