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Erziehung

In Dortmunder Kindertagesstätten ist "Not am Manne"

13.11.2012 | 19:00 Uhr
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In Dortmunder Kindertagesstätten ist "Not am Manne"
Kai Nonn ist stellvertretender Leiter bei den „Zwergnasen“ am NordmarktFoto: Knut Vahlensieck

Dortmund.  Erziehung ist auch Männersache — da sind sich Männer und Frauen einig. Aber in Dortmunds Kindertagesstätten ist trotzdem "Not am Manne". Warum ist das so? Und was kann die Branche dafür tun, dass sich mehr Männer für den Beruf "Erzieher" entscheiden?

Erziehung ist auch Männersache. Finden Letztere durchaus. Aber da, wo Erziehung beginnt, in den Kindertagesstätten, ist Not am Manne. Der Männeranteil am Fachpersonal beträgt hier im Bundesdurchschnitt gerade mal drei Prozent. Verdienstmöglichkeiten und Image sind zwei Hürden, die die meisten Männer abschrecken.

Bei seinem ersten Praktikum im Kindergarten hatte der Zufall noch ein wenig nachgeholfen. Diesmal hat Kieron Kirch sich ganz bewusst für die Arbeit bei „Zwergnase“, dem Elterninitiav-Kindergarten in der Nordstadt, entschieden – und der 17-Jährige pfeift dabei auf die Meinung seiner Schulkollegen von der Hauptschule Scharnhorst. „Ich arbeite gern mit Kindern“, hat er festgestellt – schließlich ist er auch zu Hause der „große Bruder“ von fünf Geschwistern. Hier hat die Initiative der Bundesagentur für Arbeit, die sich zusammen mit der AWO Dortmund für „mehr Männer in Kitas “ stark macht, gefruchtet: Kieron Kirch will sich im nächsten Jahr für die Ausbildung zum Erzieher am Berufskolleg anmelden.

Gängige Rollenklischees

Trotz aller Unkenrufe. Und trotz des gängigen Rollenklischees, das in Kitas und Grundschulen eher auf „-innen“ setzt, eben die Kindergärtnerinnen oder die Lehrerinnen. Kai Nonn, stellvertretender Leiter der Ein-Gruppen-Einrichtung am Nordmarkt, nickt. „Ich konnte mir das leisten“, sagt er – weil er ein umgekehrtes Rollenbild lebt. Seine Frau ist die Hauptverdienerin. Deshalb sei es für ihn in Ordnung gewesen, als er wegen der familienunfreundlichen Schichtdienste aus seinem eigentlichen Berufsbild als Jugend- und Heimerzieher auf die Ministühle im Kindergarten gewechselt war.

Ansonsten: „Ist man mit einem Einstiegsgehalt von 1200 Euro netto knapp über Hartz IV “ – wenn man sich als Familienernährer mit Kindern rechnen würde. Dass der Mann im Kindergarten nach wie vor eine Sonderrolle einnimmt? Schon in seiner Zeit im Sonderkindergarten sei er der einzige männliche Erzieher unter 18 Frauen gewesen. „Da stand ich außen vor“ – vor allem auch beim Gezanke untereinander, nachgefragt immer dann, wenn es um Muskelkraft ging...

Viele alleinerziehende Mütter

„Die Erwartungshaltung ist eine andere“, gibt es für die Männer, die den Schritt gehen, meist sogar einen Bonus in Sachen Anerkennung obendrauf. Und dass ein Mann nicht nur Autorität ist, sondern gleichberechtigt den Tisch abwischt, spült, die Kinder wickelt, das sei, findet Nonn, auch ein Teil des Erziehungsprogramms. Vorbildfunktion sozusagen, für etwas, was die Kinder von zuhause nicht kennen. „Wir haben hier viele alleinerziehende Mütter und muslimische Familien“, sagt Nonn.

Dass die Ansprüche an den Beruf steigen, erst recht in Problemvierteln? Viele Kinder, die kommen, sagt Nonn, hinken der Entwicklung ein Jahr hinterher. Sind beispielsweise mit drei Jahren noch Pamperskinder. Oder sprechen kein Deutsch. Wobei, schränkt Nonn ein: „Der Sprachstand der deutschen Kinder ist nicht viel besser“. Sprachförderbedarf hier: rund 70 Prozent. Die 25 Kinder kommen aus sechs Nationen.

Gerade deshalb, unterstreicht auch Stefan Steinkühler, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Dortmund und u.a. für die Berufsberatung zuständig, müsse man Perspektiven und Beschäftigung schaffen. „Wir müssen auf Bildung setzen“. Und angesichts der demografischen Entwicklung, darauf hinarbeiten, dass Erziehung tatsächlich auch Männersache ist.

Anja Schröder

Kommentare
14.11.2012
08:22
In Kitas ist Not am Manne
von Diplomhartzer | #1

Männer werden im Kindergarten von all den Tanten als Eindringlinge wahrgenommen. Da hat keiner Bock drauf. In der Heimerziehung ist das anders.

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