Ist die Ostwall-Sammlung im U-Turm nicht sicher?
06.10.2010 | 16:45 Uhr 2010-10-06T16:45:00+0200
Dortmund.Am kommenden Wochenende soll das Ostwall-Museum in seinem neuen Domizil öffnen – dem U-Turm. Aber die Debatte über Sicherheitsmängel reißt nicht ab. Zudem ist das Personal wegen Bezahlung und Arbeitszeiten verstimmt.
Hartnäckig halten sich Spekulationen, die Sicherheitstechnik für das neue Ostwall-Museum im U-Turm sei noch nicht voll funktionstüchtig. Was so falsch auch nicht sein kann. Immerhin hat die Stadtspitze angeordnet, dass die etwa zwei Dutzend Servicekräfte, die die Stadt im U-Turm beschäftigt, um Besucher zu beraten und ein Auge auf die teuren Ausstellungsstücke zu haben, längstens bis Ende November mehr Stunden leisten müssen als bei der Einstellung mit ihnen vereinbart worden war.
Für den Personalrat der Stadtverwaltung Grund genug, Alarm zu schlagen. In einem Schreiben, das Ende letzter Woche u.a. an OB Ullrich Sierau und Kulturdezernent Jörg Stüdemann ging und inzwischen auch unserer Zeitung vorliegt, heißt es wörtlich: „Vor dem Hintergrund unzureichender Personalkapazitäten und einem sich aktuell als unzureichend darstellenden Sicherheitskonzept ist zu klären, wer im Falle eines Sicherheits- oder Schadensfalls die Verantwortung für gegebenenfalls erhebliche Vermögensschäden trägt.“
Alleinerziehende Mütter sollen Nachtschicht schieben
Vorsorglich baut sich die Arbeitnehmervertretung schützend vor den Servicekräften auf. Erst stelle sich heraus, dass die rekrutierten Kräfte nicht so bezahlt werden, wie in den Stellenausschreibungen versprochen. Und nun mute man dem „derart getäuschten Personal“ obendrein auch noch die Übernahme von nächtlichen Wachdiensttätigkeiten zu. Einhergehend mit Mehrarbeit und Überstunden selbst für alleinstehende, teilzeitarbeitende Mütter. „Das entbehrt jeglicher sozialer Kompetenz“, begründet Vorstandsmitglied Jörg Markau, warum der Personalrat das Vorgehen der Stadtspitze blockiert.
Reaktion der Verwaltungsspitze: bisher gleich Null. Angeblich soll (und kann) nun doch der private Wachdienst, der schon am U-Turm tätig ist, personell aufrüsten.
Informationen über Sicherheitsdefizite müssen auch den Grünen im Rathaus vorliegen. Sie beugen möglicher Legendenbildung vor und betonen: „Wir sind jedenfalls nicht diejenigen, die politischen Druck ausüben und Einwände des Museumsdirektors in den Wind schlagen.“ Auch von den anderen Ratsfraktionen sei „keinerlei Druck auf Herrn Wettengel ausgeübt worden, den Eröffnungstermin zu halten“, versichert Grünen-Ratsherr Jürgen Brunsing. „Uns ist der Schutz der Exponate wichtiger als eine repräsentative Eröffnung.“
Was Kulturdezernent Jörg Stüdemann nach eigenem Bekunden nicht anders einschätzt. Weil die Bedenken, die ihm Museumsdirektor Prof. Kurt Wettengel schon vor Wochen schriftlich vorgetragen hatte, zu dem Zeitpunkt zum Teil noch nicht zu entkräften waren, habe man die Eröffnungsfeier, die seinerzeit noch für das letzte Septemberwochenende geplant war, auf das kommende Wochenende verschoben.
Maßstab aller Dinge in Sicherheitsfragen ist für Stüdemann das Ingenieurbüro, das im Auftrag des Versicherers der Sammlung arbeitet. An dessen Beurteilung habe sich inzwischen auch die Provinzial als Feuerversicherer angekoppelt. Das Büro habe inzwischen alle Testate ausgestellt, die für den vollen Versicherungsschutz nötig seien, versicherte Stüdemann der WAZ am Mittwoch. „Ansonsten hätte ich doch kein einziges Exponat in den U-Turm schaffen lassen!“ Die Sprinkleranlage sei befüllt und funktionsfähig – die Alarmsignale liefen bei der Polizei auf.
11:52
Laßt Euch doch einfach etwas mehr Zeit und setzt Euch selbst nicht immer unter Druck
13:21
Liebe Redaktion,
für den Leser/die Leserin wäre es gut, wenn Sie recherchieren könnten, wie hoch die Differenz der Bezahlung ist.
Im Übrigen ist es mir unverständlich, dass eine solche Differenz nicht eingeklagt werden kann.
12:00
Aus dem Bereich der Feuerwehr war gerüchteweise zu hören, daß die Brandmeldetechnik und auch die Sprinkleranlage nur mit etlichen Provisorien behelfsmäßig funktionstüchtig seien und sogenannten Kompensationen zur Abdeckung der Sicherheitsdefizite getroffen werden müssten. Vermutlich sind das die zusätzlichen Nachtwächterdienststunden, die im Dortmunder U nun geleistet werden müssen.
Auch sei die Luftfeuchte angeblich immer noch stark schwankend und teilweise viel zu hoch. Das soll mit dem Aussenklima (Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchte) zusammenhängen. In vergleichbaren Museen (Düsseldorf) hat man bis zu einem Jahr nach Fertigstellung mit der Installation der Kunstobjekte gewartet, bis sich ein stabiles Raumklima etabliert hatte. In Dortmund geht das alles in wenigen Wochen?
Es scheint so, daß aus Angst vor einem Gesichtsverlust im Jahr der Kulturhaupstadt 2010 von den Verantwortlichen jede Mahnung der Experten nicht gehört wird, ein hohes Risiko wissentlich in Kauf genommen wird und die Verantwortung gegen viel Geld durch Gutachten auf private Ingenieurbüros verlagert werden soll. Hatte nicht auch in Duisburg der Privatgutachter Prof. Schreckenberg für 20 000 Euro in einem Gutachten bestätigt, daß der Tunnel keine Gefahr darstellen würde?
Das Unglaubliche - sehr viele wissen darum aber keiner tut etwas! Wenn dieses Denken und Handeln endgültig in Politik und Verwaltung etabliert wird, dann kann sich dieser Staat von den Bürgern nur noch abwracken lassen - wie weiland vor 21 Jahren die DDR.
11:19
@ es reicht:
Ach?
Die *schlanke Verwaltung* und Einsparungen beim Personal waren nicht vom steuerzahlenden, wahlmü(n)d(ig)en Bürger gewollt?
06:54
schützend vor den Servicekräften auf. Erst stelle sich heraus, dass die rekrutierten Kräfte nicht so bezahlt werden, wie in den Stellenausschreibungen versprochen.
Wer sackt sich die Differenz ein Arbeitsamt;Zeitarbeit? aber egal Hauptsache niedrig muss der Lohn sein