Das aktuelle Wetter Dortmund 13°C
Landgericht

Im Mordprozess redet Angeklagter lieber über Unternehmensführung

21.01.2013 | 16:48 Uhr
Im Mordprozess redet Angeklagter lieber über Unternehmensführung
Der Angeklagte Dr. Martin B. versteckte sein Gesicht zum ProzessauftaktFoto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Musikkritikerin und früheren Kulturredakteurin unserer Zeitung Dr. Sonja Müller-Eisold sagte der Angeklagte gestern wieder einmal viel – jedoch nichts zum Vorwurf des Mordes.

Er redet druckreif, flüssig und vor allem viel. Allerdings nichts zu dem schlimmsten Vorwurf, der einem Menschen gemacht werden kann: ein Mörder zu sein. Dr. Martin B., der laut Anklage die Schuld am gewaltsamen Tod der bekannten Musikkritikerin und früheren Kulturredakteurin unserer Zeitung Dr. Sonja Müller-Eisold (80) trägt, überraschte das Schwurgericht gestern unter anderem mit einem ausführlichen Exkurs in Sachen Unternehmensführung und Insolvenzrecht.

Wozu diese Ausführungen über „Plan a, b und c“ bei der erfolgreichen Vermietung seiner Wohnung? Wozu seine Erklärung, dass er dadurch „bis zu 50.000 Euro steuerfrei“ hat einnehmen können und darüber hinaus über eine „ökonomische Potenz“ verfüge? Der Unternehmensberater und Philosoph, der seine Doktorarbeit im Bereich „Ethik in der Unternehmensführung“ schrieb, macht eine kleine Kunstpause. Und lässt das Schwurgericht dann wissen, dass er absolut keinen Grund dazu gehabt habe, aus Habgier einen Menschen zu töten.

Vorwurf: Mit Arnbrust geschossen und später Geld abgehoben

Denn das wirft Staatsanwalt Dr. Heiko Artkämper dem 49-Jährigen vor. Am Abend des 25.Oktober 2011 soll der Angeklagte Dr. Sonja Müller-Eisold, die er aus der Kulturszene kannte, in ihrem Bungalow in Löttringhausen aufgesucht und um Geld gebeten haben. Im Laufe des Streites, so der Vorwurf, beschoss er sie mit dem Bolzen einer Armbrust, raubte anschließend die Scheckkarte und hob damit später Geld ab.

Gericht wies Beweisanträge der Verteidigung ab

Eine halbe bis zwei Stunden nach der ebenso brutalen wie gespenstischen Armbrust-Attacke hörte demnach das Herz der 80-jährigen Musikkritikerin und Vorsitzenden des Wagner-Vereins auf zu schlagen. „Vermehrtes Ausschütten von Adrenalin kann Herzrhythmusstörungen auslösen“, so hatte der Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff im Prozess erklärt. Und diese Aussage reicht dem Schwurgericht aus: Der Beweisantrag der Verteidigung, ein weiteres Gutachten zur Todesursache einzuholen, wies die Kammer ab. Ebenso wie den Antrag, dass auch andere Gegenstände als der Bolzen einer Armbrust die Verletzungen am Bauch des Opfers haben hervorrufen können. Zu dieser Frage, so das Gericht, habe man bereits einen Sachverständigen des Landeskriminalamtes gehört – und das reiche.

„Sie scheinen Ihre Lage immer noch nicht richtig einzuschätzen“

Wie schon so oft seit Beginn des Verfahrens im Sommer 2012, so wies der Angeklagte auch gestern wiederholt auf Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins „Dortmunder Kulturbühne“ hin. Vor allem mit dessen erstem Vorsitzenden habe er im Clinch gelegen. „Ob er sich der üblen Nachrede oder der Verleumdung schuldig gemacht hat, darüber wird aber nicht vor dem Schwurgericht verhandelt“, so ereiferte sich Dr. Martin B. Dass diese Querelen für den schweren Vorwurf der Mordanklage keine Rolle spielen, sagte ihm der Schwurgerichtsvorsitzende Wolfgang Meyer gestern nicht zum ersten Mal : „Herr Dr. B., Sie scheinen Ihre Lage immer noch nicht richtig einzuschätzen.“

Kathrin Melliwa



Kommentare
Aus dem Ressort
Urteil könnte Plan der Rechtsextremen durchkreuzen
Gruppe im Rat
Ein aktuelles Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster könnte die Absicht der beiden Rechtsextremen im Rat vereiteln, als Ratsgruppe 42.540 Euro zu kassieren. Aber auch Die Linke & Piraten müssen um ihren gemeinsamen Fraktionsstatus bangen.
Kinder und Jugendlichen helfen Polizei bei Kontrollen
Blitzmarathon am 18....
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen bereitet den siebten 24-Stunden-Blitzmarathon vor. Neben NRW wirken alle anderen Bundesländer mit. Kinder und Jugendliche sollen der Polizei in Dortmund vor den Kontrollen und beim Blitzmarathon am 18. September helfen. Wichtiges Medium ist dabei das Internet.
Platzverweise gegen 63 von 103 Personen
Nordstadt
Seit April 2014 gilt in den Straßen rund um den Nordmarkt abends und nachts "Durchfahrt verboten". Doch die Schilder allein reichen nicht. Mit Kontrollen muss das Ordnungsamt das Recht auf Ruhe der Anwohner durchsetzen.
54-Jähriger bei Unfall auf der B1 schwer verletzt
Stadtbahnlinie gesperrt
Um 19.31 Uhr am Dienstagabend ist ein Motorradfahrer auf der B1 verunglückt. In Richtung Unna war der linke Fahrstreifen auf Höhe der Voßkuhle für mehrere Stunden gesperrt. Mittlerweile gibt es genauere Details zum Unfallhergang.
Drei Stadtbahn-Auto-Kollisionen in zwei Stunden
Ein Schwerverletzter
Im Dortmunder Stadtbahn-Netz ist es am Dienstag zu einer ungewöhnlichen Häufung von Unfällen gekommen. Innerhalb von zwei Stunden gab es drei Zusammenstöße mit anderen Fahrzeugen. Auf der Bornstraße erfasste eine Bahn ein Auto, der Fahrer wurde eingeklemmt und schwer verletzt. Auch zwei andere...
Fotos und Videos
Abbau der Kokerei Kaiserstuhl 2003
Bildgalerie
Fotostrecke
BVB-Profi Neven Subotic besucht Marie-Reinders-Realschule
Bildgalerie
Fotostrecke
High-Heels-Workshop in Hörde
Bildgalerie
Fotostrecke
Tedi-Cup
Bildgalerie
Fotostrecke