In Dortmunds Traditionsbrauerei Bergmann gärt es wieder
23.04.2010 | 15:17 Uhr 2010-04-23T15:17:00+0200
Dortmund. Mehr aus Jux erwarb der Dortmunder Biologe Thomas Raphael vor einigen Jahren die Markenrechte am "Dortmunder Bergmann Bier". Doch aus einer Bierlaune wurde ernst, nun nimmt seine Brauerei im Hafen den Betrieb auf.
In einer Biermetropole wie Dortmund mag der heutige „Tag des Bieres” einst in der Bedeutung irgendwo zwischen Karfreitag und 1. Mai gelegen haben. Kronen, Ritter, Union oder Thier – diese Namen sind Stadtgeschichte, auch wenn sie heute eigentlich alle aus dem gleichen Kessel kommen und zu Radeberger (Dr. Oetker) gehören. Doch Bier kommt in Dortmund nicht nur aus der Actien-Brauerei. Thomas Raphael hat die alte Traditionsmarke „Bergmann Bier” wiederbelebt und seine eigene Brauerei eröffnet.
Manch einer wird den Namen noch kennen. Aus Rahm kam das Bergmann Bier, dort stand die 1796 gegründete Familienbrauerei. Doch 1972, inzwischen hatte die Ritter-Brauerei die Bergmänner geschluckt, wurde die Braustätte abgerissen und bald verschwand das Bier vom Markt.
Markenrechte waren erloschen
Beim Stöbern in einer Markendatenbank stieß der Dortmunder Biologe Raphael 2005 auf den Namen. „Und auch nur, weil ich seit Jahren einen alten Krug mit dem Bergmann-Logo im Schrank stehen hatte”, erinnert er sich. Die Union-Brauerei hatte irgendwann ihre Rechte an „Bergmann” erlöschen lassen und so sicherte sich Raphael die Marke in einer Bierlaune für 300 Euro. „Eigentlich wollte ich mir nur das Patent über den Schreibtisch hängen”, gesteht er schmunzelnd.
Statt dessen wurde er Brauereidirektor. „Wenn ich schon den Namen habe, warum braue ich nicht einfach auch Bier”, sagte sich der Biologe damals und machte sich mit seinem Freund Heribert Prigge, der sich ums Geschäft kümmert, an die Arbeit.
Die alten Brauer halfen bei der Rezeptur
Leichter gesagt als getan. Die alte Bergmann-Braustätte war längst weg, authentische Rezepte auch nicht mehr zu bekommen. Aber die ehemaligen Mitarbeiter von Bergmann, die gab's noch. Und mit denen begab sich Raphael auf eine Suche nach dem alten Geschmack. Eine Versuchs-Charge nach der anderen wurde gebraut, irgendwann bestätigten die alten Bergmänner: „So schmeckte unser Bier.”
Nachdem der neue Gerstensaft seit 2007 bei der Firma Vormann in Hagen-Dahl hergestellt wurde, kehrt er nun endgültig nach Dortmund zurück. Im letzten Jahr mietete Raphael eine alte Gießerei an der Schäferstraße im Hafen und baute das Gebäude zur Brauerei um. Schrotmühle, Sudkessel – alles da, was der Biermacher braucht. Zwar steht noch die Betriebsgenehmigung der Stadt aus, aber in einem Monat soll die Produktion endgültig aus Hagen überwechseln und voll anlaufen.
Nebenberuf und Berufung
Und auch wenn die nicht die Dimensionen der Industrie-Brauerei an der Steigerstraße erreicht – stolze 150000 Liter pro Jahr schafft auch Thomas Raphael mittlerweile. Eine reife Leistung, denn „nebenbei” arbeiten Raphael und seine Mitstreiter in ihren normalen Berufen. In der Brauerei helfen die Haudegen der alten Bergmann-Brauerei, im Kiosk arbeitet der eigene Sohn, Umbauten und Planungen machen Freunde, die auch an der Finanzierung beteiligt sind.
Trotzdem: Im Dortmunder Getränkehandel ist Raphaels Bier etabliert, das Interesse der Gastronomie wächst und der eigene Kiosk am Hohen Wall ist fast eine Art Fanshop, in dem man neben Kästen auch Bergmann-Gläser bekommen kann, selbst das typische Dortmunder Stößchen. Nicht schlecht für eine „Bierlaune”.
Und wer sich die Brauerei einmal anschauen möchte: Von 14 bis 20 Uhr laden die Bergmänner heute zum Tag der offenen Tür in die Brau-Halle an der Schäferstraße. Der Zugang liegt etwas versteckt zwischen den Bahngleisen und der Reklamefabrik an der Schäferstraße.
09:13
Hurra, dann steht ja bald endlich Dortmunder Bergmann Bier auf den Flaschen.
Weiter so, Herr Raphael! Tolles Hobby, von dem wir alle profitieren :- Ich werds heute wohl nicht schaffen zur Besichtigung, aber das wird ja wohl nicht der letzte Tag der offenen Tür gewesen sein, oder? ...Dann mal Grüße aus dem Kreuzviertel und Prost.