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Amtsgericht

Im Fitness-Studio lag "Schnee" im Spind

02.02.2010 | 17:28 Uhr

Dortmund. Im Spind eines Dortmunder Fitness-Studios hatte die Polizei im letzten Sommer einen heißen Fund gemacht: knapp 5 Gramm Kokain und 2000 Euro Bargeld. Wegen Drogenhandels saß ein Mitglied des Klubs am Dienstag auf der Anklagebank des Amtsgerichtes.

Wie im falschen Film wähnten sich am 24. August 2009 einige Mitglieder eines Dortmunder Fitness-Clubs, die sich ahnungslos in der Umkleidekabine umzogen: Die Polizei kam herein und knackte - zack, zack - einen Spind. Der Inhalt: Knapp fünf Gramm Kokain und 2000 Euro Bargeld.

"Ich habe meine Vitamine damit gemischt"

Der Benutzer des Spindes hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Lunte gerochen und in Windeseile das Weite gesucht. Gestern saß der 26-Jährige wegen Drogenhandels auf der Anklagebank des Amtsgerichtes - aus seiner Sicht völlig zu Unrecht. „Ich ging fast jeden Tag zum Training, das war alles für mich selbst”, meinte der Mann aus dem Libanon und erzählte dann zum großen Erstaunen von Amtsrichter Hartmut Kiskämper folgendes: Wer so viel Sport treibe wie er, der müsse sich schließlich vernünftig ernähren. Und während seine Sportskollegen viel Obst und Gemüse essen und vielleicht mal das ein oder andere Eiweißpulver zu sich nehmen, habe er eben für seine Bestform seine ganz eigene persönliche Mischung entdeckt: „Ich nehme immer Vitamine mit ins Studio. Und die mische ich dann damit...”

"Das ist ja besser als Grimms Märchenstunde"

Kokain als Sportlernahrung, eine interessante Vorstelung - abgesehen davon, dass auch der Besitz von Drogen schon strafbar ist. Und die 2000 Euro Bargeld, die damals neben den zwölf Folienbeuteln im Spind lagen? Die sollen angeblich der Ehefrau des Angeklagten gehört haben, die sie ihm zur treuen Verwahrung überlassen habe. „Der Vater meiner Frau hatte das Geld aus Polen geschickt, wir sollten unserer Kleinen ein schönes Kinderzimmer davon kaufen.”

Im Spind habe die beachtliche Summe damals nur gelegen, weil man sich just an jenem Tag direkt nach dem Training in einem großes Möbelhaus treffen wollte. Was die Polizei ja dann verhinderte...

„Soso, und Sie sind dann schnöde in Sportklamotten abgehauen und haben Opas schönes Geld liegen gelassen”, meinte Staatsanwalt Herbert Streicher süffisant, bevor er deutlicher und auch etwas lauter wurde: „Das ist ja besser als Grimms Märchenstunde.”

Prozess wird mit weiteren Zeugen fortgesetzt

Bereits Wochen vor Aufbruch des Spindes hatten anderen Sportsfreunde und auch der Trainer des Klubs Verdacht geschöpft. Doch während der Trainer bei der Polizei einst auspackte, zeigte er sich jetzt als Zeuge zugeknöpft: „Mir wurde das alles von anderen erzählt, ich selbst weiß nur, dass er Autos verkaufte.” Nun werden weitere Mitglieder als Zeugen geladen. Wann der Prozess weitergeht, ist noch nicht bekannt.

Kathrin Melliwa

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