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Tatort Dortmund

Im eigenen Haus brutal überfallen

24.01.2012 | 16:49 Uhr
Im eigenen Haus brutal überfallen
Ein Streifenwagen der Polizeivor einem Wohnhaus. Foto: dapd

Dortmund.   Nächste Folge unserer Serie „Tatort Dortmund“: Vor einem Einbruch bzw. Raub kundschaften Kriminelle ihre Tatorte gründlich aus. Umso wichtiger sind daher für die Ermittler aufmerksame Nachbarn. Zwei brutale Raubüberfälle in Einfamilienhäusern beschäftigen derzeit die Kriminalkommissare.

Zwei brutale Raubüberfälle in Dortmunder Einfamilienhäusern, bei denen die skrupellosen Täter ihre Opfer Ende des Jahres misshandelten und fesselten, beschäftigen derzeit die Ermittler des KK 13. Die Opfer durchlitten Todesängste. „Die Täter hatten es auf Schmuck und Bargeld abgesehen“, berichtet Kriminalhauptkommissar Dietmar Rumpf.

Ermittlungen brachten es jetzt ans Tageslicht: Nach Einschätzung der Kripobeamten kommt dieselbe Tätergruppe für beide Überfälle im Dortmunder Süden in Frage.

Schon am 11. Oktober 2011 ereignet sich in den Abendstunden die erste Tat in einem ruhigen Wohngebiet mit Villen, Einfamilienhäusern und großzügig angelegten Gärten in Löttringhausen. Vermutlich hatten die Täter die Situation um das ausgeguckte Einfamilienhaus lange ausbaldowert, jede Kleinigkeit genauestens ausgekundschaftet.

Opfer gefesselt

Vermutlich wussten sie auch, dass der 71-jährige Hausbesitzer allein im Haus wohnt. „Denn solche Täter kommen nicht nur einmal zum Tatort“, weiß Rumpf.

Die beiden maskierten Täter überrumpeln den Hausbesitzer, misshandeln und bedrohen ihn. Für die beiden Täter leichtes Spiel. Schließlich entkommen sie mit wertvollem Schmuck und Bargeld. Ansonsten lassen sie nichts mitgehen. Bevor sie mit ihrer Beute flüchten, fesseln sie ihr Opfer mit Kabelbindern. „Auf die Hilferufe des Mannes werden Anwohner aufmerksam“, erzählt KHK Stefan Dörries. Zum Glück kann die Polizei den Senior schnell befreien.

Überfall in Weihnachtszeit

Zwei Monate später, am 23. Dezember, dann der zweite schreckliche Überfall. Diesmal wird ein Ehepaar in seinem Gartenhaus in der Aplerbecker Mark überfallen. Eigentlich wollen die Dortmunder nur alles fürs Weihnachtsfest vorbereiten, als urplötzlich zwei Maskierte vor ihnen stehen. Auch hier die gleiche brutale Vorgehensweise: die Täter, die mit ausländischem Akzent sprechen, misshandeln das Ehepaar und schüchtern es vehement ein, so dass es ihnen den Tresor öffnet. „Die Beute auch hier hochwertiger Schmuck und Bargeld“, berichtet Hauptkommissar Gerhard Wozny. Bevor die Räuber flüchten, sperren sie das Ehepaar in den Keller und fesseln beide an Heizungsrohre. Trotzdem gelingt es der Ehefrau, an ein Telefon zu kommen und den Notruf 110 zu wählen.

Arbeit im KK 13 - das sei Teamarbeit, betonen die drei Hauptkommissare. Und nur im Team könne man erfolgreich sein. Und so trugen die Ermittler Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zu beiden Überfällen zusammen, glichen die Aussagen der Nachbarn miteinander ab und analysierten die Spuren, bis sich ihr Verdacht erhärtete: „Aufgrund der gleichen Vorgehensweise der Täter, der Personenbeschreibungen – die Opfer sahen jeweils zwei mittelgroße Täter um die 30 - und aufgrund der weiteren Spuren, meinen wir, dass es sich tatsächlich um dieselbe Tätergruppe handeln kann“, sagt Dietmar Rumpf.

Gleiches Strickmuster

Bundesweit seien auch aus anderen Orten Raubüberfälle nach dem gleichen Strickmuster gemeldet worden. Ob es sich immer um dieselben Täter handelt oder um verschiedene Gruppen, die aber nach derselben Methode vorgehen, das wisse man noch nicht.

Erfolgreiche Arbeit ist nur im Team möglich: Die Kriminalhauptkommissare Stefan Dörries, Dietmar Rumpf und Gerhard Wozny. Foto: Knut Vahlensieck

„Wir sind in diesen Fällen auf die Hinweise aus der Nachbarschaft angewiesen“, so Stefan Dörries. Die Täter, die vielleicht Tage lang oder schon Wochen vorher die beiden Objekte ausbaldowert haben, „müssen mit ihrem Fahrzeug in der Wohnsiedlung aufgefallen sein“, so Gerhard Wozny. Denn ein Auto, das da nicht hingehöre, falle auf, ebenso wie Personen, die sich vielleicht durch ihr auffälliges Auf- und Abgehen verdächtig machen. Oft hätten Zeugen Skrupel zur Polizei zu gehen, dort auszusagen. „Doch hilft uns wirklich jede Kleinigkeit“, so Wozny. „Vielleicht kann man mit den Informationen zunächst noch nichts anfangen, sie aber später einordnen, so dass sich ein Gesamtbild ergibt.“ Deshalb seien die Befragungen vor Ort auch direkt nach der Tat sehr wichtig. Auch wenn die Betroffenen unter Schock stehen, so haben sie noch viele Einzelheiten der Tat gespeichert, „die wir dann abrufen müssen“, schildert Dörries. Vergehen Tage oder Wochen, sind solche Kleinigkeiten im Gedächtnis verschwunden. Das gleiche gelte auch für wichtige Zeugen, in diesem Fall die Nachbarn.

„Wir können Bürgern nur anraten, sich wirklich wie ein aufmerksamer Nachbar zu verhalten“, sagt Wozny. In der Regel wissen die Anwohner in einer Straße, wer dahin gehört, wer nicht, welches Auto da immer parkt und welcher Fahrer sich verdächtig macht. „Je nachdem soll der Bürger die Betroffenen ruhig ansprechen und sie freundlich fragen, ob er ihnen helfen kann“, sagt Dörries. „Denn die Täter werden so aus ihrer Anonymität geholt.“ Und im Ernstfall soll man ruhig mal ein Kennzeichen notieren oder besonders verdächtige Fahrzeuge oder Personen fotografieren und die Polizei einschalten.

Mehrjährige Haftstrafe

In einem Fall in Berghofen hätten Anwohner goldrichtig gehandelt. „Da kamen Anwohnern zwei Unbekannte verdächtig vor, die wirklich einen Überfall begangen haben und sie haben sie einfach fotografiert“, sagt Rumpf. Aufgrund des Fotos, das man veröffentlicht hat, konnte die Polizei die beiden Verdächtigen schnell ermitteln. Sie wurden fünf Monate später vom Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

In den vorliegenden beiden geschilderten Fällen gingen bereits eine Vielzahl an Hinweisen bei der Polizei ein, doch der entscheidende war nicht darunter. „Doch wir freuen uns über weitere Hinweise“, sagt Rumpf. Hinweise an die Polizei unter 0231/132 – 7999.

Andreas Winkelsträter


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