IS-Terroristen nutzen Technik von Dortmunder Neonazis

Eine Fahne der IS-Terroristen in der Nähe der syrischen Stadt Kobane: In ihrem Online-Magazin „Dabiq“ ruft die Terror-Miliz Islamisten zu Anschlägen in Europa auf.
Eine Fahne der IS-Terroristen in der Nähe der syrischen Stadt Kobane: In ihrem Online-Magazin „Dabiq“ ruft die Terror-Miliz Islamisten zu Anschlägen in Europa auf.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Der Internet-Dienst „0x300“ wird offenbar auch von der islamischen Terrormiliz genutzt. Anbieter der Technik ist der Dortmunder Rechtsextremist Dennis Giemsch, der Server steht in den USA. Das NRW-Innenministerium sieht keine Anhaltspunkte für eine bewusste Zusammenarbeit zwischen „IS“ und Nazis.

Dortmund.. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nutzt für seine Kommunikation offenbar einen Internet-Dienst, der von Neonazis aus dem Ruhrgebiet in den USA betrieben wird. Wie das ARD-Magazin „Panorama“ berichtet, rät der IS in seiner Internet-Zeitschrift „Dabiq“ dazu, eine bestimmte Mail-Adresse zu verwenden, um den Kontakt mit dem „Al-Hayat-MediaCenter“ der Terrormiliz herstellen zu können.

Diese Mail-Adresse ist dem Internetdienst „0x300“ zuzuordnen. Und hinter diesem Dienst steht Dennis Giemsch -- jener Dortmunder Neonazi, der gerade eine Anfrage im Dortmunder Stadtparlament gestellt hatte, die Verwaltung möge jüdische Bürger zählen. Auf einer Neonazi-Internet-Seite hat Ratsmitglied Giemsch seine Anfrage, die bundesweit Abscheu und Entsetzen hervorrief, einen „bewussten Tabubruch“ genannt. Dieser sei gelungen, weil viele Medien darüber berichtet hätten.

Wie das NRW-Innenministerium Donnerstag dieser Zeitung bestätigte, gilt Giemsch als der Urheber von „0x300“, einem geheimen Mail-Postfach, das auch von Islamisten genutzt wird. Der Server dazu steht in den USA, weil dort das Verbreiten von Nazi-Symbolen und -Inhalten möglich ist. „Es handelt sich vor allem um ein Angebot für deutsche Rechtsextremisten“, so ein Sprecher des Ministeriums. Beobachter sprechen von zigtausenden Mails, die von deutschen Neonazis über „0x300“ verbreitet worden sein sollen.

Angebot gilt in Szene als sicher

Laut „Panorama“ gilt dieses Kommunikations-Angebot in der rechten Szene als besonders sicher. Deutsche Behörden hätten keinen Einblick. Der Kopf dahinter, Dennis Giemsch (29), Informatik-Experte und NRW-Vorsitzender der Neonazi-Partei „Die Rechte“, soll in der Vergangenheit weitere anonyme Internet-Dienste gegründet und betrieben haben. Giemsch war Anführer des mittlerweile verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“ (NWDO). Er gilt als intelligent und gut vernetzt.

Rechtsradikale Neben „0x300“ gibt es eine Vielzahl weiterer Online-Angebote für Nutzer, die sich lieber im Geheimen austauschen. Populär in rechten Kreisen ist zum Beispiel der Online-Tagebuch-Dienst „Logr“, der zunächst neutral „zensurfreie“ Kommunikation und „Meinungsfreiheit“ anbietet, aber vor allem die Verbreitung von Nazi-Gedankengut erleichtern soll.

Von einer bewussten Zusammenarbeit oder gar von einem Bündnis zwischen Islamisten und Neonazis ist nicht auszugehen. „Die Rechte“ hatte bei den Aufmärchen „Hooligans gegen Salafisten“ mitgemacht. Die Partei soll den IS als „vom Westen aufgebaute und durch den israelischen Geheimdienst Mossad mitgegründete Islamistenterrorgruppe“ bezeichnet haben. „Eine Allianz ist da nicht zu erkennen“, erklärte das NRW-Innenministerium gestern. Offenbar halte der Anbieter nicht nach, wer sich über ihn eine verschlüsselte Mail-Adresse besorgt.

Heroische Posen und blutige Körper

Warum der „Islamische Staat“ ausgerechnet über dieses Mail-Postfach die Kontaktaufnahme mit seinem Mediencenter empfiehlt, ist nicht bekannt. In seinem Online-Magazin „Dabiq“ ruft der IS Islamisten zu Anschlägen in Europa auf. Die Kampfzeitschrift erschien im August erstmals in deutscher Sprache. In ihr fordern die Terroristen „Ärzte, Ingenieure, Richter und Spezialisten mit militärischen Sachkenntnissen“ auf, sich dem „Dschihad“ anzuschließen. Bebildert wird das Propagandablatt mit heroischen Posen muslimischer Kämpfer und blutigen Körpern. „Dabiq“ ist ein Ort in Syrien, an dem, wie es heißt, der Endkampf zwischen Muslimen und ihren Feinden ausgetragen werden soll.