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Dortmunder U

Im U hört man die Stille sprechen

23.08.2012 | 19:00 Uhr
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Die Stille wird hörbar in der neuen Doppelausstellung vom Museum Ostwall und Hartware Medienkunstverein.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Das Dortmunder U wird durch eine Doppelausstellung belebt: „Fluxus. Kunst für alle!“ ist eine Ausstellung des Museums Ostwall, „Sounds like Silence“ kommt vom Hartware Medienkunstverein. Die Zusammenarbeit tut dem Hause U mehr als gut. Es erhält Gewicht.

Das wohl berühmteste Stück des Komponisten und Künstlers John Cage dauert vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden, und so heißt es auch: 4’33“. Es wurde am 29. August 1952 in der Maverick Concert Hall in Woodstock, New York uraufgeführt. Seine Wirkung ist enorm – dank der Aufführungsanweisung „tacet“ (man schweigt) vor jedem seiner drei Sätze. Denn 4’33“ besteht aus Stille.

Wie viel andere Stille diese wenigen Minuten seither ausgelöst haben in der Kunstwelt, auch was Stille ist, was sie sein und wie man sie trotz ihrer wahrnehmen kann, das reflektiert eine Ausstellung, die heute, Freitag, um 19 Uhr im Dortmunder U die Pforten für Besucher öffnet (bis 6. Januar 2013). „Sounds like Silence“ kann im Kontext mit einer anderen Ausstellung im U, mit „Fluxus. Kunst für alle!“, gesehen werden, für beide gibt es auch ein Kombiticket. „Fluxus“ ist eine Ausstellung des Museums Ostwall, „Sounds“ kommt vom Hartware Medienkunstverein. Die Zusammenarbeit tut dem Hause U mehr als gut. Es erhält Gewicht.

Fluxus ist keine sonderlich angestrengte Kunstdisziplin

Ohne Gedenkdaten wäre sie aber wohl kaum zustande gekommen, diese Synergie. Fluxus wird fünfzig (Klavier-zertrümmernde Konzerte ab September 1962), 4’33“ sechzig Jahre alt – und in wenigen Tagen jährt sich der einhundertste Geburtstag des vor zwanzig Jahren verstorbenen John Cage.

Entgegen landläufiger Meinung ist Fluxus keine sonderlich angestrengte Kunstdisziplin. Daniel Spoerris Eat Art-Werke waren vergänglich, weil verzehrbar. Natürlich wurde über Cages Stille-Musik auch gelächelt, aber meist doch in kollegialem Ernst: Wer jetzt den HMKV betritt, dem schauen gleich vom ersten Monitor Harald Schmidt und Helge Schneider entgegen, die in einer Schmidt-Show im Dezember 2010 mit einer Geigerin das vorgeschriebene „tacet“ allerdings nicht ganz einhielten. Etwa vierzig Künstler und Künstlerpositionen, die ohne Cage nicht denkbar wären, sind vertreten.

Partituren, Zeitgenossen und Stille heute

Schön zu sehen, wie die Fluxus-Kuratoren Inke Arns und Dieter Daniels ihrerseits Cage folgen und eine Ausstellung in drei „Sätzen“ versuchen: Partituren, Zeitgenossen und Stille heute.

Der U-Turm

Das Museum Ostwall wiederum überwältigt mit einer neuen Fülle vor allem kleinteiliger Fluxus-Kunst, Multiples die Menge, die durch Zuordnung auf verschachtelten Kisten sicher so etwas wie eine architektonische Höherbewertung erfahren sollen: Der Sammler Wolfgang Feelisch hat dem Museum eine weitere Dauerleihgabe überlassen, der Erbe des Sammlers Hermann Braun, eines Freundes von George Brecht, eine erste – ohne sonderliche Überschneidungen. Beide, Feelisch und Holger Lieff, begutachteten gestern die Ausstellung.

Leicht zu übersehen der Galerie-Raum des HMKV im sechsten Stock mit einer mächtigen Installation von Bruce Nauman, der mit „versteckter Kamera“ unheimliche Nächte in seinem verlassenen Atelier filmte. Da sieht man nicht nur die Mäuse flitzen – man hört auch die Stille sprechen.

Rainer Wanzelius

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