Interseroh hat „keine Erklärung“ für PCB-Staub
15.09.2010 | 20:01 Uhr 2010-09-15T20:01:00+0200
Dortmund.Mit großem Aufgebot und demonstrativ höflicher Offenheit trat die Interseroh NRW GmbH gestern dem Eindruck entgegen, sie könne etwas mit dem Giftskandal im Hafen zu tun haben. Die Botschaft: „Wir haben eine weiße Weste.“
Die Einladung – telefonisch aus Berlin. Der Unternehmenssprecher – eingeflogen aus München. Dazu zwei Geschäftsführer, der Niederlassungschef, der Emissionsschutzbeauftragte, der Produktions- und Betriebsleiter. Ein Riesenaufschlag für ein Problem, von dem die Firma „völlig überraschend getroffen wurde“, wie Geschäftsführer Bernd Ott sagt. Die jüngsten Staubmessungen des Landesumweltamtes lassen den Schluss zu, dass giftiger Dreck vom Interseroh-Gelände wehen könnte. „Ein Thema, an dem sehr viel hängt“, weiß Ott und gibt alles, um Zweifel an der Sauberkeit des Betriebes zu zerstreuen.
Alba und Interseroh bilden zusammen die zwei eigenständigen Säulen der Alba Group.
Die Alba Group ist mit einem jährlichen Umsatzvolumen von über 2,2 Milliarden Euro und rund 9000 Mitarbeitern in 140 Unternehmen an über 200 Standorten in Deutschland und weiteren zehn europäischen Ländern, sowie in Asien und den USA aktiv – einer der führenden europäischen Umweltdienstleister und Rohstoffanbieter.
Die Interseroh NRW GmbH beschäftigt in Dortmund rund 80 Mitarbeiter.
„Alles nicht giftig“
Auf zum Rundgang über das Gelände – „aber erst die Helme aufsetzen!“ Sicherheit sei schließlich alles. Das Areal: eigentlich ein gigantischer Schrotthaufen, allerdings in viele kleine unterteilt. Bleche blinken in der Sonne. „Hier liegt der Edelstahl, weiter hinten die Eisenstoffe“, erklärt Ott. Links häufen sich ganze Autofelgen, rechts stapeln sich Pkw, platt wie Sardinendosen. „Alles unbedenklich, alles nicht giftig“, beruhigt der Geschäftsführer.
Er legt Zahlen auf den Tisch: Ergebnisse interner Fegeproben, die Interseroh veranlasst hatte. „Die zulässigen Grenzwerte wurden auf unserem Gelände in keinem einzigen Fall überschritten. Keine einzige Messprobe ist auffällig“, sagt Ott. Dass ihn dies weder be- noch entlastet, weiß er selbst. Denn es geht nicht um Giftwerte auf dem Interseroh-Gelände, sondern um solche auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Dort steht ein Behälter, in dem sich der Juli-Staub sammelte. Und darin fand sich mehr PCB als zu Zeiten, in denen Envio noch lief. Das heißt noch lange nicht, dass der Schrottriese eine Giftschleuder ist. Doch der Verdacht wiegt schwer genug.
„Wir haben dafür keine Erklärung“, heißt es. Ansätze werden händeringend gesucht. „Allenfalls könnten die extrem heißen Temperaturen im Juli das Staubaufkommen haben ansteigen lassen.“ Mit mehr Staub sammle sich auch mehr PCB im Behälter. „Aber unser Staubaufkommen ist rückläufig.“ Das alles sei nicht nachvollziehbar.
Wasser marsch!
Die Schrottschere dröhnt. Sie schneidet knüppeldicke Bleche in dünne Teilchen. Vorher wird das Material abgespritzt. Wasserfontänen sind im Einsatz. „Schon vor dem Schreddern wird das Material befeuchtet, auch während des Vorgangs und hinterher“, erklärt Ott. Läuft das Wasser immer? „Bei der Anlieferung nicht. Und bei Regen auch nicht. Sonst immer.“ Auf Nachfrage wird klar: Im Juli lief die Berieselungsanlage noch nicht. „Erst seit ein paar Wochen ist sie im Einsatz.“
Noch neuer ist die Kehrmaschine, die um die Ecke biegt. „Bestellt ist sie nicht“, beteuert Ott. Der Wagen schrubbt Staub von den Fahrstraßen, ehe er verwirbeln kann. Und es gibt einige Straßen auf dem 80 000 qm großen Platz.
Sicht- und Radioaktivitätskontrolle
Stopp am Autofriedhof. „Alles nicht giftig. Benzin würde man riechen“, beteuert Ott. „Hier, der Auspuff ist abgesägt. Katalysatoren dürfen wir nicht lagern.“ Die Arbeiter im Blaumann werden mit Handschlag und netten Worten begrüßt. Alle tragen Helm. „Hier und da beschäftigen wir auch Leiharbeitskräfte, aber in ganz geringem Umfang“, heißt es auf Nachfrage.
Sämtliches Material werde zweigleisig kontrolliert. „Fünf erfahrene Schrottabnehmer“ wachen über die Anlieferungen. Alles müsse zudem durch die Radioaktivitätsmessung. „Alles sicher, alles geprüft.“
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