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PCB-Skandal

Investor stößt Envio-Aktien ab

05.05.2010 | 20:09 Uhr
Investor stößt Envio-Aktien ab

Dortmund. Der Finanzinvestor Murphy & Spitz hat seine Anteile an der Envio AG verkauft. Analysten des Hauses raten Investoren, die Envio-Aktie bis auf Weiteres nicht anzufassen. Der Grund: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Firma Verursacher des PCB-Skandals im Dortmunder Hafen ist.”

Das Finanzhaus mit Sitz in Bonn hat eine mögliche Verstrickung der Envio AG in den PCB-Skandal recherchiert. Eine Erkenntnis: „Zwei andere Firmen stehen im Hauptverdacht, die Envio AG nicht”, so Nicole Vormann, Research-Leiterin bei Murphy & Spitz. Sie wollte wissen, ob der Entsorger und Verwerter PCB-haltiger Trafos gänzlich unbeteiligt an den hohen Giftwerten ist. Envio aber habe abgeblockt.

Messergebnisse verweigert

Erst am Telefon, dann auch bei einem Besuch. Nach einer Werksbesichtigung hätten die Verantwortlichen behauptet, die Schadstoffkonzentrationen lägen im gesetzlichen Bereich. Zahlen kamen nicht auf den Tisch. „Die Envio AG verweigert uns die Mitteilung über die konkreten Messergebnisse. Ein klarer Verstoß gegen Transparenzrichtlinien mit dem nicht nachvollziehbaren Hinweis auf Betriebsgeheimnisse.” So steht es in dem 14-seitigen Untersuchungsbericht von Murphy & Spitz, der unserer Zeitung vorliegt.

Weitere Fragen blieben offen. Etwa warum – trotz Unterdruck und Abluftreinigung durch Kohlefilter – beim Säubern der verseuchten Trafos die Hallentüren geöffnet blieben. „Einzig nachvollziehbarer Grund: mit Durchzug die Schadstoffkonzentration zu verdünnen. Dies würde Sinn ergeben, wenn man nahe am Grenzwert arbeitet”, folgert Murphy & Spitz, fragte Grenzwert, Maximalwerte, den Durchschnittswert der Abluft und die Emissionserklärung an – vergeblich.

"Betriebsgeheimnisse"

Auch dies seien „Betriebsgeheimnisse”, nichts für die Öffentlichkeit, so Envio. Nur soviel: Alles bleibe „deutlich unter dem Grenzwert”. Warum Envio dann die zweite Abluftreinigung baue, wenn doch die erste alle Richtwerte garantiere? Dem sei der Entsorger ausgewichen.

Die Daten seien „als vertraulich klassifiziert”, erklärte Envio-Sprecherin Claudia Weirich auf Anfrage – „Betriebsgeheimnisse”, vor Mitbewerbern zu schützen. Man wolle auch nicht „einem einzelnen Investor Insiderinformationen” liefern.

Darum gehe es nicht, kontert M&S-Research-Chefin Vormann. Solche Auskünfte seien in Aktionärs- und Investorenkreisen obligatorisch. Eine Verschwiegenheitserklärung sichere die Vertraulichkeit üblicherweise ab.

Mangelnde Transparenz

„Abgaswerte zu Betriebsgeheimnissen zu erklären, zeugt von mangelndem Transparenzwillen. Geheimniskrämerei gehört nicht an den Kapitalmarkt”, betont M&S-Geschäftsführer Philipp Spitz. Sein Fazit: schlechte Öffentlichkeitsarbeit, keine aktive Aufklärung, erhebliches Reputationsrisiko für Anleger. „Wir gucken uns das Spiel jetzt von der Seitenauslinie an.”

Klaus Brandt

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Kommentare
06.05.2010
21:05
Investor stößt Envio-Aktien ab
von LINKEWEGRECHTEWEG | #3

Da hat wohl einer einen Tipp bekommen um die Aktien noch gut Verkauft bekommen zu haben . ;)

Keine 24 Std später stürzt die Aktie ab .

06.05.2010
01:20
Investor stößt Envio-Aktien ab
von auch-dortmunder | #2

Und überhaupt! Wohl kaum jemand hier in der Norstadt interessiert sich für Envio und schon garnicht für eventuelle Investoren dort. Für die Luft aber schon eher. Und für die Gesundheit der Kinder. Wäre das nicht mal was für einen echten Bürgermeister ? Oder ist das zu schmuddelig für einen Verwaltungschef . Ok, dann soll er sich auch nur so nennen. Aber gut, daß Dortmunds Freunde in Arnsberg was machen! :-)

06.05.2010
00:56
Investor stößt Envio-Aktien ab
von auch-dortmunder | #1

Sehr geehrter Herr Brandt! Schön unerfreulich, mal wieder was über dieses Thema hier zu erfahren... Weniger die Aktien, als vielmehr die Messwerte interessieren die Menschen hier. Und warum denn immer nur der Park? In den angrenzenden Wohngbieten, einer dichtbesiedelten Gegend... 500 meter vom Park entfernt spielen auch Kinder. Ist da eigentlich schonmal gemessen worden? Und was ist der Stand der Dinge? Vielleicht kann Ihre Zeitung das ja mal herrausfinden. Mich würde es noch nichtmal wundern, wenn dieser Stadt die Gewerbesteuereinahmen wichtiger wären, als eine gesunde Luft in der Nordstadt. Und wen interssiert der Grünkohl von 200 Kleingärtnern in der Hafenwiese... hier leben doch tausende in der nähe des Parks.

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