In Dortmund werden jährlich 170.000 Temposünder erwischt
30.11.2011 | 18:05 Uhr 2011-11-30T18:05:00+0100
Dortmund. Überhöhte Geschwindigkeit ist in NRW Unfallursache Nummer eins. Mit regelmäßigen Kontrollen will die Polizei das Geschwindigkeitsniveau senken. Auch in Dortmund werden jährlich 170.000 Menschen geblitzt. Abzocke – oder doch sinnvoll? Wir haben die Polizei bei Kontrollen begleitet.
Blitzen ist Abzocke. Die reine Geldmacherei. Ist die Stadt pleite, wird fleißig geblitzt, um die Stadtkasse wieder aufzufüllen. Jeder hat sich das schon mal gedacht, und gute Argumente dagegen zu finden, ist schwer. Schaut man aber einem Polizisten bei seiner Jagd auf Temposünder genauer über die Schulter, wird schnell klar: Abzocke ist das beim besten Willen nicht.
Blitzen an der Ruhrallee
Polizeioberkommissar Klaus Grundmann sitzt auf seinem Motorrad entgegen der Fahrtrichtung am Rand der Ruhrallee. Seine Ellenbogen sind auf den Lenker gestützt, voller Konzentration schaut er durch ein Lasermessgerät, das aussieht wie ein aufgemotztes Fernglas. In diesem Abschnitt ist Tempo 60, trotzdem schießt ein Auto nach dem anderen zischend an dem Beamten vorbei.
Das Messgerät zeigt, dass hier nahezu jeder zu schnell fährt. Und zwar nicht zu knapp: Tempo 80, Tempo 90, Tempo 100. In einer 60er-Zone. Noch dazu an einem bekannten Unfallschwerpunkt. Polizist Grundmann könnte hier jeden Dritten aus dem Verkehr ziehen, ein hübsches Sümmchen würde dabei rausspringen. DAS wäre Abzocke. Doch Grundmann hat es nur auf die wirklich schnellen Fahrer abgesehen, er winkt die Fahrzeuge erst ab 89 km/h raus.
Es dauert keine acht Sekunden, da ist es so weit. Eine junge Frau ist 42 km/h zu schnell. Grundmann stellt sich mitten auf die Straße, winkt die Dame an den Fahrbahnrand. Sie ist nicht angeschnallt und viel zu schnell unterwegs. 240 Euro Strafe, drei Punkte, ein Monat Fahrverbot. Das schmerzt. Aber es brennt sich ein. Zu schnell fahren wird die junge Frau an dieser Stelle garantiert nie wieder.
Zwei Stundenkilometer weniger heißt 15 Prozent weniger Verletzte
Eine Studie der Polizei im Märkischen Kreis hat ergeben, dass die Zahl der Verletzten und Toten im Straßenverkehr um 15 Prozent zurückgeht, wenn es gelingt, die Durchschnittsgeschwindigkeit um nur zwei Stundenkilometer zu senken. Grundmann hofft, dass er dazu beitragen kann.
Seit 1997 ist er mit dem Lasermessgerät unterwegs. Er kennt jedes Bauteil, bildet seit Jahren Beamte an dem Gerät aus. Wenn man vernünftig damit umgehe, gebe es keinen Zweifel an der Richtigkeit der Messung, sagt Grundmann. Im Schnitt muss er einmal pro Woche als Zeuge vor Gericht erscheinen. Denn oft klagen ertappte Temposünder und unterstellen, das Gerät habe nicht richtig funktioniert, oder der Beamte habe einen Fehler gemacht. Durchgekommen ist damit aber noch nie jemand.
Neue Strategie der Polizei in NRW
Die Polizei in NRW veröffentlicht im Internet neuerdings jeden Tag die Straßen, an denen sie Geschwindigkeitskontrollen plant. NRW-Innenminister Ralf Jäger hofft, dass sich dadurch das durchschnittliche Geschwindigkeitsniveau senkt und damit viele schwere Unfälle vermieden werden.
Auch in Dortmund sind etliche Autofahrer viel zu schnell unterwegs. 2010 gab es laut Statistischem Landesamt über 2000 Unfälle mit Personenschaden, in mehr als zehn Prozent der Fälle war die Ursache überhöhte Geschwindigkeit. 13 Menschen starben im vergangenen Jahr auf Dortmunds Straßen, 2100 Personen wurden verletzt.
Doch die Zahlen sinken: 2009 hat es 500 Unfälle mehr gegeben, damals sind sogar 20 Menschen gestorben. Sicherlich ist diese Tendenz auch den Geschwindigkeitskontrollen zu verdanken. Wer einmal saftig bezahlen musste, achtet beim nächsten Mal (hoffentlich) genauer auf den Tacho.
Im Schnitt 170.000 geblitzte Fahrzeuge
In Dortmund blitzt nicht nur die Polizei, auch das Ordnungsamt der Stadt führt regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen durch. Letzerem gehören auch die vier „Starenkästen“, von denen allerdings immer nur drei mit einer Kamera bestückt sind. Im vergangenen Jahr erwischte das Ordnungsamt mit seinen vier stationären und fünf mobilen Blitzern 131.000 Temposünder, von der Polizei wurden 41.562 Raser ertappt. Jedes Jahr werden im Schnitt so viele Fahrzeuge in Dortmund geblitzt.
Wie viel an Buß- und Verwarngeldern dadurch zusammen kommt, ist schwer zu ermitteln, da - je nach Höhe der Übertretung und abhängig davon, ob gegen den Bescheid Einspruch eingelegt wird - die Strafen entweder in die Stadt- oder die Landeskasse fließen.
Über drei Millionen Euro Strafzahlungen
Stadt- und Landeskasse sowie Polizeipräsidium teilten auf Anfrage mit, es gebe sozusagen einen großen Topf mit Verwarn- und Bußgeldern. Wie viele davon allein durch Geschwindigkeitskontrollen der Polizei zusammen kämen, sei nicht feststellbar.
Das Ordnungsamt hingegen führt eine solche Statistik. 2010 kamen demnach 986.013 Euro an Bußgeld- und knapp zwei Millionen Euro an Verwarngeldstrafen zusammen, wie ein Teamleiter des Ordnungsamtes mitteilte.
13:33
Das mit der Information, warum jetzt gerade in Strasse X gemessen wird, würde ich mir auch wünschen. Denn wenn die Polizei z.B. aus dem Gebüsch in der Nähe Ecke Karl-Marx-Strasse/Westfalendamm blitzt, dann wirkt das schon ein bisschen wie Wegelagerei.
Schlimmer ist nur das Ordnungsamt der Stadt Dortmund, das die blitzenden Kleinkastenwagen ausländischer Hersteller mit auswärtigen Kennzeichen immer genau da hinstellt, wo im Leben keine Gefahr besteht. Z.B. Samstags morgens in der Karl-Marx-Strasse. Da ist so gut wie niemand unterwegs, und schon gar keiner, der einfach so auf die Strasse springen würde.
06:49
Geschwindigkeitskontrollen und Unfallschwerpunkte kann ich nur selten zusammenbringen. Ich wurde bisher nur an Stellen mit kleiner Erhöhung erwischt, auf denen garantiert keine Gefahr drohte. Die B1-Geschwindigkeitsreduktion ist ein Witz!
Die Polizei muss dringend Statistiken veröffentlichen (Unfallschwerpunkte, Kriminalität, Aufklärungsraten). Nur so wird die Arbeit transparent. Statistiken, die unregelmäßig in Magazinen veröffentlicht werden, zeigen ein schlimmes Bild für Dortmund.
Auch die Schulen haben sich lange gegen Vergleiche gewehrt. Jetzt sind sie da und schon wird es besser.
22:17
Ich behaupte, dass es bei über 90% der Autofahrer eine Intelligenz / Erfahrung gibt, offensichtliche Gefahrenstellen zu erkennen.
Beispiel 1: Saarlandstraße: hier eine Tempo 30 Zone einzurichten ist unstrittig.
Beispiel 2: Ruhralle ab B1 stadtauswärts: früher war auf der Strecke bis zur Abfahrt "Eintracht" Tempo 60. Völlig unverständlich. Die Konfliktsitutionen entstanden aus den unterschiedlichen tatsächliche gefahrenen Geschwindigkeiten (weil Tempobegrenzung nicht einsichtig und nicht akzeptiert). Ich habe selber dort stressige Situationen erlebt.
Diese Problematik ist verstanden worden, und jetzt ist die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 erhöht worden. Effekt: Völlig entspanntes fahren!!.
"Panta rhei" Alles fließt !
Die Notwenigkei der Tempozone 60 an der Ruhrallee stadteinwärts erschließt sich mir und anscheinend auch den mich begleitenden Fahrern nicht.
Wie kommen Sie zu der Aussage: "bekannter Unfallschwerpunkt" ? Mir ist dort als Vielfahrer nie ein Unfall bekannt geworden!
Ich fordere:
Ab sofort soll die Polizei sinnentleerte Nachrichten wie: "es wird auf der Wittbräucker Straße geblitzt" sofort einstellen. Der Nachrichtenwert ist gleich null.
Bekannt zu machen ist:
- Wo gibt es tatsächliche Unfallschwerpunkte?
- Welche Schäden sind entstanden?
- Aus gemachter leidvoller Erfahrung (Unfall passiert): Wo sind ähnliche Unfälle zu erwarten?
DIESE INFORMATIONEN SIND WICHTIG und müssen nicht nur aktiv sondern agressiv über alle medialen Kanäle verbreitet werden (Zeitung, internet, Radio). Bringen Sie auch gerne persönliche Schicksale ein, um dem Problem ein Gesicht zu geben!
Die Akzeptanz von Geschwindigkeitskontrollen wird rapide ansteigen! Und auch bei denen die "nur" 15 km über der Grenze liegen.
Nie messen, weil es dort gerade so gut zu messen ist.
Es gibt eine "Schwarm-intelligenz": wenn überpropotional viele Autofahrer an einer Stelle schneller fahren, ist dort keine Gefahr zu vermuten.
Wenn eine Gefahr zunächst nicht ersichtlicht ist: Es ist die Aufgabe zunächst: INFORMIEREN
Dann KONTROLLIEREN
wenn so viele autofahrer so intilligent sind...wieso fahren sie dann zu schnell??
21:05
Es ist doch lächerlich wie sich die Polizei darstellt.Hier geht es nicht um Unfallzahlen zu senken sondern um billige Wegelagerei. Die Straßen sind gut ausgebaut, es sind keine Unfallschwerpunkte, also nur Abzocke. Statt Verbrecher und Straftäter zu fangen findet nur ein Raub auf hart Verdienstes Geld des kleinen Mannes statt.
18:16
Klar ist es Abzocke wenn mitten in der Woche nachts um 01:30 Uhr das Ordnungsamt in der 60 km Zone kurz vor der 50ger Zone und ca 500meter vor dem Starrenkasten auf der B1 blitzt die zu der Zeit fast leer ist.
Unfallschwerpunkt das ich nicht Lache
14:35
Es ist keine Abzocke, wenn der Polizist nicht alle rauszieht? Der Polizist KANN gar nicht alle rausziehen, also nimmt er nur die "dicken Fische". Einmal 240 € ist eben besser als 10 mal 15€ Verwarnung. Ob das nun Abzocke ist oder doch moralische Schwerstarbeit... sei mal dahin gestellt. Und dass die Polizei jetzt vorher im Internet schreibt, wo sie blitzen wird, ist meiner Meinung nach keine Legitimation, so häufig Messungen durchzuführen, auch an Stellen, die keine Unfallschwerpunkte sind.
Das nur als kleine Randnotiz, dass sich jeder an die Tempolimits zu halten hat, ist natürlich klar.